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Hann Münden Vergaß Stadt Einbau von Rauchwarnmeldern?
Die Region Hann Münden Vergaß Stadt Einbau von Rauchwarnmeldern?
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00:17 02.04.2017
So sieht die Wohnung nach dem Brand aus. Quelle: r
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Hann. Münden

Der städtische Wohnkomplex an der Adalbert-Stifter-Straße umfasst drei Mehrfamilienhäuser. Die sogenannten Schlichtwohnungen in den Objekten sind einfach ausgestattet und werden von der Stadt für sozial schwache Menschen zur Verfügung gestellt. Jetzt stellt sich heraus: In den Wohnungen, die mit Kohleöfen beheizt werden, waren keine Rauchwarnmelder installiert. Dies bestätigte Bürgermeister Harald Wegener auf Anfrage: "Wir müssen leider den Hinweis auf fehlende Rauchmelder in den Schlichtwohnungen bestätigen", teilte er mit. Er bringe "sein tiefes Bedauern zum Ausdruck, wenn es durch die nicht vorhandenen Rauchmelder zu vermeidbaren Schäden gekommen ist", so Wegener.

„Als Bürgermeister habe ich umgehend im Konzern Stadt den Auftrag erteilt, sämtliche Gebäude daraufhin zu überprüfen und gegebenenfalls nachzubessern und darüber hinaus im Zweifel auch Rauchmelder anzubringen, selbst wenn es von den Vorschriften her nicht zwingend erforderlich ist“, so der Bürgermeister.

„Wir fordern eine lückenlose Aufklärung“, sagte Holger Sparbier, Vorsitzender des SPD Stadtbezirks Hann. Münden. Als „sträflich und unverzeihlich“ bezeichnete der Politiker die fehlenden Rauchwarnmelder, deren Anbringung seit 1. Januar 2016  gesetzlich vorgeschrieben ist. „Eine derartige Unprofessionalität in der Verwaltungsarbeit kann politisch nicht stillschweigend hingenommen werden“, so Sparbier. „Die Verantwortlichen müssen die Konsequenzen tragen.“

Vor etwa zwei Jahren wurden die beiden 38- und 76-jährigen Frauen nach Angaben eines Nachbarn in der Wohnung im ersten Obergeschoss der städtischen Obdachlosenunterkunft untergebracht. Zu ihren Mitbewohnern im Haus hatten sie demnach nur wenig Kontakt. Sie lebten nach Auskunft des Nachbarn sehr zurückgezogen.

Wie es zu dem Feuer in der Nacht zum 16. März kam, ist bislang unklar. Die Untersuchungen dauern derzeit noch an und gestalten sich nach Aussage der Polizei aufgrund großer Mengen an Brandschutt schwierig. „Als wir am Einsatzort ankamen, waren wir bereits mit einem Vollbrand konfrontiert“, berichtete Ortsbrandmeister Eike Schucht auf Anfrage. Zum Zeitpunkt des Eintreffens der Rettungskräfte befanden sich alle Bewohner bereits außerhalb des Gebäudes. 

Durch den beherzten Einsatz eines Nachbarn, der im gegenüberliegenden Haus den Brand bemerkte, wurde das Schlimmste verhindert. Er rettete mit weiteren Anwohnern die beiden Frauen aus ihrer brennenden Wohnung. Nach wie vor werden jedoch beide Frauen im Klinikum behandelt. Die 38- jährige schwebt weiter in Lebensgefahr.

Von Susanne Wesche