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Northeim Fossil entdeckt: Drei Millionen Jahre alte Maus hatte rötliches Fell
Die Region Northeim Fossil entdeckt: Drei Millionen Jahre alte Maus hatte rötliches Fell
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17:33 09.10.2019
Mit speziellen Röntgentechniken und bildgebenden Verfahren konnten die Forscher die rötliche Färbung im Fell der knapp drei Millionen Jahre alten Maus rekonstruieren. Quelle: University of Manchester
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Willershausen/Göttingen

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat bei der Untersuchung eines drei Millionen Jahre alten Mausfossils aus der Tongrube Willershausen (Kreis Northeim) einen wichtigen Durchbruch erzielt: Die Forscher konnten mit bislang einzigartiger Präzision die Pigmentierung der ausgestorbenen Mausart „Apodemus atavus“ bestimmen. Mit speziellen Röntgentechniken und neuen bildgebenden Methoden gelang es ihnen, erstmals in einem Tierfossil chemische Spuren von roten Pigmenten zu finden. Dies war mit bisherigen Techniken nicht möglich gewesen. Die Studie ergab, dass die Maus aus Willershausen auf dem Rücken und an den Seiten eine braune bis rötliche Fellfärbung hatte, die Bauchunterseite war dagegen weiß.

Das knapp drei Millionen Jahre alte Mausfossil aus der Tongrube Willershausen ist so hervorragend erhalten, dass selbst kleinste Details erkennbar sind. Quelle: Geowissenschaftliches Museum der Universität Göttingen

Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht („Pheomelanin pigment remnants mapped in fossils of an extinct mammal“). Das internationale Forscherteam unter Leitung von Phillip L. Manning von der University of Manchester weist in dem Artikel darauf hin, dass diese neuen Erkenntnisse auch deshalb möglich wurden, weil das untersuchte Mausfossil aus Willershausen so außergewöhnlich gut erhalten ist. Selbst kleinste Strukturen wie einzelne Härchen sind deutlich erkennbar.

Maus ist vermutlich ertrunken

Die fossile Maus, die vermutlich ertrunken ist, gehört zur Sammlung des Geowissenschaftlichen Museums der Universität Göttingen. Dort befinden sich auch mehr als 50 000 weitere Fossilien aus der Tongrube, die ebenfalls in einem hervorragenden Zustand sind. Dies liege an dem Sediment, in dem sie eingebettet sind, erklärt Museumsdirektor und Leiter der Abteilung Geobiologie, Professor Dr. Joachim Reitner, in einer Mitteilung des Landkreises Northeim: „Die Fossilien sind unter anaeroben Bedingungen entstanden, das heißt, es gibt sehr wenig Sauerstoff – also auch wenig Oxidation. Unter solchen Bedingungen bleiben viele organische Verbindungen erhalten."

Dr. Alexander Gehler, Kustos des Geowissenschaftlichen Museums der Universität Göttingen Quelle: Heidi Niemann

Dazu zählen Melanine, komplexe organische Moleküle, die den Farbstoff in der Haut oder den Haaren des Körpers bilden. In Form von Eumelanin gibt das Pigment eine schwarze oder dunkelbraune Farbe ab. Solche Spuren konnte man bereits früher in Fossilien nachweisen. Bei der Untersuchung des Mausfossils aus Willershausen entdeckten die Forscher nun erstmals auch Spuren der zweiten Form, des sogenannten Pheomelanin, das rötliche und gelbe Farbtöne produziert. „Melanine verkoppeln sich mit bestimmten Elementen, in diesem Fall mit Zink. Da die Verbindung mit Zink und bestimmten Schwefelverbindungen bei der Maus nachgewiesen werden konnte, weiß man, dass das Tier an manchen Stellen ein rötliches Fell hatte", erläutert Reitner.

Funde einzigartig in Mitteleuropa

Die Fossilien aus der Tongrube Willershausen ermöglichen Einblicke in die Lebenswelt, wie sie in der Epoche des Pliozän vor dem Anbruch der letzten großen Eiszeit bestand. „Die Funde sind einzigartig in Mitteleuropa“, erläutert der Kustos des Geowissenschaftlichen Museums der Universität Göttingen, Dr. Alexander Gehler. „Sie bieten das vollständigste Fenster und die letzten Einblicke in die Zeit vor dem großen Artensterben.“ Die Funde zeigen, wie vielfältig die damalige Flora und Fauna war. Unter den Pflanzenfossilien befinden sich beispielsweise Blätter und Früchte von Baumarten, die heute in Asien oder anderen entfernten Regionen heimisch sind. Bei den Tierfossilien finden sich ebenfalls diverse exotische Arten wie Schnappschildkröten und Riesensalamander, aber auch Teile des Schädels sowie der Stoßzähne eines ausgestorbenen Verwandten des heutigen Elefanten.

Die versteinerte Maus ist in einer Vitrine des Geowissenschaftlichen Museums der Universität Göttingen ausgestellt. Quelle: Heidi Niemann

Tongrube Willershausen

Ein Teil der spektakulären Funde aus Willershausen ist im Geowissenschaftlichen Museum der Universität Göttingen (Golfschmidtstraße 3) ausgestellt. Auch das von dem Forscherteam untersuchte Mausfossil kann dort besichtigt werden. Das Museum ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr sowie sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Sonntags können Besucher dort auch die berühmte Bernsteinsammlung besichtigen.

Die Tongrube, aus der die Fossilien stammen, ist Eigentum des Landkreises Northeim. Betreut wird das Naturdenkmal vom Heimatverein Willershausen. Der Verein sucht nach ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich beispielsweise bei der Grün- und Landschaftspflege oder als Gästeführer engagieren. Führungen durch die Tongrube sind nach Vereinbarung das gesamte Jahr über möglich. Am 27. Oktober findet die letzte öffentliche Sonntagsführung in diesem Jahr statt. Start ist um 10 Uhr am Fossilien-Zimmer. Kontakt: Telefon: 05553/4963, E-Mail: vorstand@willershausen-harz.de

Von Heidi Niemann

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