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Northeim Internationale Gäste berichten
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17:56 30.05.2017
Von Britta Eichner-Ramm
Die Italienische Studentin Elena Stolfi und der Chinese Wenyuan Pan arbeiten auf dem Internationalen Schulbauernhof in Hevensen. Quelle: Vetter
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Hevensen

Etwas mehr als zwei Monate verbringt die Italienerin Elena Stolfi in Hevensen. Von der Uni sei ihr der Internationale Schulbauernhof Hardegsen empfohlen worden, sagt die junge Frau, die ihr Landwirtschaftsstudium abgeschlossen hat und in Zukunft gerne etwas mit Kindern, Landwirtschaft und Natur machen möchte. Ihr Praktikum werde über das EU-Förderprogramm „Erasmus plus“ gefördert. Seit Mitte März ist die junge Frau aus der Nähe der italienischen Hafenstadt Ancona im beschaulichen Hevensen. Dort feierte sie kürzlich auch ihren 23. Geburtstag.

Weltwärst nach Deutschland

Auf dem Schulbauernhof wohnt lebt Elena Tür an Tür mit Wenyuan Pan. Der 22-Jährige stammt aus Südost-China in der Nähe von Shanghai. Seit drei Jahren studiert er Germanistik. Vor zwei Jahren als Austauschstudent an der an der Uni Oldenburg habe er vom Bundesfreiwilligendienst gehört und sich über das Süd-Nord-Projekt des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes „weltwärts“ für ein Stipendium beworben. „Der Bereich Umweltschutz interessiert mich“, sagt Wenyuan, der nun ein Jahr lang auf dem südniedersächsischen Schulbauernhof mitarbeitet.

Der Aufenthalt der beiden „jungen ausländischen Kollegen“ sieht Claudia Eicke-Schäfer vom Internationalen Schulbauernhof als gute Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen – und zwar gegenseitig: „Der internationale Austausch ist nicht nur für den Hof eine Bereicherung“, sondern diene auch der Völkerverständigung. So etwa hätten die Fragen von Elena und Wenyuan schon dazu beigetragen, „dass wir Deutsche uns Deutsche viel bewusster sehen“. Die Italienerin und der Chinese hätten zum Beispiel nach dem typischen Essen in der Region gefragt. Wenyuan hingegen habe gegenüber Deutschen versichern müssen, dass Chinesen ihre Hunde lieben und nicht essen. Auch sein Lieblingstier sei der Hund, sagt er. Einen solchen gibt es auf dem Internationalen Schulbauernhof nicht, wohl aber viele andere Tiere, um die sich Elena und Wenyuan kümmern.

Füttern und Stall ausmisten zählen zum Beispiel zu den Aufgaben der Praktikantin und des Stipendiaten. Vor allem für Elena sei die körperliche Belastung anfangs schwierig gewesen, weiß Eicke-Schäfer, und die Italienerin versichert, dass sie inzwischen schon ein bisschen stärker geworden sei. „Die erste Begegnung mit den Tieren war für beide etwas Besonderes“, so Eicke-Schäfer weiter, denn direkten Tierkontakt ganz ohne Zaun hätten beide zuvor noch nicht gehabt. Und so hatten Elena und Wenyuan anfangs auch Respekt vor den Bentheimer Landschweinen, den Leineschafen oder Ziege Annabell. Inzwischen wissen sie, dass die Hühner nicht beißen oder eine Kuh den Menschen manchmal nur aus Neugier mit ihrem Kopf anstupse.

Gänse sind schlau

Die Nähe zu den Tieren des Hofes wertzuschätzen und das auch an die Kindergruppen weiterzugeben, sei eine der Aufgaben von Elena und Wenyuan, erklärt Eicke-Schäfer. Der junge Chinese warnt allerdings vor zu viel Nähe, wie etwa zu den Gänsen. Zweimal hätten sie ihn ins Bein gebissen. „Gänse sind aggressiv und schlau. Die wissen genau, wo der Gummistiefel aufhört“, sagt er.

Beide internationalen Mitarbeiter fühlen sich eigenen Angaben zufolge in Hevensen wohl. Sie halfen sogar beim örtlichen Umwelttag, den Spielplatz zu säubern. Die südniedersächsische Landschaft begeistert beide. Stadtkind Elena erzählt zum Beispiel von ihren vielen Spaziergängen in die Umgebung. „Die gelben Rapsfelder“, schwärmt sie, „das gefällt mir sehr“. Wenyuan lobt „das ruhige Leben“ und die „frische Luft“ im Dorf. Er gehe gerne in der „schönen Landschaft“ joggen.

Disco und Action vermissen beide nicht. Elena sagt, sie tanze zwar gerne Salsa, in Hevensen auf dem Bauernhof „vermisse ich das aber nicht“. „Ich fände es toll, wenn ich in Deutschland ein Instrument lernen könnte“, ergänzt Wenyuan, denn das sei in seiner Heimat nur reichen Leuten vorbehalten. Immerhin, so berichtet der 22-Jährige, habe er bei einem Konzertbesuch in Northeim einen Saxophonspieler aus Hardegsen kennengelernt. Der wolle ihn am Instrument unterrichten. Im Gegenzug will Wenyuan dem Musiker die chinesische Sprache beibringen.