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Northeim Dorfmoderation: Landkreise in Südniedersachsen erarbeiten Handlungsvorlagen
Die Region Northeim

Dorfmoderation: Landkreise in Südniedersachsen erarbeiten Handlungsvorlagen

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14:30 13.04.2021
Rainer Koch (4. v.l.), Dorfmoderator in Sievershausen und (neben ihm) Andreas Stänger, Ortsbürgermeister und Dorfmoderator in Schlarpe, haben die Broschüren überreicht – an (v.l.): Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Julia Gottlieb (Dezernentin Bauen und Umwelt) und Annette Muhs (Fachbereich Regionalplanung und Tourismus).
Rainer Koch (4. v.l.), Dorfmoderator in Sievershausen und (neben ihm) Andreas Stänger, Ortsbürgermeister und Dorfmoderator in Schlarpe, haben die Broschüren überreicht – an (v.l.): Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Julia Gottlieb (Dezernentin Bauen und Umwelt) und Annette Muhs (Fachbereich Regionalplanung und Tourismus). Quelle: Landkreis Northeim / Claudia Hiller
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Südniedersachsen

Für den Umgang mit dem demografischen Wandel haben die Landkreise Göttingen, Northeim, Goslar und Holzminden neue Handlungsmöglichkeiten für „die Verstetigung des Themas Dorfmoderation in Niedersachsen“ erarbeitet, teilte der Landkreis Northeim mit. Nach fünf Jahren sind die Ergebnisse des Projekts „Dorf ist nicht gleich Dorf“ als Broschüren vorgelegt worden.

Mit der Umsetzung des niedersächsischen Pilotprojekts seien das Soziologische Forschungsinstitut der Universität Göttingen (SoFi), die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst sowie die Ländliche Erwachsenenbildung und die Freien Altenarbeit Göttingen beauftragt worden, so die Pressestelle der Northeimer Kreisverwaltung. Das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und die Landkreise hätten das Vorhaben unterstützt.

Landrätin Klinkert-Kittel: „Wunderbare Hilfe“ für Dörfer

Entstanden seien fünf Broschüren, die unterschiedliche Themenbereiche darstellten und Hilfestellungen für die Dorfmoderation liefern würden, heißt es in der Mitteilung. „Das ist eine wunderbare Hilfe für neue Orte, die die Dorfmoderation einsetzen wollen“, kommentierte die Northeimer Landrätin Astrid Klinkert-Kittel die Resultate des Projekts. Sie betonte, dass aktive kommunale Strukturen nicht nur die Attraktivität der Dörfer als Wohnort und die Lebensqualität erhöhten, sondern auch zur Stärkung der Demokratie beitragen würden.

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Bei den Broschüren handele es sich um einen Plan, der ein „neues erprobtes Konzept“ für die Qualifizierung von Dorfmoderatoren in Niedersachsen beschreibe, so die Pressestelle. Zu dem Paket zählten eine Handreichung für Referierende mit Ergänzungen und Anwendungshinweisen zum Plan und ein Methodenkoffer für die Akteure in den Dörfern „mit Methodenbeschreibung und Impulsen für die möglichen Dorfprozesse“. Ebenfalls enthalten seien ein „Dorfanalyseschema, das das Gestern, das Heute und das Morgen“ eines Dorfes zu erfassen helfe, um so die Dorfzukunft gestalten zu können, sowie ein sogenanntes Verstetigungs- und Vernetzungskonzept.

SoFi und HAWK: Bürger brauchen Mut zur Veränderung

Dörfer hätten viel zu bieten, müssten aber auch Bevölkerungsverluste verzeichnen, habe der Soziologe Rüdiger Mautz vom SoFi betont, teilten das Forschungsinstitut und die HAWK mit. In der Folge seien Läden, Poststellen und Kneipen „aus vielen Ortschaften längst verschwunden und Vereine finden kaum Nachwuchs“, so Mautz. „Um mit der neuen Situation umgehen zu können, brauchen die Menschen in den Dörfern Mut zur Veränderung, kreative Ideen und eine engagierte Dorfgemeinschaft für die Umsetzung.“ Dafür könnten Dorfbewohner als ehrennamtlich tätige Dorfmoderatoren qualifiziert werden.

Swantje Eigner-Thiel (HAWK) und Rüdiger Mautz (SoFi) zeigen Publikationen des Projekts. Quelle: r / Swantje Eigner-Thiel

Die Qualifizierung zum Einstieg in die Dorfmoderation richte sich an Akteure aus Politik, Verwaltung und Vereinen sowie an jüngere und ältere Bürger, habe Swantje Eigner-Thiel von der HAWK erklärt, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung: „Die Voraussetzungen für positive Veränderungen sind in jedem Dorf unterschiedlich. Die Geschichte der Orte, die Bedeutung von Landwirtschaft, Gewerbe, Kirche und Vereinen sowie zahlreiche weitere soziale, wirtschaftliche und kulturelle Faktoren haben die Dörfer und ihre Menschen unterschiedlich geprägt“, so Eigner-Thiel. Die Moderation könne zur Demokratisierung von Dorfentwicklung beitragen, indem Bürger auf Prozesse und Projekte im Dorf Einfluss nähmen und die jeweils eigene Situation vor Ort berücksichtigten.

Das Ziel: Qualifizierungsmaßnahme für das Land entwickeln

Ziel der Landkreis-Kooperation sei es gewesen, eine Qualifizierungsmaßnahme für das Land zu entwickeln, die auf die Unterschiedlichkeit der Dörfer Bezug nehme, so die Verwaltung des Landkreises Northeim. Vorgabe sei gewesen, dass die Gestaltung dörflicher Zukunft in enger Abstimmung mit den Ortsräten und Vereinen erfolgen und die Förderung des Ehrenamtes im Fokus des Projektes stehen solle.

Um die Dörfer besser zu unterstützen, neue Akteure zu gewinnen und das Miteinander in den Dörfern und darüber hinaus zu stärken, habe auf die Erfahrungen im Landkreis Göttingen und im Land Niedersachsen zurückgegriffen werden können, so der Landkreis Northeim. Die Pressestelle des Landkreises Göttingen konnte auf Anfrage am Donnerstagmittag noch keine Stellungnahme zum Projekt abgeben. Im Landkreis Göttingen werden seit Jahren Dorfmoderatoren qualifiziert. Informationsstellen und deren Arbeitsbereiche stellt der Landkreis auf seiner Internetseite vor – der Titel: „Moderation in der Dorfentwicklung“. Auf der Seite ist auch der Abschlussbericht des Pilotprojekts zu finden.

Aktuell mehr als 20 Dorfmoderatoren im Landkreis Northeim

Mittlerweile seien in mehr als zehn Dörfern des Landkreises Northeim mehr als 20 Dorfmoderatoren aktiv. Weitere Interessierte hätten sich bereits gemeldet, um an künftigen Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen zu können, heißt es in der Mitteilung. Dorfmoderation funktioniere als „zurückgenommene“ Moderation und verstehe sich als „wichtiger Baustein“ zur Unterstützung von Ortsbürgermeistern und Ortsräten, von Vereinen und anderen Akteuren. Auf der neuen Homepage www.dorfmoderation-sn.de stehen der Abschlussbericht sowie die Broschüren als Pdf-Datei zur Verfügung – sie seien zudem in gedruckter Form erhältlich.

Von Stefan Kirchhoff

13.04.2021