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Göttingen Zwischen Cocktailkleid und Petticoat im Hardegser Burgstall
Die Region Göttingen Zwischen Cocktailkleid und Petticoat im Hardegser Burgstall
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19:46 15.08.2011
Absoluter Renner: Hermann Miotke zeigt einer Ausstellungsbesucherin ein von Hand bemaltes Kleid aus den 50er Jahren.
Absoluter Renner: Hermann Miotke zeigt einer Ausstellungsbesucherin ein von Hand bemaltes Kleid aus den 50er Jahren. Quelle: Heller
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Hardegsen

Gerade wird die Ausstellung von Hermann Miotke um ein weiteres Stück erweitert. Ein Baby-Hochstuhl aus den 50ern in der Farbe rot macht die Kinderecke komplett. „Immer kommt etwas Neues hinzu“, freut sich der 61-Jährige mit der großen Sammelleidenschaft. Seit 30 Jahren kleidet er die Laienschauspieler aus Hevensen ein, daher der riesige Fundus, der um Leihstücke erweitert ist.

Groß ist seine Freude darüber, ein Kleid des Göttinger Modehauses Fischer präsentieren zu können. „Da habe ich selbst acht Jahre als Schaufensterdekorateur gearbeitet.“ Ein besonderes Stück ist auch ein rosafarbenes Kleid aus Übersee. „Ein Mädchen hat es damals aus Amerika bekommen und war der Renner im Dorf.“ Zu vielen Stücken kann Miotke eine Geschichte erzählen. Selbstverständlich ist es für ihn, vor Ort zu sein, wenn die Türen zur Ausstellung öffnen. Selbstgemachte Ananasbowle nach eigenem Rezept, Kuchen und Musik aus der Jukebox schaffen Atmosphäre.

Aber nicht nur Kleider, alte Radios, Tische und Schränke finden sich im Burgstall wieder. Kleinigkeiten lassen die Besucher auf Entdeckungsreise gehen. Die Familien-Fernsehfibel beispielsweise, in der geschrieben steht, was Kinder gucken dürfen, Hochzeitsbilder an den Wänden, die die Frage aufwerfen, wer darauf abgebildet ist oder Mode- und Hobbyhefte, in denen die damaligen Trends beschrieben werden. Schottenstoff machte bei Schulkleidung das Rennen. „Ich habe Sachen hier, die hat unser Dorfschneider früher genäht.“

Miotke ist fasziniert von den 50er Jahren. „Ich bin schließlich selbst ein richtiges Original, das 1950 geboren ist“, sagt er und lacht. In der Ausstellung gibt es viele Dinge aus dem Familienleben des Hevenseners zu sehen. „Ich habe beispielsweise Schuhe meiner Mutter hier.“

Auch ihr Hochzeitskleid habe früher zu seinem Fundus gehört, bei einer Theateraufführung sei es aber kaputt gegangen. Dafür gibt es andere Hochzeitskleider zu sehen, teils aus Fliegerseide, da sich viele Menschen früher nicht so viel leisten konnten. Miotke: „Sie griffen daher auf das Arbeitsmaterial der Fallschirmspringer zurück.“

Die Ausstellung „Zwischen Cocktailkleid und Petticoat“ ist bis Oktober immer sonntags von 14 bis 17 Uhr im Burgstall in Hardegsen geöffnet.

Von Kristin Kunze