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Göttingen Zuschüsse vom Land oder Tempo 30?
Die Region Göttingen Zuschüsse vom Land oder Tempo 30?
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20:08 07.11.2010
Zu viele Autos für geringe Geschwindigkeit: Der zurzeit marode Düstere-Eichen-Weg.
Zu viele Autos für geringe Geschwindigkeit: Der zurzeit marode Düstere-Eichen-Weg. Quelle: Vetter
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Will die Stadt die Straße nämlich in den kommenden zwei Jahren für 1,8 Millionen Euro (inklusive Kanalbau) erneuern, braucht sie Zuschüsse von Land und Bund. Ein Drittel könnte sie über einen Font zum so genannten Entflechtungsgesetz bekommen. Die Chancen dafür sind gut. Dann müsste der Düstere-Eichen-Weg aber dauerhaft als schnelle Durchgangsstraße mit Tempo 50 ausgewiesen werden. Die Politiker im Rat hingegen wollen die erlaubte Höchstgeschwindigkeit unisono auf Tempo 30 reduzieren – mit Rücksicht auf die Anwohner, Fußgänger und viele Radfahrer. Dass dort auch zurzeit nur 30 Stundenkilometer gefahren werden darf, ist allein den großen Schlaglöchern zu verdanken.

Es ist ein altes Gesetz, dass der Realität dieser und vieler anderer Straßen nicht mehr gerecht werde, kritisierte Stadtbaurat Thomas Dienberg im Bauausschuss des Rates die Tempo-50-Vorgaben. Die verzwickte Situation: Der Düstere- Eichen-Weg ist eine viel genutzte Verbindung zwischen dem Süden und universitären Einrichtungen im Norden der Stadt sowie ins Ostviertel und die dortigen Wohnbereiche. 15 000 Fahrzeuge fahren dort täglich. Damit gehört die Straße zum höher eingestuften Vorbehaltsnetz und wäre bei einem Ausbau zuschussfähig. Dann aber schreibt der Gesetzgeber mindestens Tempo 50 vor, damit der Verkehr zügig rollt. Das wiederum passe nicht zum sonstigen Wohncharakter dieses Bereiches, zu dem noch einige Dienstleister und mehreren Schulen gehören. Es habe bereits etliche Versuche gegeben, die zuständigen Ministerien von diesem Widerspruch zu überzeugen und trotz einer finanziellen Förderung eine Geschwindigkeitsreduzierung zu erlauben. „Leider vergeblich“, so Dienberg. Zugleich appellierte er an die Parteien, über ihre Bundestagsabgeordneten zu intervenieren.

Andreas Klatt von der SPD schlug vor, die Straße beim Neubau so zu gestalten, dass man gar nicht schneller fahren könne. Dafür sei der Spielraum zu eng, bedauerte die Stadtverwaltung. Die Straße könne – außer im Kreuzungsbereich mit dem Nikolausberger Weg – eigentlich nur in ihrer Ursprungsstruktur erneuert werden. Das heißt: Eine Breite von etwa 6,5 Meter mit Fußwegen auf beiden Seiten. Die großen alten Bäume auf einem Grünstreifen zwischen Straße und Weg an der Westflanke sollen erhalten bleiben. Lediglich auf den letzten Metern zur großen Kreuzung könnten auf der Fahrbahn Fahrradwege separat angelegt werden. Außerdem sollen vor den Ampeln jeweils Wartezonen für Radfahrer markiert werden, die bei Rot bis dort an den Autos vorbei fahren könnten. Auf dieser Basis werden die Baupolitiker des Rates weiter diskutieren. Und die Verwaltung will weiter auf eine Temporeduzierung drängen. Das könnte vielleicht auch noch über einen Lärmaktionsplan gelingen, den die Stadt bis 2013 erstellen muss, so Dienberg.

Von Ulrich Schubert