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Hann Münden Geistliche und kulinarische Nutzung
Die Region Hann Münden Geistliche und kulinarische Nutzung
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17:00 27.12.2018
Die Mündener Aegidienkirche.
Die Mündener Aegidienkirche. Quelle: Christina Hinzmann
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Hann. Münden

Die Idee: eine Kombination von Kirche und Café. Auf Anregung von Pastor Henning Dobers hatte sich eine Gruppe von evangelisch-lutherisch orientierten Bürgern zusammengetan, um in Gesprächen mit der Landeskirche, dem Evangelisch-lutherischem Kirchenkreis Münden und der Evangelisch-lutherischen Stadtkirchengemeinde eine geistliche Perspektive für den historischen Ort in Mündens Altstadt zu entwickeln.

Geistliche Nutzung

Nach einem etwa einjährigen Planungs- und Gesprächsprozess wurde schließlich am Tag des Heiligen Aegidius am 1. September ein gemeinnütziger Verein gegründet, der ab 2019 als ehrenamtlich aufgestellter „Trägerkreis St.-Aegidien-Kirche“ die Aegidienkirche wieder geistlich nutzen wird. „In der Kombination von Kirche und Café sehen wir ein mögliches Modell, in unserer Zeit Glauben neu erfahrbar zu leben“, erklärt der Verein. „Die Aegidienkirche hat zwei Wurzeln, eine kirchliche und eine kulinarische. Wir wollen an beide Traditionen dieses Ortes anknüpfen. Das Alte - die Kirche - wird nicht aufgegeben, sondern wieder in Kraft gesetzt und mit neuem Leben gefüllt. Die jüngere Tradition - das Café - wird im Geist des Projektes weiter geführt.“

Der Verein engagiert sich für eine Resakralisierung der Kirche, wolle jedoch keine museale Wiederherstellung alter Zustände, sagt Pastor Henning Dobers. Stattdessen setzten sich die Initiatoren „für neues geistliches Leben an einem alten Ort ein“. Gerade die Kombination von Kirche als Ort der Gottesbegegnung und Café als Ort der Gemeinschaft sei reizvoll: „Mit dieser Kombination wollen wir in unserer Generation alte Schätze ehren, frischen Glauben leben und neue Wege wagen. Vielleicht könnte man es so sagen: Kaffee trinken, Menschen treffen, Jesus begegnen.“

Zurück zum Gebet

Damit werde die 2006 entwidmete St. Aegidien-Kirche wieder zu einem Gebetshaus und bleibe dennoch Gasthaus. Seine Idee zu dieser sakral-kulinarischen Fusion bezieht der Verein dabei aus seinen christlichen Wurzeln: „Die Bibel macht in vielen Berichten deutlich, dass Jesus häufig und gerne mit anderen Menschen Essen gegangen ist.“ Es solle keine neue Kirche oder Gemeinschaft gegründet werden, „sondern das bestehende geistliche Angebot in der Stadt wird lediglich durch eine neue Form christlicher Spiritualität ergänzt. Es entsteht eine Art modernes Stadtkloster, unter anderem mit einem Schwerpunkt auf moderner Lobpreiskultur.“

Zur Rückbesinnung auf die lange kirchliche Vergangenheit sind auch einige äußerliche Veränderungen geplant:

• Die ehemalige Sakristei wird wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt und künftig ausschließlich als Gebetsraum genutzt werden – auch parallel zu den Öffnungszeiten des Cafés.

• Der Kirchraum und das umliegende Areal sollen mit seinem besonderen Flair tagsüber weiterhin als Café und Frühstücksraum für Hotelgäste genutzt werden.

• Der Altarbereich soll wieder als solcher wieder erkennbar sein und jedem Besucher Gelegenheit zu Stille, Gebet und Verweilen geben.

• Es sollen Seminare, Vorträge, Konzerte und Pilgerwochen angeboten und bundesweit beworben werden. „Auf diese Weise“, erklärt der Verein, „werden Touristen und Gäste das Leben der Stadt bereichern und die Stadt bundesweit bekannter machen.“

• ab März werden - immer um 19 Uhr - wöchentlich Gebetszeiten und Abendandachten gefeiert, dazu monatlich Gottesdienste.

• das Angebot von verlässlichen und öffentlichen Gebetszeiten unterschiedlicher Stile (Lobpreis, Anbetung, Fürbitte, Stille) soll kontinuierlich ausgeweitet werden, „so dass an diesem Ort perspektivisch Tag und Nacht gebetet wird“.

Außerdem soll zu Jahresbeginn die Website www.st-aegidien-kirche.de freigeschaltet werden.

Von Matthias Heinzel