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Göttingen Zu wenig Mäuse: Raubvögel brüten nicht
Die Region Göttingen Zu wenig Mäuse: Raubvögel brüten nicht
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18:38 13.06.2013
Von Ulrich Schubert
Schlechtes Wetter und zu wenig Insekten: In diesem Jahr gibt es im Raum Göttingen kaum Schwalben. Sascha Schermann
Schlechtes Wetter und zu wenig Insekten: In diesem Jahr gibt es im Raum Göttingen kaum Schwalben. Sascha Schermann Quelle: dpa
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Göttingen/Rüdershausen

 „Es ist katastrophal“, sagt der Göttinger Vogelexperte Hans-Heinrich Dörrie. Die Ursache sieht er vor allem beim ungewöhnliche Wetter. Dass Turmfalken am Max-Planck-Gymnasium (siehe nebenstehenden Text) jetzt doch noch brüten, überrascht den Ornithologen.

Nachwuchslage dramatisch

Generell sei die Nachwuchslage bei Mäuse- und Insektenfressern unter den Vögeln in diesem Jahr dramatisch, so Dörrie. Nach seinen Beobachtungen brüte im Raum Göttingen kein einziger Bussard. Andere Arten hätten deutlich weniger Eier gelegt als üblich oder in der Brutphase aufgegeben. Auch Turmfalken hätten eigentlich drei bis fünf Eier. Wenn im Falken-Horst am MPG tatsächlich nur zwei Eier gebrütet werden, sei auch das ein Indiz für die schlechte Nahrungssituation.

Eier rausgeschmissen

Diese Sorgen hat auch Friedrich-Karl Schöttelndreier, Leiter einer Greifvogelstation in Rüdershausen. Von mehreren Steinkauz-Paaren, die er betreue, brüteten in diesem Jahr nur zwei – “und das auch noch sehr spät“. Ein Paar habe seine Eier „wieder rausgeschmissen“. Und Schwalben sowie Mauersegler „sind erst gar nicht bis Rüdershausen gekommen“.

"Nichts zu beißen"

„Die haben nichts zu beißen“, erklärt Dörrie kurz und bündig, warum die Vögel kinderlos bleiben und teilweise etwas geschwächt wirkten. Nach einer späten und heftigen Frostperiode im März und dann sehr viel Regen bei kalten Nächten seit Wochen gebe es offenbare nur wenig Mäuse und bisher kaum Insekten. Hinzu komme, dass manche Felder noch überschwemmt seien und als Jagdrevier ausfielen. Da müsse man Vögeln wie die Turmfalken am MPG „schon die Daumen drücken, dass sie ihre Jungen hochbekommen“. Vögel passten ihr Brutverhalten an das Nahrungsangebot an, ergänzt Schöttelndreier. Seine Sorge: Die Klimaverschiebung werde den Tieren auf lange Sicht schaden.