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Göttingen Eon-Mitte-Kauf durch 12 Landkreise und die Stadt Göttingen vor Abschluss
Die Region Göttingen Eon-Mitte-Kauf durch 12 Landkreise und die Stadt Göttingen vor Abschluss
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21:42 03.12.2013
Von Gerald Kräft
Umspannwerk hinter dem ehemaligen EAM-Gebäude an der Kasseler Landstraße: Kommunen übernehmen Stromnetz wieder komplett. Quelle: SPF
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Göttingen

Am Mittwoch entscheidet der Göttinger Kreistag über die Beteiligung des Landkreises. Der Göttinger Stadtrat hatte dem Kauf bereits vor zwei Wochen zugestimmt, muss aber heute in der Kantine des Neuen Rathauses noch einmal eine Höchstgrenze für die Bürgschaft zu den Nebenkosten beschließen. Der Kreistag nimmt zur selben Zeit noch den Ratssaal in Beschlag. Der Finanzausschuss des Stadtrates billigte den Bürgschaftsbeschluss am Dienstagabend einstimmig. Am Freitag, 6. Dezember, ist der Northeimer Kreistag an der Reihe.

Die Mehrheitsgruppe SPD/Grüne hatte bereits im Finanzausschuss des Göttinger Kreistages dem gesamten Paket zugestimmt. Die CDU-Vertreter enthielten sich. Der finanzpolitische Sprecher, Harm Adam, sieht eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Für seine Gemeinde Bovenden mit eigenem Gemeindewerk und Netz sehe er keine Vorteile.

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Beratungsunternehmen sehen kein großes Risiko

Für Hans-Georg Schwedhelm (Grüne) ist die Lage mit historisch niedrigen Zinsen ein „Glücksfall“. Eon sei günstig, und Vermögen des Landkreises werde vermehrt. „Wir haben ein Vorkaufsrecht“, sagte Landrat Bernhard Reuter (SPD). Das sei ein Problem für Eon. Auch für andere wie Lebensversicherungen wäre es eine gute Anlage. Eon wie RWE müssten sich Geld besorgen, um in andere Märkte zu investieren.

Die Beratungsunternehmen des Kreises sehen kein großes Risiko im regulierten Markt für Stromnetze – „außer der Gesetzgeber läuft Amok“, so der Berater Frank Karbenn im Ausschuss. Rückzahlung der Kredite und weiterhin rund zwölf Millionen Euro Dividende wie bislang für die Altaktionäre sollen sichergestellt werden können.

Berater und Banken nahmen das Eon-Netz genau unter die Lupe. Das sei in gutem Zustand, die Regulierungsbehörde habe 100 Prozent „Effizienz“ attestiert, so die Berater. Für die nächsten fünf Jahre seien die Netzentgelte für Stromdurchleitung gesichert.

Landkreis Göttingen am Kauf mit rund 56 Millionen Euro beteiligt

Der Kaufpreis von Eon Mitte ohne Vertrieb wird mit 623 Millionen Euro beziffert. Der Stromvertrieb geht an den Eon-Mutterkonzern. Dafür bekommen die Altaktionäre weitere Aktien, sodass nur noch zwei Drittel der Aktien finanziert werden müssen. Der Anteil des Landkreises Göttingen am Kauf beträgt rund 56 Millionen Euro, der der Stadt 92 Millionen Euro.

Hinzu kommen allerdings noch hohe Nebenkosten: für den Landkreis 9,6 und für die Stadt 12,7 Millionen Euro. Kaufpreis und Nebenkosten dürfen von den Kommunen zu 80 Prozent verbürgt werden.
Die Kredite nimmt die künftige Holding EAM GmbH und Co. KG bei drei Landesbanken auf.

Drei Prozent Zinsen auf Dauer werden abgesichert. Geplant ist, 49 Prozent der Aktien  an Gemeinden abzugeben. Sie müssten allerdings zehn Prozent Eigenkapital mitbringen.

Eon Mitte

2011 erzielte die Eon Mitte AG mit 1300 Beschäftigten 660 Millionen Euro Umsatz. Aktionäre sind derzeit mit 73,3 Prozent die Eon Energie AG und mit 26,7 Prozent zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen.

Der Anteil des Landkreises Göttingen beträgt 2,4 Prozent, die Stadt hält über ihre Sport und Freizeit GmbH 3,9 Prozent.

Der Landkreis Northeim ist mit vier Prozent beteiligt. Eon Mitte zahlt nach eigenen Angaben zwölf Millionen Euro Dividende an die kommunalen Aktionäre und 43 Millionen Euro Konzessionsabgaben.

Kampf ums Netz

2011 vergaben etliche Kommunen der Region ausgelaufene Wegekonzessionen nicht mehr an Eon Mitte, sondern an gemeindeeigene Versorgungsunternehmen. Der Streit um Umfang und Kaufpreis der Netze landete mittlerweile vor Gericht. So klagten auch die Gemeindewerke Bovenden auf Übergabe des Stromnetzes im gesamten Flecken. Ihr Konzessionsgebiet ausgeweitet haben unter anderem die Stadtwerke Einbeck, Uslar, Moringen, Northeim und Münden. Der Streitwert erreicht einen zweistelligen Millionenbetrag.

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