Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Zukunft der Stadthalle Göttingen soll der Rat im Mai entscheiden
Die Region Göttingen Zukunft der Stadthalle Göttingen soll der Rat im Mai entscheiden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:02 26.04.2019
Vision der Planer: Außenansicht der kernsanierten Stadthalle. Quelle: soll sasse architekten
Göttingen

Zu teuer, zu risikoreich, zu langwierig, zu ungeeignet – so lässt sich die Verwaltungseinschätzung zu einem möglichen Anbau an die Göttinger Lokhalle als Alternative zu der bereits begonnen Kernsanierung der Stadthalle zusammenfassen. Diese Variante in der Diskussion um die Zukunft der Stadthalle hatten CDU, Grüne und FDP in einem Antrag ins Spiel gebracht, statt die geplante Kernsanierung der bestehende Halle fortzusetzen. Grundlage für den Vorstoß des Jamaika-Bündnisses dient ein sogenanntes Gestaltungsgutachten, das die GWG als städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft bereits 2012 vorgelegt hatte.Grundlage für den Vorstoß des Jamaika-Bündnisses dient ein sogenanntes Gestaltungsgutachten, das die GWG als städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft bereits 2012 vorgelegt hatte. Auslöser der erneuten Diskussion waren die im Februar bekannt gewordenen Preissteigerungen für die Sanierung von ursprünglich 19,5 Millionen auf nun 29,5 Millionen Euro.

Altlast der Bahn

Verwaltungsvertreterin Dinah Epperlein bezifferte die Kosten für einen Anbau unter Einbeziehung aller Kosten, wie etwa den Abriss der alten Stadthalle oder bereits aufgelaufene Kosten für die Stadthallensanierung, am Donnerstag auf rund 51,5 Millionen Euro. Hinzukämen die möglichen Entsorgungskosten für den hoch mit flüchtigen Kohlenwasserstoff belasteten Boden – eine Altlast der Bahn als früheren Nutzer des Geländes. Weitere Unwägbarkeit laut Verwaltung: Noch trägt die Bahn die Kosten für die Reinigung des kontaminierten Grundwassers. Das könnte sich ändern, sollte die Stadt dort bauen. Dann bliebe die Stadt auf den Kosten sitzen.

„Ziemlicher Schluck aus der Pulle“

Für den städtischen Haushalt kämen im Falle eines Lokhallen-Anbaus zusätzliche Belastungen in Höhe von 1,73 Millionen Euro zu. „Ein ziemlicher Schluck aus der Pulle“, wie Burkhard Fuchs, Fachbereichsleiter Finanzen, urteilte. Damit lägen die jährlichen Belastungen mehr als doppelt so hoch wie bei der von der Verwaltung und SPD im Rat bevorzugten Variante einer Kernsanierung der bestehenden Halle. Damit kämen jährliche Belastungen von rund 850000 Euro auf den Haushalt zu. Dieses sei angesichts der aktuellen Haushaltsplanungen „machbar“, so Fuchs. Kulturdezernentin Petra Broistedt versicherte, dass eine Kernsanierung finanziell für die Stadt „tragbar“ sei. Andere geplante Investitionen wären nicht in Gefahr. Das sähe bei einem Lokhallen-Anbau oder einem Stadthallen-Neubau (geschätzte Kosten: 59 Millionen Euro, jährliche Haushaltsbelastungen: 2 Millionen Euro) ganz anders aus.

Nach der Kernsanierung: So soll der Saal der Stadthalle aussehen. Quelle: SSP AG

Wie auch bei einem Neubau schätzt die Verwaltung die Zeit bis zur Fertigstellung eines Lokhallen-Anbaus auf 7,5 Jahre. Das sei „existenzgefährdend“ für die Kultureinrichtungen, die die Stadthalle für ihre Veranstaltungen benötigten – allen voran das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) und die Händelfestspiele, aber auch das NDR2-Soundcheck-Festival. Um ihren Einnahmeverlust durch den Wegfall der Stadthalle während Sanierung oder Neubau auszugleichen, hat die Verwaltung jährlich mehr als 600000 Euro aus dem Stadthaushalt veranschlagt.

