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Hann Münden Vereinskrankenhaus wird Haus der Nationen
Die Region Hann Münden Vereinskrankenhaus wird Haus der Nationen
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12:30 18.12.2018
Treffpunkt für den Stadtteil: Das ehemalige Vereinskrankenhaus in Neumünden wird Haus der Nationen. Quelle: r
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Hann. Münden

Mit 20 000 Euro beteiligt sich die Stadt an den Planungskosten von 40 000 bis 60 000 Euro. Den Rest übernimmt der Landkreis. Die Planungen sind die Voraussetzung dafür, dass Neumünden in das Förderprogramm „Soziale Stadt“ des Landes aufgenommen werden kann. Die Planer sollen sich mit der Einbindung der Flüchtlingsunterkunft in den Stadtteil befassen, die der Landkreis im ehemaligen Vereinskrankenhaus einrichtet.

Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen

Die Geflüchteten wohnen dort längerfristig und werden von der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen (GAB) sozialpädagogisch betreut. Die Gesellschaft, die ihren Sitz eigens zu diesem Zweck in den Gebäudekomplex verlegt, fördert zudem Beschäftigung und hilft bei der Berufsorientierung. Neben einer Begegnungsstätte ist ein Bistro als Treffpunkt für den Stadtteil vorgesehen.

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Das Projekt, das insbesondere von den beiden großen Fraktionen im Rat, der SPD und der CDU, aber auch von den Grünen und der FDP getragen wird, stieß nur vereinzelt auf Ablehnung. Manuela Gantzer (BFMü) erklärte, dass sich die Stadt angesichts der „angespannten Haushaltslage“ genau überlegen solle, wofür sie ihr Geld ausgebe. Sie warnte vor dem Aufbau von Doppelstrukturen.

„Aufstehen“ warnt vor Ghettoisierung von Geflüchteten

Kirsten Klein (Aufstehen) sorgte sich, dass die Geflüchteten in der Unterkunft oben am Waldrand „ghettoisiert“ würden, zumal im Stadtteil gleichzeitig Wohnraum für sozial Benachteiligte entstehen solle. Sie forderte den Landkreis auf, die Kosten komplett zu übernehmen. Es könne nicht sein, dass der Landkreis „permanent mit erhobenem Zeigefinger“ hinter der Stadt stehe und die Streichung freiwilliger Leistungen fordere, nur um von Hann. Münden dann so eine „freiwillige Leistung“ einzufordern. Diese Sicht teilte Daniel Bratschek (parteilos, ehemals Liberal-Konservative Reformer). Der Landkreis setze der Stadt „die Pistole auf die Brust“. Anders als Klein stimmte Bratschek jedoch für die Ausgabe.

Warnung vor „starkem Zuzug“ von Transferempfängern

Besorgt über den „starken Zuzug“ von Transferempfängern nach Neumünden zeigte sich Ines Albrecht-Engel (MÜNA). Diese Entwicklung habe damit zu tun, dass bezahlbarer Wohnraum in Göttingen und Kassel knapp geworden sei. So wichen sozial Benachteiligte nach Hann. Münden aus. Umso wichtiger sei allerdings ein Beitrag zur Prävention, betonte die Ratsfrau. Noch sei der multikulturell geprägte Stadtteil in Bezug auf Bildung und soziale Stellung „gut durchmischt“. Albrecht-Engel lobte den Landkreis, der das Klinikgelände 2015 gekauft habe und nun für eine neue Nutzung des großen Gebäudekomplexes sorge. Damit sei der Stadt eine Sorge genommen worden. Diesen Aspekt betonte auch Gudrun Surup (SPD).

Energetische Quartierskonzepte

Der Rat beschloss außerdem, eine weitere vorbereitende Untersuchung in Auftrag zu geben, diesmal mit dem Schwerpunkt energetische Sanierung in Neumünden. Im Stadtteil sollen zwei energetische Quartierskonzepte umgesetzt werden, eines im Wohngebiet und eines im Wohn- und Gewerbepark Fuldablick auf dem Gelände der ehemaligen Kurhessen-Kaserne.

Einstellung eines Quartiersmanagers

Ferner stimmte der Rat der Einstellung eines Sanierungsmanagers zu. Die Kosten belaufen sich auf 148 000 Euro in drei Jahren. Davon übernimmt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 96 000 Euro (65 Prozent). Den Rest muss die Stadt Hann. Münden tragen – jährlich 17 000 Euro. Diese Mittel werden nun in den städtischen Haushalt eingestellt.

Von Michael Caspar