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Northeim Rekordjahr trotz extremer Trockenheit
Die Region Northeim Rekordjahr trotz extremer Trockenheit
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17:00 18.10.2018
Flugversuche: Drei Jungstörche haben in diesem Jahr in Lütgenhausen das Licht der Welt erblickt. Quelle: r
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Eichsfeld/Northeim

Gute Nachrichten für Storchenfans: Der Rekordsommer mit extremer Trockenheit und Hitze hat der Weißstorch-Population keinen Abbruch getan. Im Gegenteil. Der Naturschutzbund (Nabu) spricht von einem Rekordjahr für die Störche in Niedersachsen. Der positive Trend gilt auch für das Eichsfeld, der Storchen-Enklave im Landkreis Göttingen, und für den Landkreis Northeim.

Nach Nabu-Angaben haben in Niedersachsen und Bremen so viele Störche wie seit 60 Jahren nicht mehr gebrütet. 1007 frei lebende Weißstorchpaare hätten 1765 Jungtiere großgezogen. Bremen spielt dabei nur eine Randrolle: Dort brüteten elf Paare. Das gute Ergebnis des Vorjahres sei noch einmal übertroffen worden, sagt Hans-Jürgen Behrmann von der Nabu-Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz. Von einem überdurchschnittlichen Ergebnis hat auch Georg Fiedler beim Storchenfest in Obernfeld berichtet. Fiedler, der als Storchenbeauftragter des ehemaligen Regierungsbezirks Braunschweig unterwegs und zurzeit wegen einer Erkrankung nicht erreichbar ist, hat in diesem Jahr 132 Jungstörche beringt, davon 23 im Landkreis Göttingen. Dort konzentriert sich das Storchen-Vorkommen bislang auf das östliche Kreisgebiet, insbesondere das Eichsfeld.

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Vier Störche hat Fiedler in Westerode beringt, jeweils drei in Seulingen, Lütgenhausen, Obernfeld, Pöhlde und Hattorf, je zwei auf der Scheune von Ludwig Pape in Seeburg und in Wollershausen. Die tatsächlichen Bruterfolge waren noch höher. Vier Jungstörche in Gieboldehausen und einer in Bernshausen blieben unberingt, keine Rückmeldungen habe es aus Bodensee, Wollbrandshausen und von einer weiteren Nisthilfe in Seeburg gegeben. Die Nester auf den Schornsteinen der ehemaligen Molkereien in Westerode und Gieboldehausen sind seit Jahren Anflugpunkte, ansonsten Nester auf Scheunen und Nisthilfen.

Ebenfalls eine positive Bilanz zieht Bernd-Jürgen Schulz, der Storchenbeauftragter im Landkreis Northeim ist. Der „Storchenvater“ hat 13 Brutpaare (fünf davon im Leinepolder) registriert und 26 Jungstörche beringt, darunter zwei in Lindau. Die letzten Störche seien im September zu ihren Winterquartieren gestartet. Zwei „Winterstorch-Paare“ würden allerdings schon seit Jahren ganzjährig bleiben – in Hollenstedt und Immensen. Schulz hatte wegen des heißen und trockenen Sommers nicht damit gerechnet, dass die Bruterfolge der Vorjahre überboten würden. Durch die niedrigen Wasserstände in Flüssen und Gräben seien die Störche offenbar leichter an Fische und Mäuse herangekommen. „Störche brüten auch in trockenen Bereichen“, sagt Schulz. Eine tragende Rolle beim Anwachsen der Storchenpopulation spiele das veränderte Zugverhalten der sogenannten Westzieher. Statt in Nordafrika würden viele von ihnen inzwischen in Portugal und Spanien überwintern, sich dort auch am Nahrungsangebot auf Deponien bedienen. Behrmann bestätigt das. In Südeuropa würden die Westzieher genügend Nahrung finden, vor dort aus früher, in größerer Anzahl und zumeist in guter Verfassung zurückkehren. Damit sich die positive Entwicklung fortsetze, müsse weiter ausreichend Feuchtgrünland mit entsprechenden Biotopen erhalten und neu geschaffen werden. Niedersachsen, Brandenburg und Baden-Württemberg seien die Bundesländer mit den meisten Storchenpaaren.

Überrascht von den Bruterfolgen in diesem Jahr hat sich auch der Göttinger Ornithologe Hans-Heinrich Dörrie gezeigt. Offenbar habe es trotz extremer Dürre und damit ausgedünntem Nahrungsangebot eine gute Storchensaison in Südniedersachsen gegeben. Dazu beigetragen habe auch, dass es keine Verluste durch Nässe und Kälte gegeben habe. „Das sah anfangs noch nicht so gut aus“, berichtet Dörrie. In Wolbrechtshausen sei ein zu schwaches Küken von einem Elterntier aus dem Nest geworfen, in Gieboldehausen ein schwächelndes Jungtier gefressen worden.

Das Vorkommen des Weißstorches konzentriere sich im Landkreis Göttingen auf das Eichsfeld im Bereich von Seeburger See und Rhumeaue, bestätigt Dörrie: „Westlich der Leine gibt es bislang keine Störche - trotz Nisthilfen unter anderem bei Friedland und Groß Schneen.“

Von Kuno Mahnkopf

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