Binkenstein fordert Mut ein

Silvia Binkenstein (SPD) appellierte an die Ausschussmitglieder, „endlich den Mut zu haben, an unserer Entscheidung festzuhalten“. Sie erinnerte an vorangegangene Diskussionen um den Standort und die Sanierung der Stadthalle. Mit Blick auf die Anbau-Variante von Architekt Claus Anderhalten gab Binkenstein zu Bedenken, dass es sich dabei „nur um eine reine Konzerthalle“ handele. Göttingen brauche aber eine „Multifunktionshalle“.

Eine Meinung, der sich auch Willi Arnold vom Verein Kunst anschloss. Die Halle müsse ein „breites Bevölkerungsspektrum“ ansprechen. Er mahnte eine schnelle Entscheidung an.

Olaf Feuerstein Quelle: Peter Heller

Vertreter von CDU und FDP zweifelten die von der Verwaltung gemachten Aussagen zu einem Lokhallen-Anbau an. Olaf Feuerstein, Fraktionschef der CDU-Ratsfraktion, hielt etwa die angenommen Kosten für zu hoch angesetzt, die Bodenbelastung sei in Bereichen für einen Neubau nicht so gravierend und die angegebene Zeit bis zur Fertigstellung sei viel zu lang angesetzt. Er berief such auf Gespräche mit dem Architekten Anderhalten. Felicitas Oldenburg (FDP) machte deutlich, dass es mit ihrer Partei „natürlich“ weiterhin eine Stadthalle geben wird. Sie machte sich aber weiterhin für einen Neubau stark, denn Neubauqualität, wie von der Verwaltung angekündigt, sei durch eine Kernsanierung der alten Halle nicht zu erreichen.

Entscheidung am 17. Mai im Rat

Eine Entscheidung über einen Lokhallen-Anbau und einen Baustopp für die Kernsanierung haben die Ausschüsse nicht getroffen. Entscheidend für die CDU, Grüne und FDP ist zunächst die Frage: Müssen die Planungen für einen möglichen Anbau an die Lokhalle neu ausgeschrieben werden oder nicht? Feuerstein vertritt die Ansicht, dass ein Folgeauftrag an Architekt Anderhalten reiche. Die Verwaltung vertritt den Standpunkt, dass in jedem Fall neu ausgeschrieben werden soll. Die Verwaltung soll das nun von „neutraler“ Stelle prüfen lassen. Danach soll eine Entscheidung im Rat am 17. Mai fallen.

Tom Wedrins Quelle: Peter Heller

„Wir vermissen die Antwort auf die Frage, warum wir einen Stadthallen-Neubau brauchen“, sagte Tom Wedrins, Vorsitzender der SPD-Fraktion, Richtung Sanierungsgegner. Immerhin habe sich inzwischen auch das GSO für die Sanierung ausgesprochen und die Bevölkerung, so der Eindruck der SPD, fühle sich der Stadthalle verbunden.

Grüne legen Positionspapier zur Stadthallen-Diskussion vor

Die Grünen im Rat der Stadt Göttingen haben zur Sondersitzung von Bau- und Kulturausschuss ein vierseitiges Positionspapier vorgelegt. Darin knüpfen sie umfangreiche Bedingungen, wenn die Sanierung der Stadthalle am Albaniplatz forstgesetzt oder die Anbaupläne an der Lokhalle umgesetzt werden.

„Wir brauchen Mobilität und Bildung“, hatte die Grünen-Politikerin Dagmar Sakowsky in der Sitzung am Donnerstag deutlich gemacht. „Wir sind für eine Stadthalle, für eine demokratische Stadthalle.“ Angesichts der Preissteigerung für eine Sanierung der bestehenden Halle um 10 Millionen Euro fragte sie: „Was bedeutet das für die Mobilität und Schulen in der Stadt?“ So kämen dadurch, „jedes Jahr, für Jahrzehnte“, 850000 Euro Belastungen auf den städtischen Haushalt zu. „Das müssen wir sehr genau abwägen“, sagte Sakowsky.

