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Hann Münden Bürgermeisterbüro und weitere Räume gesperrt
Die Region Hann Münden Bürgermeisterbüro und weitere Räume gesperrt
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00:17 16.03.2017
Historisches Rathaus in Hann. Münden. Quelle: Niemann
Hann. Münden

Das markante Gebäude im Zentrum der historischen Altstadt weist so starke Schäden auf, dass viele Räume nicht mehr genutzt werden können. Die obere Halle, in der regelmäßig Ausstellungen und Empfänge stattfanden, ist ebenso gesperrt wie das Bürgermeisterbüro und andere Verwaltungsräume. Um das Gebäude wieder als Rathaus nutzen zu können, müsste es mit Millionenaufwand saniert werden. Die Stadt allein kann dies nicht stemmen: „Wir haben viele Ideen, motivierte Mitarbeiter, aber kein Geld“, sagt Nicole Prediger, Leiterin des Bereichs Stadtentwicklung.

Nur die dringendste Reparaturmaßnahme hat die Stadt bislang in Angriff nehmen können. Mehr als 1,3 Millionen Euro hat die jetzt abgeschlossene Dachsanierung gekostet. Zuvor hatte es, weil das Dach undicht war, bis in die Verwaltungsräume durchgeregnet. Auch im Büro des Bürgermeisters tropfte es durch die Decke. Mehr als 30 Stadtmitarbeiter mussten ausziehen, nur das Standesamt und die Tourist-Info befinden sich noch im historischen Rathaus.
    Die Dachsanierung war ein ausgesprochen aufwändiges Unternehmen. „Mit einer Neueindeckung war es nicht getan“, erläutert Projektleiter Jürgen Stieler. Die Planer und Handwerker mussten Bausünden ausmerzen, die vor 400 Jahren beim Umbau des Vorgängerbaus begangen worden waren.

Zwischen 1603 und 1618 hatte man das mittelalterliche Gebäude so erweitert, dass ein fast quadratischer Baukörper mit einer Schaufassade im Stil der Weserrenaissance entstand. Damals hatte man jedoch nicht bedacht, dass die Kombination der unterschiedlichen Gebäudeteile besondere Ansprüche an die Statik stellte. Außerdem war die Baustelle offenbar nicht überdacht gewesen, so dass die Hölzer dem Regen ausgesetzt waren. Diese Versäumnisse führten dazu, dass sich im Laufe der Jahrhunderte der Dachstuhl massiv verformte und Balken verfaulten, so dass an zahlreichen Stellen wegen drohender Einsturzgefahr Eichenstützen eingebaut werden mussten. Diese Konstruktionsmängel wurden nun behoben, indem man die schadhaften Balken ausbesserte und Stahlbauteile als zusätzliche Trägerelemente einbaute. „Nach 399 Jahren haben wir jetzt erstmals ein statisch nachgewiesenes standsicheres Dach“, sagt Mündens Denkmalpfleger Burkhard Klapp.

Jetzt kann es zwar nicht mehr hineinregnen, doch die Feuchtigkeitsschäden sind immer noch da. Außerdem fehlt es an Brandschutzeinrichtungen, moderner Technik, Energieeffizienz und Barrierefreiheit. Mindestens weitere 5,4 Millionen Euro wären nötig, um das Rathaus wieder nutzbar zu machen. Dieses Geld hat die Stadt an den drei Flüssen Werra, Fulda und Weser nicht. Dreimal hat sich Hann.Münden um Fördergelder aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ beworben - dreimal ohne Erfolg, was einigen Frust hervorgerufen hat.
Für eine rein touristische Nutzung würde es Fördermittel geben, sagt Stadtentwicklerin Nicole Prediger. Die Stadt verfolge aber ein anderes Konzept: In der Renaissance war das Rathaus der Mittelpunkt des Bürgertums. Diese Funktion solle es auch in Zukunft wieder innehaben. Das Mündener Rathaus soll wieder ein Haus der Bürger sein, wo sie Behördengänge erledigen und sich zu Versammlungen und Veranstaltungen treffen können. Jetzt will sich Hann.Münden um Fördermittel aus dem so genannten Kommunalinvestitionsprogramm (KIP) des Bundes bewerben. Da es keine Zuschüsse für Planungskosten gibt, müsste die Stadt jedoch mit einem Eigenanteil von 600.000 Euro in Vorleistung gehen. Demnächst wird der Rat entscheiden, ob er das Geld dafür freigibt. Der Rat tagt nicht im Rathaus, sondern im Mündener Welfenschloss, das in den 1980-er Jahren umfassend saniert wurde.

Von Heidi Niemann