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Staufenberg Kinder aus Tschernobyl erholen sich an der Fulda
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16:40 02.08.2019
Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Speele bei Hann. Münden. Quelle: Peter Krüger-Lenz
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Staufenberg

Der schwarzgelbfarbene Doppeldeckerbus steht auf der Straße vor dem Tor zum Haus Waldfried. Das Kennzeichen kommt aus der Ukraine. Zwischen 24 und 40 Stunden dauere die Fahrt der Kinder und ihrer Begleiter bis nach Speele, einem Ortsteil von Staufenberg, erklärt Pavle Vojnov. Viel Zeit kosteten die Grenzüberschreitungen, vor allem in Polen sei das in den vergangenen Jahren eher schwierig gewesen.

Alpen an der Fulda

Vojnov betreibt das Erholungsheim gemeinsam mit seiner Ehefrau Michaela und organisiert auch den Verein „Hoffnung für Tschernobyl-Kinder“, der Spenden sammelt, um den Kindern den Urlaub zu ermöglichen. Und er erstellt den Erlebnisplan für die Kinder, der mit einem Zahnarztbesuch startet. Eine Praxis behandelt alle Kinder kostenlos.

Vergnüglicher wird es später. Mehrfach steht Schwimmen auf dem Programm, unter anderem in der Hessentherme in Kassel. Sie besuchen die Berufsfeuerwehr in Göttingen, werden nach Ziegenhagen in den Tierpark gefahren und geben Konzerte. Musizieren sei eine ihrer liebsten Beschäftigungen, sagt Vojnov und zählt die Instrumente auf, die einige von ihnen spielen.

„Nach drei bis vier Tagen sagen die Kinder ,Sanatorium’ zu ihrem Feriendomizil, und gegenüber jenseits der Fulda sind die Alpen“, sagt Margret Cammert lachend und zeigt durchs Fenster auf die Hügel auf der anderen Seite des Flusses. Sie nimmt Spenden für die Kinder auf Gut Wissmanshof entgegen und ist von Anfang an dabei.

Zerrüttete Verhältnisse

Vojnov hat Kontakt zu zwei Pastorenehepaaren in der Gegend von Tschernobyl. „Beide geben Tipps, wo Kinder geschwächt sind oder in besonders armen Familien leben“, erklärt der Organisator. Er selbst besucht die Familien dann, um sich davon zu überzeugen und ihnen zu erklären, wie der Urlaub aussehen soll.

Die meisten der Kinder hätten keine Eltern mehr, gefallen im Krieg oder an Krankheiten gestorben, und würden von den Großeltern versorgt. Sie stammten häufig aus zerrütteten Verhältnissen. Wer in einer Mietswohnung leben, habe große Probleme, denn „ohne Garten ist eigentlich kein Überleben möglich“. Vojnov berichtete von Familien, die im Winter zusammenzögen, um sich die Heizkosten teilen zu können.

Therapie in der Ukraine

Er erzählt auch von dem acht Jahre alten Jungen, der diesmal dabei ist. Sein Vater sei vor eineinhalb Jahren gestorben, die Mutter lebe in der Psychiatrie. Die Großmutter kümmert sich um den Kleinen – und um seine jüngste Schwester. Das mittlere Kind musste sie weggeben. „Sie hat es nicht geschafft“, sagt Vojnov. Mit dabei ist auch ein Mädchen in einem Rollstuhl. Ein Neurochirurg aus Bald Wildungen habe sie kostenlos untersucht und Medikamente und eine Therapie empfohlen. In drei bis vier Jahren könne sie sich dann ohne Rollstuhl fortbewegen, berichtet Vojnov. Er will nun alles dafür tun, diese Therapie in der Ukraine zu sichern.

Finanziert durch Spenden

Zwischen 20000 und 22000 Euro kostet der vierwöchige Ferienaufenthalt der ukrainischen Kinder, sagt Organisator Pavle Vojnov. Allein der Bus, der die kompletten vier Wochen in Speele bleibt, schlägt mit 7000 Euro zu Buche, nicht eingerechnet der Treibstoff und Kilometergeld. Ein gebrauchtes Fahrrad bekommt jedes Kind mit nach Hause, dazu große Taschen mit Kleidung und Lebensmitteln. Der Verein „Hoffnung für Tschernobyl-Kinder“ organisiert die Urlaubsaufenthalte und die Vergabe der Spenden. Dafür ist er auf Unterstützung angewiesen.

Sachspenden wie Fahrräder, Schuhe und Kleidung für Klein und Groß, Bettwäsche und Handtücher können auf dem Gut Wißmannshof (05543/1850, 0172/5640607) oder im Haus Waldfried (0151/56803346, 05543/541) nach telefonischer Absprache abgegeben werden. Für Geldspenden haben die Organisatoren Kontos eingerichtet: VR-Bank in Südniedersachsen, IBAN DE93 2606 2433 0002 1987 46 – Stichwort: Hilfe für Tschernobylkinder. Spendenquittungen werden ausgestellt. pek

Bevor die Kinder nach Speele kommen, müssen die Erziehungsberechtigten ihre Einwilligung zur Reise der Kinder geben. „Dann erhalten sie 28 Euro Startgeld zum Beschaffen der Papiere“, sagt Vojnov, der mit seinen Eltern im Alter von elf Jahren von Jugoslawien nach Deutschland kam.

Fahrräder auf dem Hänger in die Ukraine

Die Gäste in Speele sind zwischen acht und 15 Jahre alt, die meisten zwischen acht und zwölf Jahre. Vojnov kann sich mit ihnen verständigen, weil ihre ukrainische Muttersprache seiner jugoslawischen ähnele, erklärt er. Wichtig sei das regelmäßige Essen und die Stärkung des Immunsystems durch viel frische Luft. Vier Mahlzeiten bekommen sie, und überall stehe Obst und Kuchen bereit, alles Spenden oder durch Spenden finanziert. Genauso wie die gebrauchten Fahrräder, die dicht an dicht vor dem Haus stehen. Jedes Kind bekommt eins für zu Hause. Auf einem Anhänger werden sie hinter einem VW-Bus in die Ukraine gebracht.

Sie erreichen den Autor per E-Mail unter p.krueger-lenz@goettinger-tageblatt.de

Kinder aus der Gegend von Tschernobyl erholen sich in Speele bei Hann. Münden von ihrem schwierigen Leben in der Gegend von Tschernobyl in der Ukraine.

Von Peter Krüger-Lenz

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