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Göttingen Zero Waste: Shia und Hanno Sus Müll passt in ein Einweckglas
Die Region Göttingen Zero Waste: Shia und Hanno Sus Müll passt in ein Einweckglas
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23:06 28.09.2019
Hanno und Shia Su leben nach dem Zero-Waste-Prinzip. Quelle: garben
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Göttingen

Ein Leben ohne Müll, ist das überhaupt möglich? Glaubt man Shia und Hanno Su, dann kann man diesem Ziel zumindest ziemlich nahe kommen. Seit fünf Jahren leben die beiden nach dem Zero-Waste-Prinzip. Mit welchen Herausforderungen sie auf ihrem Weg dahin konfrontiert wurden, erzählten die beiden am Sonnabend im ZHG. Organisiert hatte die Veranstaltung die lokale Zero-Waste-Gruppe Göttingen.

Es wirkt schon beeindruckend, dieses Einmachglas, das Shia und Hanno Su mitgebracht haben. Es enthält den Müll, den das Paar in einem Jahr gemeinsam produziert hat. Vor allem dann, wenn man es mit den 617 Kilogramm Müll vergleicht, die im Schnitt jeder Deutsche pro Jahr hinterlässt. Um das Thema Müllreduktion anzugehen, holte sich das Ehepaar vor fünf Jahren Inspiration bei Hanno Sus Großmüttern. Die kannten noch Zeiten ohne Müllabfuhr, Shampoo oder Plastik. Möglichst wenig Müll zu produzieren, gelte heute fast als spektakulär, damals sei es aber mehr Regel als Ausnahme gewesen. Das habe ihr klar gemacht, „wir brauchen eine modernere Auflage dieses Lebensstils“, sagt Shia Su.

Verzicht aus Bequemlichkeit

Als „faule Menschen, die am liebsten abhängen“, wie Hanno Su sich und seine Frau beschreibt, wollten beide keiner „Verzichtslogik folgen. Nachhaltigkeit habe für sie zwei Seiten: zum einen den Umwelt- und Naturschutz, zum anderen aber auch das lebenswerte Leben für jeden Einzelnen. Das Einfachste sei am Anfang trotzdem gewesen, erst mal darauf zu verzichten, sich neue Sachen anzuschaffen. Vorher intuitive Käufer, die ihren Einkauf oft nach dem Lustprinzip erledigten, stellten sie schnell fest, wie viel Lebensmittel sie in zwei- oder dreifacher Ausführung hatten. Und auch der Zahnpastavorrat reichte für das ganze erste Jahr der Umstellung.

Danach gingen die beiden dazu über, sich Sachen zu leihen, Dinge einzutauschen oder gebraucht zu kaufen. Schwieriger sei es dann bei Lebensmitteln und Drogerieartikel geworden. Damals habe es genau einen Unverpackt-Laden in Deutschland gegeben – sieben Stunden Zugfahrt entfernt. Deshalb mussten die beiden teilweise „Umwege oder ungewöhnliche Wege gehen“. Im Restaurant fragten sie, ob sie die ungekochte Pasta zum Mitnehmen kaufen könnten, ließen sich in Bäckereien Mehl in ein Glas abfüllen und baten im Teeladen um Tee, den sie in einer mitgebrachten Dose transportierten. Von den meisten Verkäufern bekamen sie „super viel Zuspruch“, erzählt Shia Su.

Keine Lebensmittelverschwendung

Trotzdem erledigten sie den überwiegenden Teil ihres Einkaufs immer noch im nahe gelegenen Supermarkt, wo die Schmerzensgrenze der Kassiererin erreicht war, als sie ein Kilo lose Kartoffeln aufs Band luden. Zuhause stieß Shia Su dann auf ein altes Wäschenetz, das sie zum Gemüsenetz umfunktionierte, Jahre bevor Läden überhaupt daran dachten, Gemüsenetze einzuführen. Trockenwaren wie Nudeln, Reis oder Linsen seien zu Anfang noch schwer lose zu bekommen gewesen, mittlerweile gebe es aber einige Unverpackt-Läden in ihrer näheren Umgebung.

Durch die Umstellung und den gezielten Einkauf auf dem Wochenmarkt, im Bioladen oder Unverpacktladen verschwendeten sie keine Lebensmittel mehr. Die Preise seien zwar höher, aber da sie nichts mehr wegschmissen, zahlten sie am Ende weniger, erklärt Shia Su. Bei Drogerieartikeln sind die beiden auf Hausmittel umgestiegen, machen ihr eigenes Waschmittel aus Kastanien, nutzen Zitronensäure zum Putzen und kompostieren in der eigenen Küche. Und was findet sich dann noch in ihrem „Müllglas“? Zum Beispiel Kassenbons, Medikamentenblister und Borsten der Bambuszahnbürsten.

Über ihre Erfahrungen hat Shia Suein Buch geschrieben. Außerdem bloggt sie regelmäßig zu dem Thema auf wastelandrebel.com. Dass sie damit einen Nerv trifft, zeigt sich unter anderem an den mehr als 102000 Abonnenten auf Instagram.

Zero Waste

Nach Angaben der 2002 gegründeten Zero-Waste-Alliance bedeutet Zero Waste: „Die Bewahrung aller Ressourcen mittels verantwortungsvoller Produktion, Konsum, Wiederverwendung und Rückgewinnung von Produkten, Verpackungen und Materialien ohne Verbrennung und ohne Absonderungen zu Land, Wasser oder Luft, welche die Umwelt oder die menschliche Gesundheit bedrohen.“

Anhänger der Zero-Waste-Bewegung versuchen also, so wenig Müll wie möglich zu produzieren und keine Ressourcen zu vergeuden. Um dieses Ziel zu erreichen, beginnt die Müllvermeidung schon beim Einkauf. Auf Wochenmärkten und in sogenannten Unverpackt-Läden können Waren ohne Verpackung und in der gewünschten Menge eingekauft werden. Da zahlreiche Produkte aus dem Drogerie-Bereich plastikverpackt sind, stellen viele Zero-Waste-Verfechter Zahnpasta, Shampoo, Cremes oder Seife selbst her.

Alles, was nicht vermieden werden kann, wird im Verbrauch reduziert und möglichst wiederverwertet, recycelt oder kompostiert.

Von Nora Garben

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