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Hann Münden Protest gegen Fusion: Angestellte setzen Stühle vor die Tür
Die Region Hann Münden Protest gegen Fusion: Angestellte setzen Stühle vor die Tür
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00:26 22.11.2018
Sie wollen nicht im Regen stehen oder sitzen bleiben: Mit einer Stühle-Aktion protestieren Angestellte der Sparkasse Hann. Münden gegen eine Fusion des Geldinstitutes und künftig längere Arbeitswege. Quelle: CHH
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Hann. Münden

Die Szene erinnert an ein Straßentheater: In Zweierreihe stehen 52 alte Garten-, Wohnzimmer- und Klappstühle vor dem Eingang des Sparkassengebäudes. An ihren Lehnen sind gelbe Ortsausgangsschilder von Hann. Münden befestigt. Nach und nach kommen immer mehr Sparkassenmitarbeiter vor die Tür und positionieren sich im eiskalten Wind und Regen neben den Stühlen.

Stimmung ist gedrückt

Ihre Stimmung ist gedrückt – und entschlossen. „Wir wollen nicht im Regen stehen gelassen werden“, sagt eine der Beschäftigten. „Was da passiert kommt einer Kündigung gleich und schränkt die Lebensqualität vieler Betroffener erheblich ein“, ergänzt die Personalratsvorsitzende der Sparkasse Münden, Kerstin Wandt-Gutsche.

Hintergrund sind Fusionspläne für die Sparkassen in Südniedersachsen. Wenn die politischen Gremien der Träger zustimmen, sollen die Kreditinstitute Osterode, Duderstadt, Münden und Bad Sachsa zum 1. Juni 2019 zusammengeführt werden. Dabei soll es keine fusionsbedingten Kündigungen geben. Vorgesehen ist allerdings ein sozialverträglicher Personalabbau in der Größenordnung von 40 Stellen. Und: Die sogenannte Stabsabteilung soll im Osterode und Herzberg gebündelt werden.

„Dann müssen bis zu 52 Angestellte aus Hann. Münden täglich bis zu drei Stunden zu ihrem künftigen Arbeitsplatz pendeln“, protestiert Wandt-Gutsche im Namen ihrer Kollegen. Betroffen seien neben anderen die Beschäftigten aus der Buchhaltung, aus dem Controlling und aus der Kreditsachbearbeitung.

Bis zu 80 Kilometer zur Arbeit

Unter ihnen seien etliche Teilzeitbeschäftigte. Für sie wäre ein täglicher Arbeitsweg von bis zu 80 Kilometern unzumutbar – und unwirtschaftlich gemessen an ihrem Gehalt. Das gelte auch für Kollegen im niedrigeren Gehaltssektor. Ihnen bliebe schließlich nur die Kündigung.

„Wie soll das auch gehen“, beklagte eine der betroffenen Mitarbeiterinnen am Montag am Rande einer „aktiven Mittagspause“ inklusive Stuhl-Aktion. „Ich bin in Hann. Münden geboren und hier verwurzelt“, erklärt sie. Ihre beiden Kinder gingen in Münden zur Schule. Würde sie täglich nach Osterode oder Herzberg pendeln, könnte sie sich nicht ums Mittagessen kümmern, es wäre auch niemand zuhause, wenn die Kinder am späten Nachmittag Schulschluss haben.

Landrat Reuter: „maßlos übertrieben“

Verärgert sind die Mündener Sparkassen-Mitarbeiter auch, weil die Stadt Hann. Münden und der Landkreis Göttingen als Träger eine Fusion mit den kleinen Sparkassen im Osten des Landkreises anstreben, nicht aber mit der Stadt Göttingen. Dann würde ein Arbeitsplatzverlagerung leichter ausfallen als jetzt geplant.

Göttingens Landrat Bernhard Reuter (SPD) macht keinen Hehl daraus, dass Fusionen „immer auch zu einer Neuordnung“ führen. Die Aussage, dass künftig bis zu 52 Mitarbeiter der Sparkasse Münden an den Harzrand pendeln müssen, „halte ich allerdings für maßlos übertrieben“. Zudem werde es eine Dienstvereinbarung geben, um bei Härtefällen Dienstausfälle aufzufangen. Eine mögliche Fusion mit der Sparkasse Göttingen sei schon vor Jahren in den Anfängen an der Frage nach Mehrheitsanteilen und Trägerproblemen gescheitert. Das sei aber ein Problem der Städte Göttingen und Hann. Münden.

377 Mitarbeiter insgesamt

Derzeit beschäftigen die vier Sparkassen 377 Mitarbeiter – in Hann. Münden sind es 125. An der fusionierten Sparkasse wird der Landkreis Göttingen 44,81 Prozent halten, die Stadt Duderstadt 16,15 und die Stadt Osterode 14,46 Prozent. Es folgen die Stadt Bad Lauterberg mit 9,64 Prozent, Hann. Münden mit 9,38 und die Stadt Bad Sachsa mit 5,56 Prozent. Der Name der neuen Sparkasse wird „Sparkasse in Südniedersachsen“ lauten.

Von Ulrich Schubert

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