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Göttingen Zwei Autorinnen, eine Auszeichnung: Dorota Masłowska und Dea Loher erhalten Linde-Preis
Die Region Göttingen Zwei Autorinnen, eine Auszeichnung: Dorota Masłowska und Dea Loher erhalten Linde-Preis
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08:30 25.04.2020
2018 fand die Verleihung des Samuel-Bogumił-Linde-Literaturpreises an Malgorzata Szejnert und Navid Kermani im Deutschen Theater statt. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Um Verständigung, Versöhnung und freundschaftliche Zuwendung zum jeweiligen Nachbarn haben sich in diesem Jahr zwei Autorinnen verdient gemacht: Die polnische Schriftstellerin und Dramatikerin Dorota Masłowska und die deutsche Dramatikerin und Schriftstellerin Dea Loher sollen im Oktober in Göttingen mit dem Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis ausgezeichnet werden.

Die Partnerschaft zwischen den Städten Göttingen und Thorn besteht seit 1978. Als ein gemeinsames kulturelles Projekt wurde vor 25 Jahren der nach dem polnischen Sprachforscher Samuel Bogumił Linde (1771-1847) benannte Preis ins Leben gerufen. Mit ihm werden Autoren ausgezeichnet, deren Wort Ideale und Werte schaffen, die Menschen, Gesellschaften und Nationen zum gemeinsamen Gespräch führen. Der Preis, der jährlich an einen deutschen und einen polnischen Autor vergeben wird, ist mit jeweils 5000 Euro dotiert.

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Die polnische Preisträgerin Dorota Maslowska

Die 1983 in Weiherowo geborene Dorota Maslowska hat schon mit ihrem Debütroman internationalen Erfolg gefeiert: „Schneeweiß und Russenrot“ erschien 2002. Der Roman ist ein literarisches Porträt der Subkultur in einer modernen polnischen Stadt. Es erzählt die Geschichte von Andrzej, der, während sich Polen auf einen neuen Krieg gegen Russland vorbereitet, eine Odyssee durchlebt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, in Italien, Russland, Ungarn und Holland erschien das Buch. 2005 erhielt Dorota Masłowska dafür den Deutschen Jugendliteraturpreis. In Polen wurde das Debüt als literarische Sensation gefeiert.

Dorota Maslowska Quelle: r

2005 erhielt Maslowska für „Die Reiherkönigin“ den Nike-Literaturpreis – welcher die wichtigste literarische Auszeichnung in Polen darstellt. Die Autorin, die erst Psychologie in Danzig und später Kulturwissenschaften in Warschau studierte, veröffentlichte außerdem mehrere Bühnenstücke, schreibt Kolumnen für die Zeitschrift „Przekrój“ und rezensiert Literatur. Masłowska lebt mit ihrer Tochter in Warschau. 2019 erschien im Rowohlt-Verlag ihr neuester Roman „ Andere Leute“.

Die deutsche Preisträgerin Dea Loher

Dea Loher, geboren 1964 in Traunstein, ist eine Gegenwartsdramatikerin und Prosa-Autorin. Sie absolvierte ein Magisterstudium der Germanistik und Philosophie in München und studierte anschließend in Berlin an der Hochschule der Künste Szenisches Schreiben – unter anderem bei Heiner Müller. Eine langjährige Arbeitsbeziehung verbindet sie mit dem Regisseur Andreas Kriegenburg, der zahlreiche ihrer Stücke zur Uraufführung brachte. 2005 feierte sie ihr Debüt als Prosa-Autorin mit dem Erzählband „Hundskopf“. 2012 folgte ihr Debütroman „Bugatti taucht auf“, der für den Deutschen Buchpreis nominiert war.

Dea Loher Quelle: r

2005 wurde Loher für ihr Gesamtwerk mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis ausgezeichnet, 2006 mit dem Bertolt-Brecht-Literaturpreis, 2009 mit dem Berliner Literaturpreis und 2017 mit dem Joseph-Breitbach-Preis. Zweimal gewann Loher den Mülheimer Dramatikerpreis: 1998 mit „Adam Geist“ und 2008 mit „Das letzte Feuer“. Mit „Diebe“ wurde 2010 erstmals ein Stück von Loher beim Berliner Theatertreffen gezeigt. Seit 2013 gehört Loher der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung an. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Vergabe im Alten Rathaus

Nach aktuellem Stand soll die Vergabe innerhalb des 29. Göttinger Literaturherbstes gefeiert werden: Am Sonntag, 18. Oktober, um 11 Uhr kommen im Alten Rathaus die Preisträgerinnen mit der Delegation aus Thorn zusammen. Als Laudator für Dorota Masłowska hat Dr. hab. Tomasz Swoboda der Universität Gdańsk/Danzig sein Kommen zugesagt. Die Laudatio auf Dea Loher wird Prof. Dr. Dorota Sajewska, (Interart Studies, Osteuropa) der Universität Zürich halten.

Die Preisträger des Samuel-Bogumił-Linde-Preises seit 1996

Seit 1996 wird der Linde-Preis vergeben. Das sind die bisherigen Preisträger:

Wisława Szymborska und Günter Grass (1996)

Zbigniew Herbert und Karl Dedecius (1997)

Tadeusz Różewicz und Siegfried Lenz (1998)

Ryszard Kapuściński und Christa Wolf (1999)

Hanna Krall und Marcel Reich-Ranicki (2000)

Jan Józef Szczepański und Henryk Bereska (2001)

Andrzej Stasiuk und Friedrich Christian Delius (2002)

Włodzimierz Kowalewski und Barbara Köhler (2003)

Hubert Orłowski und Klaus Zernack (2004)

Paweł Huelle und Hans-Joachim Schädlich (2005)

Sławomir Mrożek und Tankred Dorst (2006)

Ewa Lipska und Sarah Kirsch (2007)

Olga Tokarczuk und Ingo Schulze (2008)

Adam Zagajewski und Durs Grünbein (2009)

Adam Krzemiński und Karl Schlögel (2010)

Wiesław Myśliwski und Herta Müller (2011)

Andrzej Bart und Stephan Wackwitz (2012)

Eustachy Rylski und Brigitte Kronauer (2013)

Janusz Rudnicki und Wilhelm Genazino (2014)

Marie-Luise Scherer und Stefan Chwin (2015)

Kazimierz Brakoniecki und Jan Wagner (2016)

Juli Zeh und Magdalena Tulli (2017)

Malgorzata Szejnert und Navid Kermani (2018)

Christoph Hein und Szczepan Twardoch (2019)

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Von Lea Lang/r