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Hardegsen Streit um Glockenschlag in Ellierode geht weiter
Die Region Northeim Hardegsen Streit um Glockenschlag in Ellierode geht weiter
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21:17 14.08.2019
Der Glockenschlag der Kirchturmuhr in Ellierode ist einigen Anwohnern zu laut. Eine gütliche Einigung konnte bislang nicht erreicht werden. Die Kirche des Ortes ist Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut worden. Quelle: Niklas Richter
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Ellierode

Der Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ellierode-Hettensen bereitet sich auf einen Gerichtsprozess vor. Den will Gemeindemitglied Wilfried Schütte anstrengen, weil ihm die Schläge der Kirchturmuhr in Ellierode insbesondere beim Viertelstundenschlag zu laut sind. Eine gütliche Einigung ist bislang gescheitert. Das Thema, das der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Thomas Kreitz, am liebsten längst vom Tisch gehabt hätte, beschäftigte auch bei der jüngsten Zusammenkunft am 8. August die Vorstandsmitglieder.

„Es ist bedauerlich, dass sich die Angelegenheit so zugespitzt hat“, sagt Kreitz. Auch in der Sitzung sei der allgemeine Unmut darüber deutlich geworden. „Wir haben uns einen Rechtsbeistand genommen“, stellt der gewählte Vertreter der Kirchengemeinde klar. Die Wahl ist auf den Rechtsanwalt Gero Geißlreiter gefallen. Der langjährige Erste Kreisrat des Landkreises Osterode arbeitet seit 2017 als Rechtsanwalt bei der Anwaltskanzlei RKM in Göttingen. Sein Tätigkeitsschwerpunkt ist Verwaltungsrecht.

Besorgnis vor gänzlicher Stille

Bei der Sitzung des Kirchenvorstands waren neben dem Ortsbürgermeister auch drei Vertreter des Ortsrates anwesend, berichtet Kreitz. „Es gab den Appell an uns, alles zu versuchen, dass am Ende des Verfahrens weiterhin ein Geläut zu hören sein wird“, gibt der Vorsitzende die Besorgnis weiter, die Kirchenglocke könne durch ein Gerichtsurteil ganz und gar zum Schweigen gebracht werden.

Da ein Gerichtsverfahren gut und gerne bis zu drei Jahre dauern kann und am Ende viel Geld kostet, werde der Vorstand weiterhin versuchen, die Angelegenheit außergerichtlich zu bereinigen. „Wir haben immer versucht, einen Kompromiss zu erzielen“, betont Kreitz. Abgesehen davon sei es derzeit noch nicht sicher, dass das Verwaltungsgericht die Klage überhaupt annimmt. Bislang ist nur die Klageschrift des Klägers vom Gericht in Göttingen an den Kirchenvorstand zur Kenntnis übermittelt worden.

Fachfirma wartete das Hauptgeläut

Da alles Entgegenkommen und auch eine demokratisch ausgeführte Umfrage unter den Gemeindemitgliedern zu keiner Lösung im Glockenstreit geführt haben, werde das aufgrund einer Wartung zeitweise ausgesetzte Geläut der Kirchturmuhr wieder aufgenommen, informiert Kreitz. „Wir gehen davon aus, dass wir damit nichts falsch machen“, sagt er. Das Hauptgeläut, das in den vergangenen Tagen bei einer Fachfirma turnusmäßig gewartet worden ist, ertönt jetzt wieder über Ellierode. Auch das Viertelstundengeläut (der eigentliche Stein des Anstoßes) ist wieder in Betrieb gegangen.

Gemeindepfarrer: „Relativ intensiv“

Gemeindepfarrer Horst Metje empfindet den Viertelstundenschlag als „relativ intensiv“. Deshalb habe er Verständnis für die Beschwerde. „Aber der Weg ist eine andere Geschichte“, wägt er ab. Er habe die demokratische Abstimmung über den Turmuhrenschlag unter den Gemeindemitgliedern initiiert und beuge sich der Mehrheitsentscheidung. Einen ähnlichen Fall habe er in seiner Zeit als Pastor aber noch nicht erlebt. Metje macht auf die kürzlich ausgeführten Messungen eines Glockensachverständigen aufmerksam, der in der Spitze Werte von über 80 Dezibel festgestellt habe. Der Wert gilt am Tage als Grenzwert. Allerdings sei es kein geeichtes Gerät gewesen, das verwendet wurde. Metje weist darauf hin, dass der Hammer, der die Töne an der Glocke anschlägt, mit Filz besetzt worden sei. Das soll den Glockenschlag dämpfen.

„Das lassen wir jetzt laufen“

Der Kläger, Wilfried Schütte, lebt in Ellierode unweit der Kirche. Der Viertelstundenschlag, sagt er, sei ihm und weiteren Anwohnern zu laut und erklinge eben auch zu häufig. Das Mehrheitsvotum der Gemeindemitglieder wolle er deshalb nicht akzeptieren, weil viele der Befragten weit weg wohnen und die Lautstärke des Glockenschlages gar nicht mitbekommen würden. Dass ein Gerichtsprozess Geld und Nerven kosten wird, sei ihm bewusst. „So wird es wohl sein, schätze ich. Aber das lassen wir jetzt so laufen“, sagt Schütte.

Kleine Lautstärke-Kunde

Dezibel (dB) ist die Maßeinheit für Lautstärke. Menschen empfinden Geräusche zwischen einem Schallpegel von 40 Dezibel bis etwa 65 Dezibel als leise, normal und angenehm. Laut wird es ab etwa 80 Dezibel. Auch Wissenschaftler bezeichnen Geräusche ab dieser Schwelle als „laut“ oder „Lärm“.

Wie Menschen auf Lärm reagieren, ist individuell verschieden. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass ständiger Lärm Menschen krank macht. 65 Dezibel gelten als Lautstärkepegel, der Reaktionen wie Veränderungen der Pulsfrequenz oder Adrenalinausschüttungen verursachen kann.

Lärm kann sich negativ auf den gesamten Organismus und die Gesundheit auswirken. Schon ab 85 dB kann das menschliche Gehör irreparablen Schaden nehmen. Das heißt, das Hörvermögen ist fortan gemindert. Ab etwa 95 dB ist der Lärm oftmals unerträglich, jetzt kann der Krach weh tun.

Bei etwa 120 Dezibel liegt die Schmerzgrenze des menschlichen Ohrs. Röhrt die Motorsäge, wummert der Presslufthammer oder tost das Flugzeug über die Landebahn, dann halten sich viele Menschen reflexartig die Ohren zu. Ab 150 Dezibel Lärmeinwirkung kann das Gehör unwiderruflich Schaden nehmen. Ein Schmiedehammer oder ein Geschützknall haben diese Lautstärke. Bei einem Gutachten in Bayern wurden in einem mit Ellierode zu vergleichenden Fall beim Glockenschlag einer Kirche 86 Dezibel in der Spitze gemessen. Quelle: www.hoerex.de

Von Ulrich Meinhard

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