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Hardegsen Renate de Buhr ist seit 45 Jahren Küsterin in Ellierode
Die Region Northeim Hardegsen Renate de Buhr ist seit 45 Jahren Küsterin in Ellierode
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18:00 21.12.2018
Hat ein Händchen für den Blumenschmuck der Kirche: Renate de Buhr. Quelle: Markus_Hartwig
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Hardegsen

Im Sommer erhielt sie für ihr ehrenamtliches Engagement die Ehrennadel in Silber das Landkreises Northeim.

Als zweijährige kam de Buhr 1946 mit ihren Eltern aus Schlesien nach Ellierode bei Hardegsen. „Meine Mutter übernahm damals ziemlich bald das Küsteramt“, erzählt de Buhr. Und die Mutter nahm sie immer mit in die Kirche. Beschwerlich sei die Arbeit damals oft gewesen. So musste etwa das benötigte Wasser im Eimer in die Kirche getragen werden. Aber als ihre Mutter starb, war es für de Buhr selbstverständlich, dass sie die Küsterin in der Ellieröder Kirche wurde. So einen Wechsel wird es wohl aber nicht noch einmal geben. „Meine Kinder werden das Amt aber wohl nicht mehr übernehmen“, sagt de Buhr.

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Gemeindemitglieder im Lebenslauf begleitet

Aber vom Aufhören soll ja eh noch keine Rede sein. Es falle ihr zwar inzwischen manchmal schwer, ihre Arbeiten zu erledigen, sagt die 74jährige. Aber die Kirche und der Glauben seien das Wichtigste für sie. Sie geben ihr die Kraft vieles zu überstehen. Und deshalb wolle sie „weitermachen, so lange es noch geht“. Und nach über 40 Jahren „kann man auch nicht so schnell loslassen“, ergänzt sie.

In den ersten Jahren ihrer Tätigkeit war de Buhr auch im Kirchenvorstand der Johannis-Kirche. Später durften Küster nicht mehr im Kirchenvorstand sein, da habe sie das Amt schweren Herzens aufgegeben. Viele nette Pfarrer habe sie in den Jahrzehnten in der Kirche erlebt, so de Buhr. Und Gemeindemitglieder von der Taufe über die Konfirmation bis zur Hochzeit und weiter im Lebenslauf begleitet.

Schönst-geschmückte Kirche im Landkreis

Ellierode habe die am schönsten geschmückte Kirche im Landkreis, hat der Northeimer Superintendent Heinz Behrends einmal gesagt. Und das ist de Buhrs Werk. „Ich mache das wirklich gerne“, erzählt sie. Alle Gemeindemitglieder vertrauten ihr da. „Efeu für die Fenster, Blumen an den Bänken?“ Wenn sie ein junges Brautpaar frage, wie sie die Kirche schmücken solle, antworten sie meist „Du machst das schon. Such du mal aus, bei dir sieht das besser aus.“ Viele Gärten im Ort stehen ihr offen. „Kannst dir was holen“ sagen die Ellieröder zu ihr und sie holt sich dort Blumen für den Kirchenschmuck.

Engagiert ist die Küsterin aber auch in der Seniorenbetreuung, gestaltet regelmäßig Nachmittage im Seniorentreff. Und zu ihren vielen Aufgaben gehört auch die Pflege des Friedhofs.

Taizé-Treffen bei Kerzenschein

Besonders am Herzen liegt ihr auch die Mitarbeit im Team Taizé. Diese Gebetszeit im Kerzenschein ist geprägt von Gesängen aus Taizé, einem kurzen Text aus der Heiligen Schrift, einfachen Fürbitten und einer Zeit der Stille. Hier könne mitmachen, wer wolle, etwas vorlesen oder Gebete sprechen. Diese ruhigen Treffen bei Kerzenschein werden sehr gut angenommen, so de Buhr.

Ereignisse, von denen sie immer noch zehrt, sind zum einen der Besuch des Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, Ralf Meister, in Ellierode. Damals kamen auch alle ehemaligen Ellieröder Pastoren noch einmal zusammen. „Als schönsten Tag in der Gemeinde“, bezeichnet sie das Treffen. Zum anderen habe sie ihre eigene Goldene Hochzeit in der Kirche in Ellierode sehr geprägt. Leider ist ihr Mann in diesem Sommer gestorben. Jetzt zu Weihnachten werden noch einmal viele Sachen, die ihr Mann für die Kirche gebastelt hat, den Raum schmücken.

Viele Veränderungen

Viele schöne Erinnerungen habe sie, erzählt die Küsterin, die im Sommer für ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Johanniskirche mit der Silbernen Ehrennadel des Landkreises Northeim ausgezeichnet wurde. Und auch wenn es ihr manchmal schwer falle, die vielen Veränderungen auch im Gemeindeleben zu akzeptieren, ans Aufhören denkt sie nur ganz selten mal.

Von Christiane Böhm