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Göttingen Zur Rieswarte und rund um Nikolausberg
Die Region Göttingen Zur Rieswarte und rund um Nikolausberg
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18:13 19.08.2011
Von Ilse Stein
Kühle Einkehr nach einer heißen Wanderung: die Kirche von Nikolausberg.
Kühle Einkehr nach einer heißen Wanderung: die Kirche von Nikolausberg. Quelle: Stein
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Eine halbe Stunde dauert die Busfahrt von der Innenstadt aus hinauf nach Nikolausberg, das ursprünglich einmal aus den Ortschaften Wertereshusen und Uthelradeshusen entstanden ist. Der Name Nikolausberg setzte sich übrigens nicht vor dem 17. Jahrhundert durch. Dazu später mehr.

Im Moment lernen wir erst einmal, dass dies eine sehr junge Buslinie ist – was die Fahrgäste angeht. Denn wir fahren hier den Nordcampus der Göttinger Universität an. Eine Tour durch weitgehend unbekanntes Terrain. Denn wer, außer den Studenten und Professoren, verirrt sich schon einmal in dieses Gewirr aus Gebäuden wie Neuer Physik, Chemie, Geologie, Gästehaus der Universität oder X-Lab. Eigentlich wäre dafür einmal eine Stadtführung nötig, um nicht zu sagen: überfällig.

Spätestens am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie steigen auch die letzten studentisch aussehenden Mitfahrer aus – eine junge Dame hält dabei ihre Plastikbox mit der Aufschrift: „Eier, April geschlüpft“ eng an sich gepresst. Wir haben offenkundig einen Laborversuch auf Rädern erlebt.

Wir steigen an der Endstation Auf der Lieth aus und marschieren einige Meter die Busstrecke zurück (empfohlen sei daher der Ausstieg gleich an der vorletzten Station Eschenbreite). Vorbei am Nikolausberger Sportplatz also biegen wir rechts in die Straße am Schlehdorn ein. Das Schild verkündet: geradeaus geht es in 1,4 Kilometern zum Bratental. Wir aber halten uns leicht links und wandern zur Rieswarte, auch Nikolausberger Warte genannt. Bei schwülen 28 Grad sind wir froh, dass der breit angelegte und kinderwagen-freundliche Weg unter den Bäumen entlangführt. Dass links von uns ein Neubaugebiet steht, davon sehen wir nichts. Umso schöner ist der Blick nach rechts – nach Roringen und zum Göttinger Stadtwald hinüber. Immer wieder verlocken Bänke zu einer kurzen Rast. Bis zum Ende unseres Weges werde ich acht davon gezählt haben.

Nach etwa 20 Minuten teilt sich der Weg. Wir gehen rund 400 Meter nach rechts, zwischen Gerste- und Weizenfeld hindurch zur Warte – deren steinerner Rest so vom Waldrand überwuchert ist, das man ihn kaum erkennen kann.

Steinerne Mauerreste lassen erkennen: Hier haben früher mehrere Gebäude gestanden. Im hohlen Turm-Stumpf dann ein Schild, das verrät, dass die Rieswarte (mit Sichtkontakt zur südöstlich gelegenen Roringer Warte) Teil des äußeren Verteidigungssystems der Stadt Göttingen gewesen ist. Erbaut 1493-1443 durch den Maurermeister Wedekind Graven. Früher wurde die Warte auch „hoenwarde hinder sinte Nicolaes“ oder „weiße Warte“ genannt. Dermaßen schlau gemacht, geht es den Weg zurück, an der Gabelung halten wir uns nun halbrechts. Würden wir dem Schild nach rechts folgen, wären wir in 800 Metern in der Billingshäuser Schlucht.

Wir aber bleiben lieber oben am schattigen Waldrand – gut 1,7 Kilometer sind es noch bis nach Nikolausberg – und haben nun einen weiten Blick hinüber auf den Hülseberg, den Kückenberg, den Hopfenberg und die offene Fläche von Depoldshausen. Der Weg windet sich allmählich nach links, doch als die ersten Häuser auftauchen, bleiben wir auf dem rechts abbiegenden Pfad.

Links von uns können wir nun, verdeckt durch schöne große Gärten, die älteren Villen von Nikolausberg bewundern. würden wir einfach so weitermarschieren, kämen wir am Freibad vorbei auf die Augustinerstraße und damit zur Kirche von Nikolausberg. Wir allerdings wählen, als geradeaus von uns ein Haus zu sehen ist, den Weg darauf zu. Links am Haus vorbei dann ein schöner Schleichweg.

Mit dem Kinderwagen ist das zwar weniger empfehlenswert, dafür kommen wir direkt an einem kleinen Spielplatz vorbei und landen auf der Straße Zur Akeley, die wir rechts hinunter gehen, geradeaus durch die Straße mit dem schönen Namen Auf dem Bui, nach rechts auf der Sraße Kalklage den Berg hinunter – und wir sind ebenfalls an der Kirche angekommen. Genauer gesagt, erst einmal in der Gaststätte Zum Klosterkrug, einem Familienbetrieb mit schattigem Biergarten und netter Bedienung (montags ist Ruhetag, an den übrigen Tagen ist ab 15 Uhr geöffnet).

Nach einer kleinen Erfrischung, die wir uns nach 70 Minuten Wanderung auch verdient haben, ein kleiner Abstecher in die Nikolausberger Kirche. Sie ist dem Heiligen Nikolaus geweiht und gehörte ursprünglich zu einem Augustinerinnen-Kloster. Nach einer Sage, die allerdings erst im 14. Jahrhundert aufgezeichnet wurde, haben drei Pilger schon im Jahre 999 Reliquien des Heiligen Nikolaus von Rom hierher gebracht. Das Kloster wurde 1184 nach Weende verlegt – angeblich wegen Wassermangels. Die Kirche jedenfalls behielt bis über die Reformationszeit hinaus ihre Bedeutung als Wallfahrtsort. Vom 14. Jahrhundert an wurde sie in eine gotische Hallenkirche umgebaut. Sie ist täglich von 8 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet.

Den Empfehlungen unseres Klosterkrug-Wirtes folgend, gehen wir, aus der Kirche tretend, die Straße rechts hinunter „bis zu einer Auto-Werkstatt“. Kurz vor dem Haus führen ein paar Stufen hinunter zur Ulrideshuser Straße – direkt zur Bushaltestelle der Linie 5, die uns wieder in die Innenstadt bringt.

Natürlich kann man von Nikolausberg aus eine Reihe anderer Wanderwege wählen – etwa nach Roringen hinüber, oder nach Herberhausen. Man könnte den Weg hinunter in die Billingshäuser Schlucht wählen – hinüber nach Weende und dort wieder in den Bus steigen. Man kann aber auch, wie es der Göttinger Autor Wolfgang Dahms in seinem Büchlein über 39 Ausflüge zwischen Göttingen und dem Eichsfeld „spazieren gehen, wandern“ beschrieben hat, einmal vom Kreuzbergring aus hinauf nach Nikolausberg marschieren – wozu man, wie er schreibt, erstaunlich kurze 45 Minuten benötigt. Es führen eben viele Wege nach Nikolausberg und drum herum…