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Göttingen Zauber-Pflastersteine gegen Stickoxide in der Luft
Die Region Göttingen Zauber-Pflastersteine gegen Stickoxide in der Luft
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18:01 07.05.2011
Von Ulrich Schubert
Teststrecke im Werk: Abgas trifft auf reinigende Steine.
Teststrecke im Werk: Abgas trifft auf reinigende Steine. Quelle: Nüdlingen
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„Warum sollen luftreinigende Pflastersteine nicht auch in Göttingen eingesetzt werden“, fragt Holger Welskop, CDU-Abgeordneter im Rat. Im Bauausschuss hat er die Idee jetzt vorgetragen und bekam Rückendeckung von allen Parteien. Fazit: Die Stadtverwaltung soll prüfen, ob sie in der Innenstadt „Airclean“-Steine statt herkömmlicher Platten verlegen könnte und wie teuer das ist.

Hintergrund der Initiative ist die dicke Luft über Göttingen. Schon mehrfach lagen die Feinstaub-Werte über den Grenzmarken. Das Hauptproblem ist aber Stickstoffdioxid in der Luft. Die Stadt versucht zwar mit abgasarmen Stadtbussen gegenzusteuern und will langfristig Schwerlaster gezielter durch die Stadt leiten. Effektiv wegblasen lässt sich das Problem bisher aber nicht.

Mit den neu entwickelten „Airclean“-Steinen der Betonfirma Nüdlingen könnte das gelingen, so Welskop. Das Verfahren: Ihre Oberfläche aus Titandioxid wirkt als Photokatalysator. Sonnenlicht löst einen chemischen Prozess aus, der schädliche Stickoxide in leicht lösliche und ungefährliche Salze (Nitrate) umwandelt. Diese werden ins Kanalnetz gespült. An entsprechend ausgelegten Flächen sei eine Abbaurate von durchschnittlich 18 Prozent gemessen worden, so Welskop. Unter wissenschaftlichen Laborbedingungen werden je nach Wind- und Lichteinfluss Raten von 20 bis 70 Prozent genannt. Und: die Pflastersteine würden auch auf kleinen Flächen auf Fußwegen und Parkbuchten wirken. Sie müssten nicht flächendeckend verlegt werden.

Es gebe nur wenig Möglichkeiten, Stickoxide in der Luft zu reduzieren. Gerade in den „Straßenschluchten“ in der Göttinger Innenstadt könnten luftreinigende Pflastersteine eine gute Lösung sein, sagte im Ausschuss auch Stadtbaurat Thomas Dienberg. „Wir müssen alle Möglichkeiten gegen Stickoxide prüfen“, ergänzte für die SPD Andreas Klatt. Noch wichtiger sei es allerdings, von vornherein Feinstaub und Stickoxid-Bildung zu vermeiden. Ulrich Holefleisch (Grüne) mahnte zwar zur Vorsicht mit dem neuen Verfahren, da es noch viele offene Fragen zur Nanotechnoligie gebe. Prüfen sollte die Stadt das Verfahren aber dennoch.

Nano-Titandioxid

Ausgangsstoff für Titandioxid ist das Titan-Eisenerz Ilmenit. Es wird über chemische Reaktionen gewonnen. Als weißes Pigment wird Titandioxid unter anderem in Farben, der Textilindustrie, Cremes, Schminke und Lebensmitteln verwendet. Sehr kleine Nano-Partikel sind zurzeit umstritten. In einer Studie unter Mitwirkung des Bundesministeriums für Forschung zu Risiken der Nanotechnologie wird allerdings bilanziert, dass von Nano-Titandioxid „keine Gefahr ausgeht“.

Update: Fehler in der Überschrift ("Plastersteine") korrigiert, fh.