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Hardegsen Mann aus Ellierode klagt gegen eigene Kirchengemeinde
Die Region Northeim Hardegsen Mann aus Ellierode klagt gegen eigene Kirchengemeinde
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20:47 07.08.2019
Die Kirche in Ellierode. Ihr Viertelstundengeläut und ihr Totengeläut sind mehreren Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde zu laut und zu lange. Ein Mann hat deshalb die eigene Kirchengemeinde verklagt. Quelle: Niklas Richter
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Ellierode

Mit einer Klage sieht sich der Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ellierode-Hettensen konfrontiert. Ein Mitglied der Kirchengemeinde aus Ellierode empfindet das viertelstündige Schlagen des Kirchturmgeläutes als zu laut und hat deshalb gegen die eigene Kirchengemeinde geklagt. Die Klageschrift ist dem Kirchenvorstand vom Verwaltungsgericht Göttingen Anfang August zur Kenntnisnahme übersandt worden.

Der neue Vorsitzende des Kirchenvorstands, Tobias Kreitz, bedauert diese Entwicklung. Er lässt wissen, dass der Kirchenvorstand mehr als enttäuscht sei, dass seine Bemühungen, dieses Thema durch Gespräche, Vermittlungen und letztlich eine Gemeindegliederbefragung zu einem versöhnlichen Abschluss zu führen, nicht auf fruchtbaren Boden gefallen sind.

Im Gespräch mit dem Tageblatt gibt Kreitz einen Über- beziehungsweise Rückblick zum Glockenschlag-Streit in Ellierode. Während einer öffentlichen Sitzung des Kirchenvorstands sei das Thema von einem Gemeindemitglied angesprochen worden. Daraufhin sei die Feder, die den Schlagbolzen im Uhrwerk justiert, nachgestellt und damit die Lautstärke des Glockenschlags reduziert worden.

Zwei Fraktionen in der Kirchengemeinde

Bei der nächsten Sitzung erschien der Beschwerdeführer dennoch erneut und zwar mit 20 Unterschriften von Gleichgesinnten. Unter anderem sei das traditionelle Totengeläut als zu laut und zu lang andauernd kritisiert worden. Also war der nächste Schritt, die Dauer des Totengeläutes sowie die Intensität des Viertelstundenschlags zu reduzieren. Nun erschienen bei der nächsten Sitzung jene Gemeindeglieder, die alles wieder so haben wollten, wie es vorher war. Da sich die unterschiedlichen Auffassungen nicht miteinander in Einklang bringen ließen, entschied sich der Kirchenvorstand für eine Gemeindegliederbefragung. Ergebnis: 60 Prozent votierten für die Rückkehr zu alten Klangverhältnissen.

Klage werde Frieden im Dorf belasten

Das nutzte aber auch nichts, um den Streit um das Geläut beizulegen, wie die jetzt eingereichte Klage zeigt. „Durch diese Klage sind wir nun wahrscheinlich gezwungen, erhebliche Gelder aufzuwenden, um durch Gutachten ermitteln zu lassen, ob die Lärmgrenzwerte tatsächlich überschritten werden“, erklärt Kreitz. Von den Kosten für einen Rechtsanwalt ganz zu schweigen. Es sei schade, dass jetzt auf dem Rechtsweg versucht werden soll, das Votum der Mehrheit, die sich für die Beibehaltung des Turmuhrenschlages ausgesprochen hatte, zu kippen. „Es steht zwar jedermann zu, seine Interessen auch gerichtlich durchzusetzen, dennoch wird dieses Vorgehen den inneren Frieden in Gemeinde und Dorf erheblich belasten“, befürchtet Kreitz.

Stundenschlag ist derzeit in der Wartung

Dass der Stundenschlag in Ellierode derzeit nicht ertönt, habe aber nichts mit dem Geläutestreit zu tun. Die Technik wird gerade gewartet, erklärt der Vorsitzende des Kirchenvorstands. Am Donnerstag, 8. August, will der Kirchenvorstand erneut tagen, um sich zum Thema zu besprechen.

Eine gütliche Einigung sei immer noch möglich, versichert der Sprecher des Verwaltungsgerichtes Göttingen, Dieter Wenderoth. Aus seinem Berufsleben ist dem Richter bislang nur ein ähnlicher Fall bekannt, der liege schon viele Jahre zurück. „Rechtssprechungen zum Thema gibt es aber“, verweist der Sprecher auf Urteile deutscher Gerichte. Die Annahme, dass Klagen gegen prinzipiell zum Alltag gehörende, übliche Geräusche vor allem auf dem Land – wie das Krähen eines Hahnes, das Bellen eines Hundes oder eben das Schlagen der Kirchturmuhr – zunehmen, kann Wenderoth nicht bestätigen.

Signifikant sei es deswegen nicht zu einem Anstieg an Verfahren gekommen, es gebe aber schon Probleme, wenn Menschen von der Stadt auf das Land ziehen. Die Geräusche und Gerüche, die sie dort erwarten, sind zumindest für einige gewöhnungsbedürftig.

Sakral oder nicht sakral

Kirchenglocken werden nach einer Läuteordnung geläutet. In dieser Ordnung ist festgeschrieben, zu welchem Anlass geläutet werden darf. Es wird unterscheiden zwischen dem Angelus Domini, dem Betzeitläuten, dem Gebets- und Gedächtnisläuten, dem Läuten während gottesdienstlicher Handlungen und dem Läutezyklus der Heiligen Woche – je nach evangelischer oder katholischer Konfession. Die Tradition des Kirchengeläuts ist durch die Religionsfreiheit im deutschen Grundgesetz geschützt.

Das Zeitläuten der Kirchenglocken jedoch ist nicht durch das Recht auf ungestörte Ausübung der Religion geschützt, da es nicht als ein sakrales Glockengeläut anzusehen ist. Begründung: Jeder verfüge heutzutage über eine Uhr oder zumindest ein Handy, das die Uhrzeit anzeigt. Somit unterliegt das Zeitläuten den immissionsschutzrechtlichen Bestimmungen, die besagen, dass keine schädlichen Umwelteinwirkungen entstehen dürfen. Die Beurteilung dessen, ob und wenn ja in welcher Höhe diese Umwelteinwirkungen vorliegen, wird unter Berücksichtigung der geltenden Lärmrichtwerte vorgenommen. Auf Dörfern gelten Richtwerte von 45 Dezibel nachts und bis zu 90 Dezibel am Tage.

Von Ulrich Meinhard

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