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Göttingen Für den einen Müll, für den anderen wertvoll
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14:06 16.06.2018
Gabi Grube mit ihrem Plüschhasen. Quelle: Madita Eggers
Göttingen

Unter dem Motto „Was für den einen wertlos ist, kann ein anderer noch gebrauchen“ haben am Sonnabend zahlreiche Besucher beim 23. Göttinger Warentauschtag gebrauchte Waren getauscht. Bereits um kurz vor zehn Uhr bildete sich eine lange Schlange vor den Göttinger Entsorgungsbetrieben (GEB).

Mit Ikea-Taschen und Umzugskartons beladen, gaben die Besucher ihre mitgebrachten Waren beim Organisationsteam ab, wo diese sortiert und mit Einkaufswagen an die einzelnen Stände verteilt wurde. „Die Leute sollen die Hände freihaben und nicht mit vollgepackten Taschen über den Tauschmarkt laufen“, erklärt Maja Heindorf, Öffentlichkeitsarbeiterin der GEB und Sprecherin des Organisationsteams, das Prozedere. Veranstaltet wird der Warentauschtag von der GEB, dem Fachdienst Umwelt der Stadt Göttingen und von der „Neue Arbeit-Brockensammlung“. „Alleine könnten wir das gar nicht bewältigen“, so Heindorf. Mehr als 20 Mitarbeiter betreuten die Stände, sortierten das Sortiment und passten auf, dass keiner gegen die Spielregeln verstieß: „Jeder darf nur einmal aufs Gelände und darf nur so viel mitnehmen, wie er tragen kann“, sagt Heindorf, die selbst mit wachsamen Augen übers Gelände streifte. „Je mehr Ware hier ist, desto mehr Leute können sich darüber freuen. Es sind auch viele dabei, die Bedarf haben“, so Heindorf.

Sechs Stände boten, unter Pavillons und mit Bierbänken eingegrenzt, Waren unter den Oberkategorien Spielzeug, Haushaltswaren, Pflanzen, Kindertextilien, Bücher und Elektrogeräte an. Vor allem bei den Haushaltswaren und den Büchern bildete sich ein wahrer Ansturm. „Das ist jedes Jahr so, deswegen sind das auch die größten Stände mit je drei Leuten“, erklärt Heindorf.

Liebe auf den ersten Blick

Mit freudigen Gesichtern schleppten die Besucher Gartenstühle durch die Menge, verstauten DVD-Player und stöberten in den zahlreichen Bücherkisten. „Ich finde die Aktion sehr gut. Bevor man etwas wegwirft, kann man es doch tauschen. Auch wenn das gerade in unserer Wegwerfgesellschaft out ist“, meint Bernd Briese, der zum zweiten Mal den Tauschmarkt besucht. Mitgebracht habe er hauptsächlich Bücher und Elektrogeräte: „Ich habe auch fast nur Bücher wieder mitgenommen und Übertöpfe für meine Frau.“ Gabi Grube ist bereits zum 22. Mal Teil des Tauschmarktes und bezeichnet sich selbst als Urgestein: „Meine Enkelin hat Ende Juni ihren ersten Geburtstag und ich werde ihr diesen riesigen Plüschhasen schenken“, sagt die Stammkundin und zeigt stolz ihr Fundstück: „Es war Liebe auf den ersten Blick, ich finde sowas toll.“

Abfall in der Warteschleife

„Mich als Abfaller freut es, dass durch den Warentauschtag dem Abfall eine Warteschleife eingeräumt wird. Es ist ein spürbarer Beitrag zur gelebten Abfallvermeidung“ meint Heindorf. „Wir haben eine Wiederverwertung von 97 Prozent, das ist echt ein irres Ergebnis. Was hier ankommt, ist heute Abend in einem anderen Haushalt.“

Wiebke Tietje (l.) und Leo Reese mit ihrer Ausbeute. Quelle: Madita Eggers

Leo Reese und Wiebke Tietje sind zum ersten Mal auf dem Tauschmarkt und haben vor allem Erst-Einrichtungssachen getauscht: „Meine Schwester ist schwanger und zieht in eine neue Wohnung“, so Tietje. Auch ein Kinderhochsitz und ein Autositz haben die beiden gefunden. „Eigentlich ist sowas ja furchtbar teuer, und die sind auch noch echt gut erhalten.“

Handel ohne Währung

Der Warentauschtag funktioniert ohne Geld unter dem Motto: Es kann mitgebracht werden, was noch funktioniert, es kann mitgenommen werden, was gebraucht wird. Auch wer nichts mitbringt, kann etwas mitnehmen. Ein Wertausgleich für die mitgebrachten Waren findet nicht statt. „Viele fragen uns, warum wir den Warentauschtag nicht öfter anbieten“, erzählt Heindorf. „Zum einen fehlt uns dafür die Woman- und Manpower und zum anderen kriegen wir dann keine schönen Sachen mehr. Die Idee und der Schrank wären dann ausgenudelt.“

So war es beim Warentauschtag 2017.

Von Madita Eggers

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