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Göttingen Zwischen Insolvenz und gutem Geschäft
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19:15 10.07.2009
Tagsüber „mau“: Abends läuft das Schroeder besser.
Tagsüber „mau“: Abends läuft das Schroeder besser. Quelle: Mischke
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Göttingens Wirte klagen: Weniger Kunden spülen weniger Geld in die Kassen. Studenten brechen wegen veränderter Studienbedingungen als Kunden weg, das Rauchverbot hat sein Übriges zur Verschärfung der Situation beigetragen und die laufenden Kosten für Energie werden auch nicht weniger, klagen Wirte. Viele bangen um ihre Existenz, Gerüchte über nahende Kneipenschließungen häufen sich.

So malt auch die Dehoga ein düsteres Bild für die Gastronomiebetriebe: „Die Wirtschaftskrise trifft auch die deutschen Gastronomiebetriebe mit voller Stärke. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes erlebt die Branche im ersten Quartal 2009 den größten Einbruch seit dem Jahr 2003. Das Umsatzminus betrug in diesem Zeitraum real 6,8 Prozent“, schreibt der Interessenverband in seinem aktuellen Branchenbericht. Danach erwarten mehr als 59 Prozent der Betriebe für 2009 einen geringeren Ertrag als im Vorjahr, 45 Prozent rechnen auch mit weniger Gästen.

Das derzeit vielleicht bekannteste und profilierteste Opfer der Gastro-Krise in Göttingen ist das Apex. Vor allem durch einen Umsatzrückgang in der Gastronomie in den vergangenen Jahren – aus den genannten Gründen – ist die rund 30 Jahre alte Kultureinrichtung in eine finanzielle Schieflage geraten und nur knapp an einer Insolvenz vorbeigeschrammt. Im Juni seien die Umsätze nach einem schlechten Mai aber wieder „erstaunlich gut“ gewesen, berichtet Vortandsmitglied Reinhard Irmscher. „Besser als im Vorjahr. Das Potenzial ist da.“ Deshalb und wegen der Gewinnung neuer Sponsoren werde man das Apex in diesem Jahr noch weiterführen. Bleibe aber mit Beginn der Haushaltsberatungen ein Signal für eine Erhöhung des städtischen Zuschusses aus, bedeute das das Ende für das Apex.

Ein Ende ist für das Schroeder an der Jüdenstraße nicht in Sicht: Es kommen zwar nicht weniger Gäste als in den vergangenen Jahren, dafür hat sich aber das Gästeaufkommen verlagert. „Tagsüber ist es schon mauer als letztes Jahr, besonders vormittags“, sagt Inhaberin Jule Schröder. Dafür sei es dann aber abends voller. Insgesamt laufe das Geschäft gut, so ihr Fazit. „Ich kann mich nicht beklagen.“

„Wenn’s schön ist, dann läuft’s“

Im Zak am Wochenmarkt stellt sich die Situation ähnlich dar. Hier ist man im Sommer vor allem vom Wetter abhängig. „Wenn es draußen schön ist, dann läuft’s“, bringt Ingrid Hildebrandt, eine von drei Inhabern, die Erfolgsformel auf den Punkt. Derzeit laufe es nicht schlechter als in den vergangenen Jahren. „Von der Finanzmarktkrise ist noch nichts zu spüren“, so Hildebrandt. Das werde sich aber sicherlich noch ändern, schränkt sie ein.

„Sehr unbeständig“ ist das Gästeaufkommen nach Angaben von Inhaber Volker Hack im Max L. an der Weender Straße. Das sei aber typisch für die Zeit, schließlich befänden sich die meisten Studenten im Urlaub. Insgesamt sei die Situation schon schwieriger geworden, gibt Hack zu. Die Leute würden einfach nicht mehr so viel Geld ausgeben. „Man sollte daher schon die Ohren spitzen“, rät er. Dass jedoch auch die Konkurrenz zu kämpfen hat, merke er immer, wenn er zum Großmarkt fahre. „Seit einiger Zeit habe ich keine Probleme mehr, dort einen Parkplatz zu finden.“

Von Andreas Fuhrmann und Michael Brakemeier

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