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Göttingen Jazz-Legende aus Äthiopien eröffnet Konzertreihe
Die Region Göttingen Jazz-Legende aus Äthiopien eröffnet Konzertreihe
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19:30 30.09.2019
Das Ethio-Jazz-Trio um den Keyboarder und Akkordeonisten Hailu Mergia spielt am Mittwoch im Alten Rathaus in Göttingen. Quelle: r
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Göttingen

Seit zehn Jahren ist das Vinyl-Reservat in Göttingen Treff- und Anlaufpunkt für Schallplatten-Junkies, Musik-Afficionados und Sound-Nerds – erst am Papendiek, seit vier Jahren an der Roten Straße gegenüber Sport-Karstadt. Philipp Schubring, der den Plattenladen betreibt und in diesem Jahr auch ein eigenes Label ins Leben gerufen hat, feiert die volle Dekade in der ersten Oktoberwoche mit einer kleinen Konzertreihe. Zum Auftakt spielt am Mittwoch, 2. Oktober, das äthiopische Jazz-Trio Hailu Mergia im Alten Rathaus. Einlass ist ab 19.45 Uhr, Konzertbeginn um 20.15 Uhr.

Schlag auf Schlag folgen dann drei weitere Konzerte im Vinyl-Reservat. Beginn ist jeweils gegen 20 Uhr. Am Donnerstag, 3. Oktober, spielen dort Freddy Fischer and his Cosmic Rocktime Band deutschsprachige Disco-Songs. „In dem Augenblick“ heißt das neue Album der Combo aus Berlin. Über Bass, Gitarre und Schlagzeug hinaus wird der Sound durch Fischers Hammondorgel und seine mit Phaser-Effekten verfremdete Fender Rhodes geprägt.

Persischer Psychedelic-Rock

Shiraz ist nicht nur eine Rebsorte, sondern auch der Name einer Göttinger Band mit orientalischen, latein- und nordamerikanischen sowie europäischen Einflüssen. Die kredenzt am Freitag, 4. Oktober, persischen Psychedelic Rock im Plattenladen. Persische Texte seien ein besonderes Merkmal der Gruppe mit Musikern aus Persien, Sri Lanka, Venezuela und Mexiko, sagt Schubring. Shiraz bedeute auch „Stadt der Blumen und Liebe“ und symbolisiere das Selbstverständnis für ein globales Miteinander.

Als „Duo, das als Trio kommt“ kündigt Schubring Djeuhdjoah & Lieutenant Nicholson an, nennt als Bezüge Soul/Funk/African/Disco/Paris. Dieses Konzert startet am Sonnabend, 5.Oktober. Der Konzert-Sprint zum Jubiläum endet dann am Sonnabend mit einer After-Show-Party und DJ Spoonman aus Hildesheim im Dots.

Ausklang im Dots

Auch die anderen Konzerte klingen mit einem Nachspiel samt Musik vom Plattenteller im Dots aus. „Dort können die Besucher untereinander und mit den Künstlern ins Gespräch kommen“, sagt Schubring. Für alle vier Konzerte und die Abschlussparty im Dots bietet der 40-Jährige auch ein Festival-Kombiticket an. Und nennt als Bedingung, spätestens 15 Minuten vor Konzertbeginn zu erscheinen. Wegen des begrenzten Platzes erfolge der Einlass dann nur noch nach Verfügbarkeit.

Mehr Platz als im Plattenladen gibt es im Alten Rathaus beim Auftritt von Hailu Mergia und seinen Mitstreitern am 2. Oktober. Schubring spricht von einem „wunderbaren Jazz-Trio auch für Leute, die sonst nicht viel mit äthiopischer Musik anfangen können“ und verspricht „funkige Musik zum Treibenlassen“.

Pionier des Ethio-Jazz

Der Keyboarder und Akkordeonist Hailu Mergia hat nicht nur musikalisch eine Odyssee hinter sich. Anfang der 1970er-Jahre war er Pionier des sogenannten Ethio-Jazz, kombinierte psychedelischen Jazz-Funk mit äthiopischen Skalen und Rhythmen. Seine Band Walias, dessen Album „Che Belew“ 1977 von der Kritik gefeiert wurde, war die erste moderne äthiopische Band, die eine US-Tour unternahm. Statt in sein diktatorisch regiertes Heimatland zurückzukehren, blieb Mergia im Exil – arbeitete als Taxifahrer in Washington, hing die Musik aber nie an den Nagel.

Vor fünf Jahren, als das Label Awesome Tapes from Africa die Musik Mergias wiederentdeckte und veröffentlichte, begann der heute 71-Jährige eine zweite Karriere. Mit „Lala Belu“ erschien 2018 erstmals wieder ein neues Album. „Ein euphorisches Update des Ethio-Jazz“, sagt Schubring. Begleitet wird Mergia in Göttingen von Ken Joseph (drums) und Alemseged Kebede-Anissa (electric bass).

Vinyl-Reservat ist seit zehn Jahren Anlaufpunkt für Plattenfans

Vinyl ist alles andere als tot. Als seit Jahren wieder wachsendes Tonträger-Segment führt die Schallplatte ein respektables Nischendasein. Im Göttinger Vinyl-Reservat wird ihr seit zehn Jahren Tribut gezollt. Ob Krautrock, Reggae, Blues, Punk, Folk, Weltmusik oder Jazz – in dem Plattenladen an der Roten Straße finden Kunden Schmankerl für jeden Geschmack. Betreiber Philipp Schubring kauft ganze Sammlungen auf, hat stets bis zu 40 000 Schallplatten auf Lager. „Gezählt habe ich sie nicht“, sagt er. Schließlich kommt es ihm nicht auf Quantität an: „Es geht nicht darum, viele Sachen zu haben, sondern gute Sachen.“ Musik gibt es im Vinyl-Reservat aber nicht nur als Konserve. Schubrings Qualitätsanspruch und weit gefächerter Geschmack gilt auch für die Bands, die er für oftmals außergewöhnliche Gigs ins Vinyl-Reservat oder ins Dots holt. Einen festen Platz in der Göttinger Vinyl-Oase, die sich immer wieder am bundesweiten Record-Store-Day beteiligt, hat der HipHop-Stammtisch.

Von Kuno Mahnkopf

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