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Göttingen Zu viel Nitrat belastet Leine auch bei Göttingen
Die Region Göttingen Zu viel Nitrat belastet Leine auch bei Göttingen
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18:26 30.11.2017
Der Vereinsvorsitzende Harald Gülzow analysiert Wasserproben im Labormobil vom VSR-Gewässerschutz. Quelle: R
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Göttingen

In der Leine gibt es immer noch zu viel schädliches Nitrat. Besonders ihr Oberlauf bei Leinefelde sei stark belastet. Darauf hat jetzt der Verein VSR-Gewässerschutz hingewiesen. Aber auch im Bereich Friedland, Göttingen und Höckelheim seien die Werte hoch.

Im vergangenen Mai haben die VSR-Gewässerschützer nach eigenen Angaben Proben aus allen Abschnitten der Leine entnommen und analysiert. Am Donnerstag haben sie ihre Ergebnisse vorgelegt. Danach bereitet ihnen die Situation im thüringischen Oberlauf „besonders Sorgen“. Hier sei das Leinewasser mit „unglaublichen“ 68 Milligramm Nitrat pro Liter „übermäßig belastet“. Bei Heiligenstadt reduziere sich der Anteil zwar auf 46 Milligramm, aber auch das sei „noch viel zu hoch“. Das gelte nicht weniger für die gemessenen Werte im Raum Göttingen-Northeim mit 34 Milligramm bei Friedland, 28 Milligramm im Bereich der Stadt Göttingen und 22 Milligramm bei Höckelheim. Erst die besonders saubere Rhume bringe viel sauberes Wasser, die den Nitratgehalt in der Leine spürbar verdünne. Als Ursache für den hohen Nitrateintrag nennen die Gewässerschützer eine „intensive Landwirtschaft mit vielen Ackerflächen“ auf denen gedüngt wird.

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Weil die Leine über die Aller in die Nordsee fließt, sorgen sich die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz auch um den Zustand dieses großen Gewässers. In der niedersächsischen Oberflächengewässerverordnung sei festgelegt, dass der Nitratgehalt an der Allermündung nicht mehr als 12,3 Milligramm je Liter aufweisen soll. Dieses Ziel sei nur zu erreichen, wenn auch die Zuflüsse sauberer werden. Vor diesem Hintergrund fordern die Vereinsmitglieder weitere Renaturierungsmaßnahmen an der Leine. Dabei werden einst naturnahe Lebensbereiche in Ufernähe wieder hergestellt, die in den zurückliegenden Jahren als Ackerland genutzt wurden.

Im weiteren Verlauf bis Einbeck-Salzderhelden durchfließt die Leine nach Angaben des Vereins ein Naturschutzgebiet. Hier stellten die Gewässerschützer „nur noch“ 12,6 Milligramm Nitrat je Liter fest – die geringste Konzentration in der gesamten Leine. Danach werde in ihrem Umfeld allerdings wieder mehr auf Ackerflächen gedüngt. Folge: Bis Alfeld steigt die Nitratbelastung wieder auf 14,1 Milligramm ansteigt.

Der Verein VSR-Gewässerschutz ist ein Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen. Er ist seit Anfang der 1980-er Jahre aktiv. Regelmäßig untersuchen die Mitglieder Flüsse und andere Gewässer im Einzugsgebiet der Nord- und Ostsee auf Schadstoffe im Wasser. Sie verfügen über ein eigenes Labor-Fahrzeug, in dem Proben unmittelbar analysiert werden können. Die Vereinsmitglieder wollen nach eigenen Angaben auf ökologische Probleme und auch auf Risiken für die Gesundheit der Menschen aufmerksam machen.

Nitrate sind wasserlösliche Salze aus Stickstoff. Sie dienen Pflanzen als Nährstoff.

Von Ulrich Schubert

30.11.2017
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30.11.2017