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Northeim Theaterfest: Drachen ziehen durch Northeimer Innenstadt
Die Region Northeim Theaterfest: Drachen ziehen durch Northeimer Innenstadt
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17:12 09.09.2019
Walkact mit Glücksdrachen und Lichtwesen: Die Stelzen-Künstler von „Hochkant“ aus Hildesheim laufen beim Umzug mit. Quelle: Niklas Richter
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Northeim

In der Northeimer Fußgängerzone hat sich am Sonntag ein Bild geboten, als ob sich die bizarren Figuren aus einem Gemälde von Hieronymus Bosch in Bewegung gesetzt hätten. Dass der schon traditionelle Maskenumzug des Theaters der Nacht in diesem Jahr von Drachen in allen Arten und Abarten dominiert wurde, hat einen Grund. „Wir haben einen neuen Drachen im Haus, der heute getauft wird“, sagte Theaterleiterin Ruth Brockhausen. Mitmarschieren konnte der Täufling allerdings nicht. Lindwurm „Raja“ hat einen festen Platz im Turm des verwunschenen Theatergebäudes.

Umzug und Theaterfest

Dass das seit 2001 als Theater dienende Gebäude einmal eine Feuerwache war, kann man nicht einmal erahnen. Es wirkt wie aus einem Traum gefallen, könnte von Antoni Gaudí, Friedensreich Hundertwasser, Jules Verne und Peter Jackson nach gemeinsamem Genuss einer Flasche Absinth entworfen worden sein. „Der Drache ist ganz oben, du fasst gerade seine Wirbelsäule an“, sagt ein Besucher im Treppenhaus. Tatsächlich mündet das Knochen-Geländer in einen gigantischen Drachenschädel unter der Turmdecke. Geschaffen haben ihn zwei wandernde Gesellen. „Die Steinbildhauer Ralf Schlaufmann und Janosch Lier – daher der Name „Raja“ – haben sechs Monate lang immer wieder an dem Drachen geschuftet“, berichtet Brockhausen.

Parade magischer Wesen

Nicht minder surreal als das Theater und sein Interieur wirken die Teilnehmer des „Zuges der Drachen und anderer magischer Wesen“ durch die Northeimer Innenstadt, einer Parade aus Traumgestalten und Archetypen. Das Spektakel, das diesmal den Start der neuen Spielzeit markiert, hat inzwischen einen festen Platz im Termin- und Tourismuskalender der Stadt. Massen von Smartphones zückenden Menschen säumen die Straßen, um magische Wesen und Momente ins Bild zu bannen.

An denen mangelt es nicht. Hörner, Federn, Schuppen, Klauen, wohin man auch blickt – angetrieben von südamerikanischen Rhythmen der Bacalao-Trommlerinnen aus Göttingen. In reptiloidem Outfit sind Drag Queens aus Northeim unterwegs, der Duderstädter Dietmar Engelhardt und Tochter Nea lassen Luftdrachen in die Höhe steigen, Theaterfan und -förderer Reinhardt Kalbow verbirgt sich hinter einer balinesischen Barong-Maske, Vanadis Tribal Style Dance aus Göttingen hat Drachenpriesterinnen mit Kaltblütler-Kontaktlinsen ins Rennen geschickt. Deren selbstgenähte schwarze Kostüme bilden einen Kontrast zu den weißen Glücksdrachen und Lichtwesen der Hildesheimer Stelzenkünstler von „Hochkant“.

Versunkenes Südniedersachsen

Der Walkact ist ebenso ein Eyecatcher wie Drachenreiter Christoph Buchfink auf einem Reittier wie aus einem Star-Wars-Streifen: „Nein, das ist kein Dino. Das ist der letzte lebende Flokati.“ Auch Einhörner und schräge Vögel tanzen im Umzug mit, Schüler der Kardinal-Bertram-Schule sind als kleine blaue Drachen dabei, Schüler der Freien Schule Heckenbeck formieren sich zu einem mehrköpfigen Drachenwesen. Am Theater, das als Novum ein Herbst-Salonprogramm mit Erzähl- und Literaturcafes, Live-Musik und Workshops anbietet, haben Figuren- und Puppentheater Bühnen aufgeschlagen, in einem Wasserbecken mit Nasen tummeln sich skurrile Augenwesen mit Lamettaschweifen.

Im Umzug dabei ist auch das jedem Steampunk und der Nautilus zur Ehre gereichende U-Boot des Theaters. Das wurde nach dem „Nortlantis“-Einsatz überarbeitet und ist nicht mehr ganz so rostig, hat aber immer noch Patina. „Northeim – voll versunken“, lautet der am Theaterstand erhältliche Titel eines Buches mit „Geschichten aus der Tiefe“. In dem ist auch Brockhausen als Autorin vertreten. Und die hat es ja in jüngerer Vergangenheit mit versunkenen Städten im demografisch angeschlagenen Südniedersachsen.

Seeburger See wird zur Outdoor-Spielstätte

In die Finanzierung des Theaterfestes mit Drachenumzug zum Auftakt der neuen Spielzeit sind 7500 Euro Preisgeld von der Volksbank eingeflossen. Das Theater der Nacht hatte beim Kulturwettbewerb „Schatz der Region“ sowohl die Jury als auch die Bürger beim Voting überzeugt und den zweiten Platz belegt. Die neue Spielzeit ist am Sonnabend mit dem Regentrude-Klassiker durchgestartet. Bis Jahresende folgen weitere Stücke: Drachenbändiger, Jemelja und der Zauberfisch (statt Mülldetektive), Froschprinzessin, Wunschpunsch, Momo, Händels Hamster, Zwerg Nase und vieles mehr.

Nachdem im vergangenen Jahr in Northeim die „Nortlantis“-Premiere das Projekt „Versunkene Stadt“ abgeschlossen hat und es in Hann. Münden eine „Südlantis“-Adaption gab, steht in diesem Jahr der Seeburger See im Fokus versunkener Welten. In der Reihe „Kultur im Kreis“ wird am Sonnabend, 14. September, rund um den See das Wander-Theaterstück „Seelantis – die versunkene Burg“ aufgeführt. In die Inszenierung sind Bewohner der beiden Uferorte eingebunden. ku

Von Kuno Mahnkopf

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