Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Zecken-Entfernung ein operativer Eingriff?
Die Region Göttingen Zecken-Entfernung ein operativer Eingriff?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:15 08.08.2011
Von Andreas Fuhrmann
Gefährlich: Wenn eine Zecke im Bereich der Augen zubeißt, muss schnell gehandelt werden.
Gefährlich: Wenn eine Zecke im Bereich der Augen zubeißt, muss schnell gehandelt werden. Quelle: EF
Anzeige
Göttingen

Der Grund: Bei dem Entfernen einer Zecke handle es sich um einen „operativen Eingriff“, und der dürfe von pädagogischen Fachkräften nicht vorgenommen werden, erklärt Stadtsprecher Detlef Johannson. „Das ist Quatsch“, sagt hingegen Helmut Eiffert, Professor für Virologie am Universitätsklinikum Göttingen. Eine Zecke lasse sich meist leicht abstreifen, das könne jeder, auch eine Erzieherin – „kein Zweifel“.

Die Stadt aber sieht das anders, schließlich bestehe „bei unsachgemäßer Entfernung bekanntlich ein hohes Infektionsrisiko“, so Johannson weiter. „Wenn also bei Kindern eine Zecke entdeckt wird, werden sofort die Eltern verständigt. Wenn dies nicht möglich ist, gehen unsere Mitarbeiterinnen mit dem Kind zum Arzt. Die Eltern werden darüber hinaus darauf aufmerksam gemacht und gebeten, ihre Kinder nach dem Kindertagesstätten-Besuch nochmals gründlich auf einen Zeckenbefall hin anzuschauen.“

Eiffert versteht dennoch nicht, warum nicht auch die Erzieherinnen eine Zecke entfernen dürfen. „Die würden das bei ihrem eigenen Kind doch auch machen. Man sollte die Kirche im Dorf lassen und zusehen, dass die Zecke rauskommt.“ Schließlich sei es wichtig, die Blutsauger „so schnell wie möglich“ zu entfernen. „Denn das Übertragungsrisiko steigt mit der Dauer des Saugens und Festsitzens.“

Für die Zeckenentfernung eignen sich laut Eiffert am besten spezielle Pinzetten oder Karten, die es in jeder Apotheke zu kaufen gibt. „Wenn das nicht gelingt und die Zecke sehr fest sitzt, dann sollte man zum Arzt gehen“, rät der Professor. In jedem Fall dürfe man die Zecke beim Herausziehen nicht zerquetschen, weil sonst ihr Darminhalt, der die gefährlichen Borrelien enthält, in die Wunde gelangen könnte. Außerdem sollten keine Hausmittelchen wie Klebstoff oder Öl verwendet werden, weil die Zecke ansonsten in ihrem Todeskampf erbreche.Wenn aber nur kleine Teile des Kopfes in der Wunde verblieben, sei das nicht weiter schlimm. „Das erhöht nicht das Infektionsrisiko und ist eher mit einem Holzsplitter zu vergleichen“, erklärt Eiffert.

Die Stadt Göttingen will auch weiterhin an der bisherigen Regelung für ihre 15 städtischen Kitas festhalten. Diese sei zwar nicht vertraglich verankert, es handele sich aber „um eine Praxis, die in unseren Kindertagesstätten gleichermaßen so umgesetzt wird“, erklärt Stadtsprecher Johannson. Zudem hätten sich die Eltern bis jetzt noch nie über dieses Vorgehen beschwert.

Dass die Zeckenentfernung aber durchaus ein Thema ist, zeigt der Fall in einer Göttinger Kindertagesstätte in freier Trägerschaft. So berichtet ein Vater, er habe erfahren, dass in der Kita seiner Tochter „den Kindern keine Zecken entfernt werden dürfen“. Werde festgestellt, dass ein Kind von einer Zecke gebissen wurde, würden die Eltern kontaktiert, die den Blutsauger dann selbst oder vom Arzt entfernen lassen müssten.

„Hier geht wertvolle Zeit verloren für einen Eingriff, der wenige Sekunden dauert, wenn eine Zeckenzange und etwas Übung vorhanden ist. Die Meinung, dass es sich hier um einen operativen Eingriff handelt, der nicht durchgeführt werden darf, lässt sich nicht bestätigen.“
In manchen Kindergärten ist das Entfernen von Zecken sogar im Betreuungsvertrag geregelt. Dort können Eltern eine Einverständniserklärung unterschreiben, dass das Kita-Personal eine Zecke sofort nach Sichtung ablösen darf.