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Hann Münden Hann. Münden: Ersthelfer retten 17-jährigem Fußballer das Leben
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Hann. Münden: Ersthelfer retten 17-jährigem Fußballer das Leben

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14:42 27.09.2021
Ein 17-jähriger Fußballer muss am Sonnabend in Hann. Münden auf dem Platz wiederbelebt werden.
Ein 17-jähriger Fußballer muss am Sonnabend in Hann. Münden auf dem Platz wiederbelebt werden. Quelle: Christoph Hardt via www.imago-images.de
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Hann. Münden

Schock beim Jugendfußballspiel auf dem Rattwerder in Hann. Münden: Beim Kreisligaspiel zwischen den A-Junioren der TG Münden und der JSG Hoher Hagen erlitt am Sonnabend kurz nach der Halbzeit ein Spieler einen Kreislaufstillstand und wurde unter anderem von den Trainern über einen längeren Zeitraum reanimiert. Nach Auskunft der Beteiligten wurde der 17-Jährige in der Folge vom eingetroffenen Rettungsdienst per Elektroschock behandelt und ins Klinikum nach Göttingen gebracht. Der junge Fußballer befindet sich offenbar nach wie vor auf der Intensivstation, sein Zustand soll aber stabil sein.

„Er hat uns schon geschrieben, dass er wahrscheinlich keine bleibenden Schäden zurückbehalten wird“, berichtet JSG-Trainer Enno Greve, der zusammen mit TG-Trainer Ufuk Kilinc als erster die Situation erfasste und Wiederbelebungsmaßnahmen einleitete. Außerdem seien zwei Helfer aus dem Umfeld der Teams beteiligt gewesen, die bei der Feuerwehr tätig sind.

„Er ist zehn Meter entfernt von mir wie eingefroren umgefallen, und ich bin sofort hingesprintet“, erzählt der 21-jährige Greve. Er selbst habe darauf geachtet, dass der Akteur die Zunge nicht verschluckt – Glück im Unglück für den jungen Fußballer, dass der Krankenpflegeschüler Greve erst vor eineinhalb Monaten Wiederbelebungsmaßnahmen im Unterricht durchgenommen hat. „Das war ein glücklicher Zufall.“

TG-Trainer Kilinc übernimmt die Herzdruckmassage

Greve berichtet, dass der Fußballer sofort blau anlief. Kilinc übernahm die Herzdruckmassage. „Er war zwei bis dreimal weg“, sagt der TG-Coach. „Die Rettungssanitäter haben ihn dann mit einem Defibrillator wiedergeholt“, ergänzt Greve.

„Die Feuerwehrleute haben ungemein geholfen“, resümiert der JSG-Trainer den Notfalleinsatz. Er selbst sei aufgewühlt gewesen, auch Kilinc habe in der darauffolgenden Nacht nicht schlafen können, auch wenn beide wussten, dass sie alles getan hatten, was in ihrer Macht stand. „Wir haben die Mannschaften gleich in die Kabine geschickt“, sagt Kilinc.

Auch darüber hinaus stand die Partie unter schlechten Vorzeichen: Bereits kurz nach Beginn war ein JSG-Spieler so unglücklich gefallen, dass später ein Schlüsselbeinbruch diagnostiziert wurde. Eine Operation ist unumgänglich. Dann wurde die Partie eine halbe Stunde unterbrochen, weil bei einem TG-Akteur die Kniescheibe herausgesprungen war. Der Fußballer zog sich mehrere Bänderrisse zu – der erste Rettungswageneinsatz. „Die Hann. Mündener entschieden sich, für ihren Mitspieler weiterzuspielen“, so Greve. Abgebrochen wurde die Partie von Schiedsrichter Jan-Philipp Brömsen dann erst in der 50. Minute nach dem dritten Zwischenfall.

Brömsen hatte – für Kreisliga-Jugendspiele ungewöhnlich – zwei Assistenten dabei, denn die Partie hatte eine Vorgeschichte: Bei der vergangenen Begegnung hatte es nach Spielende eine Rangelei gegeben. Die war aber an diesem Tag völlig vergessen: „Alle haben sich super verhalten und sich bei den Verletzungen und später super gegenseitig unterstützt“, sagte Killinc. Greve ergänzte: „Da hat man gesehen, wie der Fußball zusammenschweißt.“ Um den Vorfall besser zu verarbeiten, erhalten die JSG-Kicker nun am Donnerstag bei einer Mannschaftszusammenkunft professionelle Hilfe.

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Auch Brömsen wird den vergangenen Sonnabend nicht so leicht vergessen: „Ich bin jetzt 22 Jahre dabei, aber zwei Rettungswageneinsätze und dazu eine schwere Verletzung in einem Spiel habe ich noch nicht erlebt“, sagt er. „Ich habe daran ziemlich zu knabbern gehabt.“ Weil der Notfallpatient ein junger Schiedsrichterkollege ist, hat Brömsen ihm die rote und gelbe Karte der Partie mit Genesungswünschen ins Krankenhaus geschickt.

Von Eduard Warda