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Northeim Hebammen können künftig in Göttingen studieren
Die Region Northeim Hebammen können künftig in Göttingen studieren
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16:43 28.08.2019
Für Schwangere und junge Mütter wird es immer schwerer, eine Hebamme zu finden. Quelle: Foto: dpa
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Göttingen

In Niedersachsen wird die Ausbildung von Hebammen vollständig akademisiert. Göttingen gehört zu den vier Hochschulstandorten, an denen künftig ein Bachelorstudium möglich ist. Das hat der niedersächsische Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler (CDU) am Mittwoch mitgeteilt. „Wir werden alles daran setzen, schon zum Wintersemester 2020/21 ein Studium des Hebammenwesens nach den neuen gesetzlichen Vorgaben anzubieten und die Standorte schrittweise aufzubauen“, sagt Thümler.

Studium mit Praxiszeiten

In Göttingen soll der sieben Semester umfassende Bachelorstudiengang mit mindestens 25 Studienplätzen in Kooperation der Universitätsmedizin (UMG) und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kultur (HAWK) am Gesundheitscampus starten. Das wissenschaftliche Studium soll mit begleiteten Praxiszeiten in Krankenhäusern oder bei freiberuflichen Hebammen verbunden werden. Damit werde die Hebammenausbildung an der Bildungsakademie der UMG zu einem qualifizierten akademischen Studiengang weiterentwickelt, sagt UMG-Vorstandssprecher Prof. Wolfgang Brück. Das neue Qualifikationsprofil stelle eine hochwertige Versorgung in den Kreißsälen sicher. „Die Studierenden werden zu Hebammen und Geburtshelfern/Entbindungspflegern ausgebildet und erlangen den Bachelor of Science“, ergänzt Prof. Thomas Nern, HAWK-Vizepräsident für Studium und Lehre.

Der neue Studiengang am Gesundheitscampus soll von Beginn an eine interprofessionelle Ausbildung durch gemeinsames Lernen mit anderen Gesundheitsfachberufen bieten. Am 2016 durchgestarteten Gesundheitscampus werden bislang die Bachelor-Studiengänge Pflege, Therapiewissenschaften, Mediziningenieurwesen und Soziale Arbeit im Gesundheitswesen angeboten. Für den Hebammen-Studiengang soll in Niedersachsen eine Kapazität von 185 Anfängerplätzen entstehen, verteilt auf die Standorte Göttingen, Hannover, Oldenburg und Osnabrück. Dort gibt es bereits 45 Anfängerplätze im Studiengang Midwifery.

Übergangsregelung geplant

Bisher fand die dreijährige Ausbildung an Fachschulen statt. Dort können Interessierte nach den geplanten Übergangsregeln noch bis Ende 2021 eine Ausbildung beginnen. Derzeit beginnen nach Angaben des Ministeriums etwa 100 bis 120 Hebammenschülerinnen und Entbindungspfleger ihre Ausbildung in Niedersachsen.

Die Akademisierung begründet Thümler mit erheblichem Fachkräftedarf, gestiegenen Anforderungen an die Geburtshilfe und eine mit Ausscheiden der Babyboomer-Generation weiter ansteigende Nachfrage nach Hebammen. Die SPD-Landtagsfraktion begrüßt die Umsetzung nach jahrelangen Debatten. In vielen europäischen Ländern sei das längst selbstverständlich, sagt deren sozialpolitische Sprecherin Dr. Thela Wernstedt: „Mittelfristig halten wir es für unabdingbar, dass entsprechende Ausbildungskapazitäten auch im Braunschweiger Raum geschaffen werden, um eine flächendeckende Hebammenausbildung zu ermöglichen.“ Thümler merkt an, dass die Akademisierung kein Allheilmittel sei: „Wir müssen uns ebenso um gute Arbeitsbedingungen kümmern.“

Fordernder Beruf. Die Anforderungen steigen, immer mehr Hebammen steigen aus. Quelle: dpa

Landkreis Northeim schafft Anreize für Hebammen

Haftpflichtversicherung, hoher Dokumentationsaufwand, Leistungskürzungen der Krankenkassen, belastende Berufsumstände, auch finanziell fordernde Fortbildungen. Immer mehr Hebammen nabeln sich von ihrem Beruf ab. Die Situation der Hebammen wird von Northeims Landrätin Astrid Klinkert-Kittel als besorgniserregend eingestuft. Zur Verbesserung der Hebammenversorgung in der Region hat der Kreistag ein Maßnahmenpaket verabschiedet, um die noch vorhandenen Hebammen zu unterstützen und neue Fachkräfte hinzuzugewinnen.

Für Zuschüsse und digitale Unterstützung sollen jährlich 38 000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Dem einstimmig verabschiedeten Antrag der SPD-Fraktion und der Gruppe FDP/GfE (Gemeinsam für Einbeck) waren fünf Module mit Verbesserungsvorschlägen vorangegangen, die Klinkert-Kittel in Abstimmung mit der Kreisvorsitzenden des Deutschen Hebammenverbands Ingrid Lohmann erarbeitet hat.

Rückgang von 39 auf 27 Hebammen

„Ohne eine wirksame Gegensteuerung werden wir bei gleich bleibend hohen Geburtenzahlen mittelfristig die flächendeckende Betreuung der Wöchnerinnen durch Hebammen nicht mehr gewährleisten können“, befürchtet Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. „Bereits heute gibt es Regionen im Landkreis Northeim, in denen die Begleitung durch eine Hebamme Glückssache ist.“ Sie selbst können sich noch gut an die Geburt ihres ersten Kindes erinnern und wie froh sie gewesen sei, eine Hebamme bei sich zu Hause zu haben. Vor zehn Jahren seien noch 39 gemeldete Hebammen respektive Entwicklungshelfer im Landkreis Northeim tätig gewesen, heute seien es nur noch 27.

Bis zu 3000 Euro für neue Fachkräfte

Wenn sich eine neue Fachkraft im Landkreis niederlässt, soll sie einen Zuschuss von bis zu 3000 Euro bekommen. Über die mit Kostenträgern abgerechneten Leistungen hinaus sollen Hebammen 20 Euro für jede Mutter mit Erstwohnsitz im Landkreis erhalten, die sie mit mindestens drei Hausbesuchen am Wochenbett betreuen. Die jährlichen Pflichtfortbildungen für Hebammen sollen künftig mit bis zu 3oo Euro mitfinanziert werden. Zudem sollen erfahrenen Hebammen Zuschüsse gewährt werden, wenn sie in einem Mentoring-Programm Berufsanfängerinnen oder Wiedereinsteigerinnen begleiten.

Kommunikation soll verbessert werden

Auch auf digitale Unterstützung setzt der Landkreis. Apps sollen Informationen für Schwangere bereitstellen, die Kommunikation zwischen ihnen und den Hebammen verbessert werden. Über eine Hebammenzentrale sollen Nachfrage und Angebot besser koordiniert und zentral gesteuert werden. „Ich bin mir sicher, dass wir mit dem Maßnahmenpaket dazu beitragen können, die Versorgungssituation zu optimieren und die Hebammen zu entlasten“, sagt Astrid Klinkert-Kittel. Zugleich appelliert die Landrätin an alle Akteure auf Landes- und Bundesebene, sich mehr als in der Vergangenheit für eine Verbesserung der Hebammenversorgung einzusetzen.

Von Kuno Mahnkopf

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