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Göttingen Vergewaltiger entgeht Haftstrafe knapp
Die Region Göttingen Vergewaltiger entgeht Haftstrafe knapp
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20:35 19.06.2018
Quelle: dpa
Göttingen

Mit mindestens 2,4 Promille hatte der Mann am 9. Dezember 2016 am Jacobi-Kirchhof eine ihm völlig unbekannte 15-jährige angesprochen und sofort massiv sexuell bedrängt. Nachdem er sie gegen ihren Willen geküsst hatte, nahm er an dem Mädchen solche sexuelle Handlungen vor, die den Tatbestand der Vergewaltigung erfüllten, so die Anklage. Weil er die 15-Jährige dabei auch noch mehrfach biss, war Körperverletzung mitangeklagt.

Das Mädchen hatte während der Tat panische Angst, der ihr körperlich weit überlegene Mann könnte ihr noch schlimmeres antun und verzichtete darauf, um Hilfe zu rufen. Erst nachdem sich nach vielleicht 15 Minuten das Mobiltelefon des Angeklagten meldete, ließ er für einen Moment von ihr ab. Das nutzte die 15-Jährige zur Flucht.

Nachdem sie ziellos und völlig verschreckt durch die Fußgängerzone gelaufen war, erkannte sie ihren Peiniger bei McDonald‘s wieder und rief die Polizei. Die nahm den Mann sofort fest.

Sinneswandel des Angeklagten

Dass dieses Geschehen nun nicht hinter Gittern endet, liegt vor allem an einem Sinneswandel des Angeklagten. Hatte er zu Beginn des Verfahrens noch erklärt, wegen seiner Promille könne er sich an nichts mehr erinnern, räumte er am Montag ein, es werde wohl so gewesen sein, wie die 15-Jährige es geschildert hatte. Außerdem bot er seinem Opfer ein Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro an. Damit habe er am Ende doch noch Verantwortung für seine Tat übernommen, erklärte das Landgericht in seiner Urteilsbegründung.

Das habe ihn davor bewahrt, den Gang ins Gefängnis antreten zu müssen. Außerdem sei er vorher ohne jede strafrechtliche Belastung durchs Leben geschritten. Und an dem Abend der Tat sei er durch seine massive Alkoholisierung in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen. Mittlerweile habe er sein Alkoholproblem auf eigene Initiative angegangen und sei ohnehin in vollem Maße sozial integriert, so dass mit einer Wiederholungsgefahr nicht zu rechnen sei.

Opfer leidet immer noch

Andererseits, so das Gericht, habe die Tat im Seelenleben des jungen Mädchens furchtbare Verheerungen angerichtet. Die junge Frau habe immer noch Angst davor, bei Dunkelheit das Haus zu verlassen und leide weiterhin schwer unter den Erinnerungen an das Geschehen. Auch wögen die Einzelheiten des Tatablaufs besonders schwer. Richter Michael Kalde: „Eine schlimme Tat mit sehr schwerwiegenden Folgen.“

Dennoch ließ das Gericht die Bewährung zu. Außerdem muss der 22-Jährige 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten, deren Lohn seinem Opfer zugute kommt.

Einer weiteren Strafe, die außerhalb der direkten Verantwortung des Landgerichts steht, muss sich der Mann ebenfalls stellen: Sein Studium der Sozialwissenschaften hat er abgebrochen, weil mit einer derartigen Verurteilung keine Chance mehr besteht, selbst nach einem Prachtexamen in diesem Bereich eine Stelle zu bekommen.

Von Matthias Heinzel

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