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Northeim Polizei Northeim: Falsche Beamte, weniger Einbrüche, mehr Übergriffe
Die Region Northeim Polizei Northeim: Falsche Beamte, weniger Einbrüche, mehr Übergriffe
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16:30 13.03.2020
Die Polizeiinspektion Northeim vermeldet in der Kriminalstatistik 2019 gute Aufklärungsquoten und neue Herausforderungen. Quelle: Jan Vetter
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Northeim

Weniger Einbrüche, eine höhere Aufklärungsquote – in der Jahresbilanz 2019 der Polizeiinspektion Northeim finden sich Aspekte, die Hoffnung machen. Auf der anderen Seite stehen steigende Zahlen bei der Internetkriminalität und eine Zunahme der Gewalt gegen Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute. Insgesamt verzeichne der Landkreis Northeim aber eine positive Entwicklung, sagte Polizeidirektor Michael Weiner bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. Das teilt die Polizeiinspektion mit.

Die Anzahl der registrierten Straftaten, teilt die Polizei mit, ist innerhalb der Polizeiinspektion Northeim leicht um 102 Fälle angestiegen, bleibt aber mit 6794 auf einem niedrigen Niveau. Die Aufklärungsquote liege mit 68,91 Prozent im vergangenen Jahr so hoch wie noch nie, so Kriminalhauptkommissar Jens Risting. Der Landkreis Northeim sei sehr sicher: Pro 100 000 Einwohnern wurden 2019 im Landkreis Northeim 5117 Straftaten registriert – der Durchschnitt für Niedersachsen lag mit 6346 deutlich höher.

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Falsche Polizisten und Betrug im Internet

Ein Dauerthema im vergangenen Jahr waren zwei Betrugsmaschen, von denen vor allem ältere Menschen betroffen waren: Anrufer stellten sich als Polizeibeamte oder vermisste Enkel ihrer Opfer vor, um an Geld oder Wertsachen zu gelangen. Die Polizei warnte in Northeim ebenso wie in anderen Orten in Südniedersachsen wiederholt vor den Betrugsmaschen.

Hinter diesen Taten stünden zumeist organisierte Banden, die aus dem Ausland per Telefon agieren, teilt die Polizei mit. Die Täter seien gut geschult, redegewandt und hätten eine hohe Überzeugungskraft. Damit würden sie vor allem ältere Menschen anrufen und davon überzeugen, ihr Geld oder Wertsachen vor die Tür zu legen oder sogar direkt an die falschen Polizisten oder ihre Komplizen zu übergeben.

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Zahlen könne die Polizei zu dieser Art der Kriminalität nicht nennen, sagt Pressesprecher Uwe Falkenhain. Die Betrugsmaschen „Falsche Polizisten“ und „Falscher Enkel“ würden nicht gesondert erfasst, sondern fielen mit Diebstählen und anderen Delikten in die Kategorie „Straftaten gegen ältere Menschen“. Außerdem würden viele derartige Fälle gar nicht erst angezeigt. Auch für Ermittlungserfolge könne er deshalb keine Zahlen nennen, so Falkenhein.

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Um weiteren Fällen vorzubeugen, bittet Risting die Menschen in der Region um ihre Mithilfe: „Ich appelliere an die älteren Menschen und deren Familienangehörige, sehr zurückhaltend auf Anrufe vermeintlicher Polizeibeamter zu reagieren.“ Die richtige Polizei rufe niemals an, um telefonisch die Übergabe von Geld oder Wertsachen zu verlangen. Risting empfielt, auch bei geringen Zweifeln an der Echtheit es Anrufers aufzulegen und sich an die richtige Polizei zu wenden.

Rund ein Drittel der Betrugsfälle im Jahr 2019 verübten Internetbetrüger: 355 Taten registrierte die Polizeiinspektion Northeim, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag laut Kriminalstatistik im vergangenen Jahr für Internetbetrug bei 81,25 Prozent, für alle Betrugsfälle bei 78,25 Prozent.

Weniger Einbrüche, mehr Gewalt gegen Beamte

Eine positive Entwicklung zeigt sich laut Kriminalstatistik in Northeim bei den Wohnungseinbrüchen. 82 Einbrüche wurden 2019 im Landkreis gemeldet, 33 davon aufgeklärt. Damit ging die Zahl der Einbrüche im Vergleich zu 2018 deutlich zurück und die Aufklärungsquote konnte auf 40,24 Prozent mehr als verdoppelt werden. Dazu hätten wohl auch individuelle Beratungen und Vorträge zum Thema Einbruchschutz beigetragen, heißt es in der Mitteilung der Polizeiinspektion.

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Die Anzahl der Gewaltdelikte gegen Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte im Bereich der Polizeiinspektion Northeim ist laut Kriminalstatistik im vergangenen Jahr 53 Taten angestiegen – ein Plus von rund zehn Prozent. Acht Übergriffe auf Feuerwehrleute oder Sanitäter wurden angezeigt. Zwar seien bei diesen Übergriffen keine Beamten schwerer verletzt worden, heißt es in der Mitteilung der Polizei. Weiner aber warnt: „Jeder tätliche Angriff auf unsere Kollegen ist inakzeptabel. Wir bewältigen mit den Feuerwehren und Rettungsdiensten zum Teil lebensgefährliche Einsätze.“ Für Angriffe auf die Einsatzkräfte habe er kein Verständnis.

Von Tammo Kohlwes

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