Dagmar Sakowsky Quelle: Peter Heller

„Die Kosten der Stadthalle dürfen die strategischen Ziele und Investitionen unseres Haushaltes für das nächste Jahrzehnt nicht gefährden. Die geplanten Schulsanierungen wie Hainberggymnasium, OHG, Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Lohbergschule, die Grundschulen in Elliehausen und Herberhausen, um nur die Umfangreichsten zu nennen, dürfen durch die Stadthallensanierung weder in ihrem Umfang noch in ihrer zeitlichen Realisierung gefährdet oder verschoben werden. Unsere Beschlüsse zum Klimaplan Verkehrsentwicklung und zum Radverkehrsentwicklungsplan als Stadt Göttingen müssen umgesetzt werden“, heißt es in dem vorgelegten Positionspapier.

Bessere Erreichbarkeit durch Stadtbusse

Ob Lokhalle oder Albaniplatz: Beide Standort-Alternativen seine für Grünen nur denkbar mit mehr Klimaschutz und einer ökologischen Mobilitätswende. Entscheidend sei die Lebensqualität der Innenstadtbewohner. Die Forderung der Grünen: die „zeitnahe Umgestaltung des Albaniplatzes zu einem vom Durchgangsverkehr befreiten urbanen Platz“. Dazu gehört unter anderem der Verzicht auf eine Tiefgarage auf den dann autofreien Albaniplatz, eine komplett geänderte Verkehrsführung in den Straßen in unmittelbarer Nähe der Stadthalle, Shuttle-Busse bei Stadthallen-Veranstaltungen, bessere Erreichbarkeit der Stadthalle mit Stadtbussen und eine Parkraumbewirtschaftung im Bereich der Stadthalle.

„Mindestens 1,5 Millionen Euro pro Jahr“ sollen nach Forderung der Grünen ab 2022 an investiven Mitteln für den Ausbau der Fahrradinfrastruktur fließen. Sollte es zu einem Anbau an die Lokhalle kommen, so fordern die Grünen, das ehemalige Stadthallengelände für Zwecke der Stadtentwicklung bevorzugt für Wohnungsbau durch die gemeinnützigen beziehungsweise städtischen Wohnungsbaugesellschaften zu sichern.

SPD kommt den Grünen entgegen

Tom Wedrins, SPD-Fraktionsvorsitzender, signalisierte ein entgegenkommen seiner Paretei bei den Forderungen und brachte einen verbesserten Öffentlichen Personennahverkehr und eine bessere Anbindung der Stadthalle ins Spiel. „Die Zukunft des Verkehrs liegt nicht beim Pkw“, sagte Wedrins.

Präsentation des Sanierungskonzeptes

DIE NEUE STADTHALLE: Zukunftsorientierte Kernsanierung

In einer öffentlichen Veranstaltung wird Matthias Kraemer vom Planungsbüro SSP am Donnerstag, 25. April, um 15.30 Uhr im Ratssaal der Stadt Göttingen das Mehrwertkonzept für die zukünftige Saalnutzung, Raumakustik, Bühnentechnik, Behaglichkeit und Aufenthaltsqualität einer kernsanierten Stadthalle präsentieren.

Gepostet von Stadthalle Göttingen am Donnerstag, 25. April 2019

Vor der Ausschusssitzung hatte Matthias Kraemer vom Generalplaner SSP AG für die Stadthallensanierung das Sanierungskonzept detailliert vorgestellt.

Sie erreichen den Autor unter:

E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @soulmib 

Facebook: michael.brakemeier

Von Michael Brakemeier

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen Anrufe in Stadt und Landkreis Göttingen - Wieder falsche Polizeibeamte in der Leitung

Falsche Polizeibeamte haben am Donnerstag erneut Bürger im Stadt und Landkreis Göttingen angerufen und versucht, an Informationen über Wertsachen oder auch Tresore zu gelangen.

26.04.2019

Mit ihrer Aktion „forest for future“ wollen 24 Schüler der 10. Klasse der Geschwister-Scholl-Gesamtschule ein Zeichen für den Klimaschutz setzen.

26.04.2019

Vor drei Jahren ist am Abendgymnasium ein Schulversuch unter dem Motto „Online zum Abitur“ gestartet. Jetzt stehen die ersten Schülerinnen des E-Learning-Modelprojektes vor dem Abitur. Die Schulleitung wertet das Projekt als Erfolg.

26.04.2019