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Göttingen Frühstück vereint Göttinger Schützen
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00:22 30.05.2019
Schützenfrühstück auf dem Schützenplatz im Schützenzelt. Für Stimmung sorgten zwei Redner und musikalisch die Werrataler Musikanten. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Mit einem Schützenfrühstück ist das diesjährige Göttinger Schützenfest am Montagvormittag im Festzelt fortgesetzt worden. Oberschaffer Harald Grahovac begrüßte seine Schützenbrüder und -schwestern und stellte für alle Eingeweihten fest: „Ich war weg. – Wie Sie sehen, bin ich wieder da“. Eine Äußerung, die im nicht voll besetzten Festzelt Beifall auslöste. Grahovac ist als Oberschaffer der Bürger-Schützen-Gesellschaft (BSG) Göttingen der oberste Schütze der Stadt. Zu seiner verklausulierten Andeutung am Ende des Artikels mehr.

Grahovac dankte den beiden Schützenherren Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und dem Ratsvorsitzenden Christian Henze (beide SPD) für ihr gezeigtes Engagement während der vergangenen Tage. Für Henze, der die Rolle eines Schützenherren erstmals ausfüllte, hatte Grahovac ein extra Lob parat. „Er hat sich sehr gut eingebracht“, sagte er.

Ein Willkommen allen Gästen

Die Moderation übernahm danach Daniel Helberg vom Schützenverein (SV) von 1863. Er begrüßte in der Runde alle Gäste, darunter den Bundestagsabgeordneten Konstantin Kuhle (FDP), die stellvertretende Landrätin Maria Gerl-Plein (Grüne) und den Friedländer Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD). Helberg hieß auch alle Gäste aus Wirtschaft, Sozialleben und Vereinen herzlich willkommen. Für musikalische Unterhaltung sorgten erneut die Werrataler Musikanten.

Es ist bereits das 627. Schützenfest

Das 627. Göttinger Schützenfest wird noch bis 2. Juni andauern, wenngleich die für das Schützenwesen spezifischen Programmelemente gelaufen sind. Dazu gehörte neben dem Ausmarsch der Schützen am Sonntag das Schießen um die Königswürde. Bei der Wertung lagen Schützenkönigin Gisela Kompert (SV Geismar 1884) und Schützenkönig Hans-Joachim Kohlstedt (SV von 1863) mit 10,4 Ringen gleichauf. Bei den Frauen wurde Brigitte Plön (SV von 1924 Freihand) mit 9,9 Ringen Kronprinzessin und Sabine Heinzen (SV Diana) mit ebenfalls 9,9 Ringen Prinzessin.

Beim Schützenfrühstück am Montag erlebten die Besucher die Premiere des Ratsvorsitzenden Christian Henze als Redner beim Göttinger Schützenfest.

Mehrere Ausscheide ausgetragen

Bei den Herren erreichte Hans-Günther Müller (SV Niedersachsen) 10,3 Ringe und darf sich Kronprinz nennen. Ebenfalls 10,3 Ringe erreichte Andreas Heese (SV Geismar 1884), ihm fällt damit die Prinz-Würde zu. Besonders große Treffsicherheit bewies Florian Brand (SV Scharnhorst) mit 10,6 Ringen, damit ist er der König der Jugend. Erik Senger (Schützen Corps Göttingen) wurde mit 10 Ringen Schülerkönig. Beim Ausscheid um die Schülerehrenscheibe erreichte Alexander Rerich (Schützen Corps) als bester Schütze 9,3 Ringe, bei der Jugendehrenscheibe schaffte Inka-Mari Linne (SV Scharnhorst) 10,6 Ringe.

Grahovac stellte sein Amt zur Verfügung

Zu Harald Grahovac: Der Oberschaffer hatte sein Amt im Oktober 2018 niedergelegt, nachdem ihm 21 Schützen während einer Delegiertenversammlung die Entlastung verweigert hatten. Obwohl bei 30 Ja-Stimmen eine Entlastung mehrheitlich gegeben war, empfand Grahovac das Ergebnis als Misstrauensvotum und stellte sein Amt zur Verfügung. Als es aber vorerst vakant blieb, sprang er wieder ein. Demnächst soll das Schafferamt neu besetzt werden.

