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Northeim Nach 15 Monaten Kirchenasyl: IS-Flüchtling darf bleiben
Die Region Northeim Nach 15 Monaten Kirchenasyl: IS-Flüchtling darf bleiben
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12:03 30.11.2018
Flüchtlinge suchen Unterschlupf in einer Kirche (Symbolbild). Quelle: Axel Heimken
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Gladebeck

Ein Kirchenasyl in der evangelischen Kirchengemeinde Gladebeck (Kreis Northeim) ist nach 15 Monaten erfolgreich beendet worden. Der 22-jährige irakische Jeside Husam Qemas habe nun Aufenthaltspapiere erhalten und könne sein Asylverfahren in Deutschland betreiben, sagte Gemeindepastor Peter Lahmann am Freitag.

Qemas floh nach Angaben der Gemeinde mit seiner Familie 2015 vor der Terrormiliz „Islamischer Staat“ zunächst in die Berge. Von dort sei er nach Europa weitergereist und in Polen das erste Mal registriert worden. Einen Asylantrag habe er jedoch erst in Deutschland gestellt. „Nach der Dublinregelung sollte er nach Polen abgeschoben werden“, sagte Lahmann.

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Kirchenasyl seit August 2015

Im August 2015 habe die Gemeinde den Flüchtling ins Kirchenasyl aufgenommen. „Nach der damaligen Praxis hätte er nach sechs Monaten Kirchenasyl seinen Asylantrag in Deutschland stellen können.“ Dies sei aber nicht akzeptiert worden, da er nach Auskunft der Behörden zwei Wochen lang nicht offiziell registriert worden sei. Deshalb sei die Frist heraufgesetzt worden.

Die Akzeptanz des Kirchenasyls im Ort war Lahmann zufolge gut. Mehrere Einwohner hätten Qemas mit Besuchen und Sprachkursen unterstützt. Er habe auch ein Arbeitsangebot eines örtlichen Gartenbaubetriebs vor Ort bekommen: „Sobald er eine Arbeitserlaubnis erhält, will er dort mit der Arbeit beginnen.“

Husam Qemas freut sich über Ausweis

Qemas sagte, er habe „in der Kirche viele Menschen kennengelernt, die mir viel geholfen haben, und ich habe viele neue Freunde in Gladebeck gefunden“. Er habe während des Kirchenasyls auch gut die deutsche Sprache gelernt. Jetzt freue er sich, einen Ausweis zu haben. Er wolle bald arbeiten, um selbst Geld zu verdienen.

Bundesweit werden nach Angaben der ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“ zurzeit 553 Kirchenasyle gewährt. Insgesamt gewähren demnach Kirchengemeinden mindestens 880 Personen Schutz, darunter befinden sich etwa 190 Kinder. Rund 500 der Kirchenasyle sind sogenannte Dublin-Fälle.

Von RND/epd