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Northeim BUND prangert Giftmüll-Entsorgung auf Hausmülldeponie an
Die Region Northeim BUND prangert Giftmüll-Entsorgung auf Hausmülldeponie an
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07:15 13.11.2019
Gärreste aus Deiderode (Foto) würden mit giftigen Aschen aus Witzenhausen vermengt und in Blankenhagen entsorgt, moniert der BUND. Quelle: Christina Hinzmann
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Northeim

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) schlägt Alarm. Der Kreisverband Northeim geht davon aus, dass auf der Hausmülldeponie Blankenhagen nördlich von Hardegsen schon seit Jahren giftige Reststoffe abgelagert werden. In einem offenen Brief nennt BUND-Vorstandsmitglied Jürgen Beisiegel Dioxine, Furane und andere teilweise krebserregende Stoffe.

Beisiegel vermutet, dass Aschen und Stäube aus dem Ersatzbrennstoffkraftwerk der Papierfabrik Witzenhausen mit dem Rotteprodukt aus der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlung (MBA) der Deponie Deiderode im Landkreis Göttingen vermischt würden. Die Verdünnung mache die Stoffe aber nicht ungiftig.

Regelmäßige Untersuchungen

Der Abfallzweckverband Südniedersachsen (AS), der Landkreis Northeim sowie die das Heizkrafttwerk in Witzenhausen betreibende Firma weisen die Vorwürfe zurück. Die beanstandeten Aschen würden als ungefährliche Abfälle auch ohne Vermischung die Kritierien der Deponieverordnung einhalten, sagt AS-Geschäftsführer Markus Rybarczyk. Die Annahme der zur mechanischen Stabilisierung der Gärreste aus der biologischen Behandlung genutzten Aschen in Blankenhagen sei mit dem Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig als Genehmigungsbehörde im Detail abgestimmt: „Die Schadlosigkeit der Deponierung wird durch regelmäßige Untersuchungen nachgewiesen.“

Die AS-Stellungnahme kann die Zweifel der Kritiker nicht zerstreuen. Eine zentrale Rolle für die Missstände könnte ein Deal mit der Papierfabrik spielen, meint Beisiegel. In der Deponieverordnung fehle eine für Südniedersachsen essentielle Regelung der Zumischung mineralischer Abfälle. Die Gärreste aus Deiderode könnten die Verordnung auch aus technischen Gründen nicht einhalten und seien energetisch zu verwerten: „Eine Deponierung in Blankenhagen ist illegal.“ Eine von der früheren Geschäftsführung vorgesehene Optimierung der MBA sei gestoppt worden. Nach heutiger Praxis könne erst die Mischung die Verordnung einhalten. Die sehe aber auch vor, dass jeder Abfall vor der Vermischung auch einzeln die Kriterien einhalten müsse. Die sporadischen Dioxinmessungen seien irrelevant für die Einstufung als gefährlicher Abfall, die Ergebnisse zweifelhaft.

Streit über Verfahrensweisen

Als befremdend wertet der BUND, dass ein alternatives Behandlungsverfahren für Restmüll aus dem Jahren 2011/2012 nicht weiterverfolgt worden sei. Dadurch hätten Kunststoffe in Deiderode abgetrennt und größtenteils einem echten Recycling zugeführt, die übrigen organischen Bestandsteile dioxinfrei verbrannt werden können. Die nun vom AS geplante Umstellung von Nass- auf Trockenvergärung erhöhte die Investitionskosten gegenüber dem damaligen Konzept um das Drei- bis Vierfache auf bis zu 20 Millionen Euro. Der Göttinger Fachausschuss Umweltdienste habe bereits eine Empfehlung dazu verweigert.

Es habe 2011/2012 Überlegungen für eine verfahrenstechnische Optimierung der biologischen Behandlungsstufe gegeben, räumt Rybarczyk ein. Für das alternative Behandlungsverfahren habe es aber weder eine belastbare Kostenschätzung noch Betriebserfahrung und einen Nachweis für die Funktionsfähigkeit gegeben, Investitionen dafür seien unverantwortlich. Das komplexe Verfahren sei nur einmal in der Schweiz erprobt worden und habe kläglich versagt. Rybarczyk widerspricht auch der Behauptung, das Verfahren sei vom Bundesumweltamt empfohlen und eine Förderung in Aussicht gestellt worden.

Stattdessen wolle der AS ein 2017 vorgestelltes Konzept zur Umstellung der Nass- auf eine Trockenvergärung umsetzen, sagt der AS-Geschäftsführer. Bislang würde feuchte Gärreste vor dem Transport durch einen Bandtrockner laufen, künftig gebe es weniger Verfahrensschritte, und die Zumischung von Asche könnte gänzlich entfallen.

Protestankündigung und Ratsanfragen

Mit der verfahrenstechnischen Weiterentwicklung der mechanisch-biologischen Aufbereitung (MBA) sowie der Änderung von Zweckvereinbarungen befasst sich der Abfallzweckverband Südniedersachsen am Donnerstag, 14. November, ab 17 Uhr in einer öffentlichen Sitzung im Betriebsgebäude Friedland, Auf dem Mittelberge 1. „Wir werden dort Druck machen“, kündigt Ralf Böker vom Göttinger Bündnis für nachhaltige Stadtentwicklung an. Diverse Dinge würden im Argen liegen. Kessel- werde mit Flugasche vermischt, um Grenzwerte zu unterschreiten, Fehlinvestitionen würden fortgesetzt. Die Göttinger Linke/ALG hat zu den MBA-Umbauplänen und der „Ablagerung von möglicherweise als Sonderabfall zu behandelnden Aschen“ auf der Deponie Blankenhagen ebenso kritische wie umfangreiche Anfragen zur Ratssitzung der Stadt Göttingen am Freitag, 15. November gestellt. Darin wird auch um die Vorlage von Dokumenten gebeten, auf deren Grundlage die Ablagerung von Aschen aus dem Verbrennungsprozess des Kraftwerkes in Witzenhausen auf der Deponie Blankenhagen mit dem Gewerbeaufsichtsamt abgestimmt wurde.

 

Von Kuno Mahnkopf

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