Erste Rede des Schützenherrn Christian Henze

Der Ratsvorsitzende des Göttinger Stadtrates Christian Henze (SPD) hatte seine Feuertaufe als Redner beim Schützenfrühstück zu überstehen. Denn durch sein Amt ist er jetzt auch Schützenherr. In seiner in Reimform vorgetragenen Rede ging Henze auf die Tradition des Schützenwesens in Göttingen ein. „Als kleiner Junge da hab ich geschossen, doch dann zogs mich langsam hin zu´n Genossen. ´Genossen´ so dacht ich, das kommt vom ´genießen´, das galt auch solang bis uns die Wähler verließen. So ists heut wie seit Jahre´n am Tag nach der Wahl, Sozi zu sein, macht keinen Spaß, ist ne Qual. Zum Glück können wir unseren Kummer hier, ertränken in gutem Göttinger Bier“, ging er kurz auf das Abschneiden der SPD bei der Europawahl ein. Auch darauf, dass seine Wahl zum Ratsvorsitzenden im ersten Anlauf für ungültig erklärt werden musste, ging er humorvoll ein.

Christian Henze Quelle: Christina Hinzmann

Schützenzelt als neue Stadthalle

Weiterer Bestandteil seiner Rede war die monatelange Diskussion um die Sanierung der Göttinger Stadthalle. „Ich bekenne, wir haben nen Fehler gemacht, denn wir haben beim Beschlusse eins nicht bedacht: Das Schützenzelt hier das wäre in jedem Falle, ne tolle Alternative zur alten Stadthalle“, sagte Henze unter dem Applaus der anwesenden Gäste. Damit das Zelt dann auch den Charakter des Kachelofens bekomme, hatte er eine Kachel mitgebracht.

GSO = Göttinger Schützen Orchester

Auch an die Akustik für das GSO sei gedacht worden, denn GSO stehe zukünftig nicht mehr Göttinger Symphonie Orchester, sondern für Göttinger Schützen Orchester. „Liebe Leute, ihr wisst, alles hat ein Ende, auch die Schützenzelt-Kachelofen-Legende. Nein, lasst uns alle froh drüber sein, die Stadthalle sie wird großartig fein, dort wo sie jetzt ist da gehört sie hin, denn allen anderen Ideen fehlt Verstand und Sinn“, sagte Henze. Für sein Debüt als Redner beim Göttinger Schützenfest erhielt er nicht nur lang anhaltenden Applaus von den Zuhören, sondern von den Schützen auch einen Bierkrug.

„Ein weiterer Heiland“

Konstantin Kuhle, einer von zwei Rednern beim Schützenfrühstück auf dem Schützenplatz, zeigte sich international. Er verglich Göttingen gleich mehrfach mit China – augenzwinkernd, versteht sich.

Konstantin Kuhle Quelle: Christina Hinzmann

Mit großen Worten kündigte Moderator Daniel Helberg den zweiten Redner an, den FDP-Bundestagsabgeordneten Konstantin Kuhle: „Jetzt kommt ein weiterer Heiland.“ Highlight wollte er sagen, die Schützen hatten Spaß – auch als Kuhle professionell am Rednerpult agierte. Verkatert sei er, sagte Kuhle, vom Wahltag. Nach dem schlechten Ergebnis der Bundestagswahlen vor vier Jahren habe er sich aber die 5,4 Prozent seiner Partei nicht einmal „schön saufen“ müssen. Mit Blick auf das Zusammentreffen von Europawahl und Schützenfest meinte er zum überdurchschnittlichen Ergebnis der Sozialdemokraten in der Region: „In Göttingen wählen die Leute sogar betrunken SPD.“ Lob gab es immerhin für die Wahlbeteiligung, die über dem Bundesdurchschnitt lag.

Chinas Politbüro als Vorbild

Die schnelle Kabinettsumbildung in Berlin – Justizministerin Katarina Barley (SPD) wechselt ins EU-Parlament – verglich Kuhle mit der Ankündigung von Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), den Vertrag mit Baudezernent Thomas Dienberg (parteilos) nicht verlängern zu wollen. Und die Forderung der Grünen nach einem neuen Umweltdezernat geißelte als zu klein gedacht. Göttingen habe nur vier Dezernate, das Politbüro in China 25 Mitglieder. Kuhle: „Da müssen wir hinkommen, liebe Schützen.“

Von Ulrich Meinhard, Vera Wölk und Peter Krüger-Lenz

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