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Northeim Mehr Unfalltote im Landkreis Northeim – Polizei zieht Bilanz für 2019
Die Region Northeim Mehr Unfalltote im Landkreis Northeim – Polizei zieht Bilanz für 2019
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13:00 31.03.2020
Die Polizei Northeim zählt in der Unfallstatistik für 2019 mehr Verkehrsunfälle. Quelle: dpa
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Northeim

Mehr Verkehrsunfälle, mehr Tote – die Polizeistatistik 2019 für den Landkreis Northeim lässt einen negativen Trend erkennen. Die Polizei Northeim erfasste vor allem mehr Fahrten unter Alkohol- und Drogeneinfluss sowie mit Ablenkung durch Smartphones. 2020 wolle man deshalb die Bekämpfung dieser Hauptunfallursachen intensivieren, kündigte Polizeioberrat Niklas Fuchs an. „Wir wollen mit unseren Überwachungsmaßnahmen Menschenleben retten“, betonte Fuchs.

2330 Verkehrsunfälle zählte die Polizei im Landkreis 2019, ein Plus von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zu den häufigsten Unfallursachen zählen in der Polizeistatistik zu geringer Abstand (732 Unfälle), Vorfahrts- und Geschwindigkeitsverstöße (193 und 188).

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Weniger Schwerverletzte, mehr Tote

Zwar sank 2019 im Landkreis Northeim die Zahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten leicht von 442 auf 433, und erstmals seit Jahren wurden mit 99 wieder weniger Menschen im Verkehr schwer verletzt als im Vorjahr. Aber: Die Zahl der Verkehrstoten verdoppelte sich annähernd von sechs auf elf. Sechs von ihnen waren Motorradfahrer, vier saßen in Autos oder Kleintransportern. Ein Fußgänger kam bei einem Verkehrsunfall zu Tode.

Northeim folgt Niedersachsen-Trend

Mit steigenden Unfall- und Verkehrstoten-Zahlen folgt der Landkreis Northeim den negativen Entwicklungen für ganz Niedersachsen. Im Gegensatz zur bundesweiten Statistik verschlechterten sich die Zahlen für Niedersachsen laut Statistischem Bundesamt (Destatis) 2019 teils deutlich. Im Bundesland kamen demnach 2019 432 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben – 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit bestätigt Niedersachsen nach Destatis-Angaben das Muster, dass das statistische Risiko, im Straßenverkehr zu sterben, in ländlichen Regionen höher ist als in Städten. Landstraßen gelten demnach als gefährlichste Straßen-Kategorie.

Niedersachsen und der Landkreis Northeim folgen damit nicht dem bundesweiten Trend: Für ganz Deutschland sank die Zahl der Verkehrstoten 2019 auf den tiefsten Stand seit Beginn der statistischen Erfassung vor mehr als 60 Jahren. Insgesamt kamen 3059 Menschen im Straßenverkehr ums Leben – 6,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

1844 Verkehrsunfälle ereigneten sich 2019 im Landkreis Northeim innerorts, 1373 ereigneten sich außerorts. Dennoch ordnet die Polizei die Außerortsstrecken als Unfallschwerpunkt ein – denn auf Kreis-, Landes- und Bundesstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften starben sechs der elf Verkehrstoten 2019. Das führt die Polizei auch auf das erhöhte Verkehrsaufkommen durch die Bauarbeiten auf der Autobahn 7 zurück.

Schwerpunkte bei jungen Fahrern und Rauschmitteln

Einen zunehmenden Anteil der Unfälle verursachten besonders junge Fahrer: 647 Unfälle wurden 2019 von 18- bis 24-Jährigen verursacht – 2018 waren es noch 593. Senioren über 65 Jahren waren an 710 Unfällen beteiligt.

„Die Gruppe der jungen Fahrer ist nach wie vor überproportional stark am Verkehrsunfallgeschehen beteiligt“, sagte Fuchs. Die Polizei Northeim werde sich deshalb bei Prävention und Kontrollen zukünftig noch stärker auf diese Gruppe konzentrieren.

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Einen starken Anstieg verzeichnete die Polizeistatistik auch im Bereich der Fahrten unter Alkohol- und Drogenverstöße am Steuer: Die Anzahl der erfassten Alkoholfahrten stieg demnach von 113 auf 132 im Vergleich zum Vorjahr, die Zahl der Drogenverstöße von 104 auf 136. Die steigenden Zahlen erklärte Fuchs vor allem mit verbesserten Kontrollen: Die Polizisten würden durch gezielte Ausbildung Alkohol- und Drogenkonsum schneller erkennen.

Handys am Steuer als Herausforderung

Den stärksten Anstieg an Verstößen verzeichnete die Polizei Northeim bei Ablenkungen durch Smartphones am Steuer. Die Zahl der erfassten Verstöße stieg 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 36 Prozent – von 784 auf 1065 Fahrer, die am Steuer mit dem Smartphone hantierten.

Dabei wurden die Sanktionen für diese Verstöße deutlich verschärft: Wer mit Handy am Lenkrad erwischt wird, muss 100 Euro Strafe zahlen und bekommt einen Punkt in Flensburg. Um den Trend zu stoppen, werde die Polizei Northeim auch hier die Überwachungsmaßnahmen intensivieren, kündigte Fuchs an.

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Bei jedem fünften Verkehrsunfall im Landkreis flüchtete 2019 ein Unfallbeteiligter – der Statistik zufolge zumeist der Verursacher. Mit 662 Unfallfluchten blieb die Zahl auf hohem Niveau stabil. Gut jeden vierten Fall konnte die Polizei aufklären. „Unfallflucht ist keine Bagatelle, sondern eine Straftat“, so Fuchs. Die Strafe für dieses Vergehen könne sich auf bis zu drei Jahre Haft belaufen. Besonders in diesem Bereich sei die Polizei auf Zeugenhinweise angewiesen.

Von Tammo Kohlwes