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Northeim Luft raus, Sprit rein: Historische Lastwagen rollen wieder
Die Region Northeim Luft raus, Sprit rein: Historische Lastwagen rollen wieder
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00:19 03.04.2018
Luft raus, Sprit rein pumpen: Ehrenamtliche Helfer bringen den Magirus-Deutz zum Laufen.
Luft raus, Sprit rein pumpen: Ehrenamtliche Helfer bringen den Magirus-Deutz zum Laufen. Quelle: Peter Heller
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Einbeck

Frühlingsputz im Lastwagen-Depot des PS.Speichers Einbeck: In der Halle am Standort Otto-Hahn-Park haben am Sonnabend rund 30 ehrenamtliche Mitarbeiter historische Lastwagen zum Laufen gebracht und in der Halle für die Saison klar Schiff gemacht. Die Besucher konnten Diesel schnuppern, großvolumige Motoren hören und einzigartige Nutzfahrzeuge bestaunen.

Einziger Achtachser diesseits der Alpen

Run 250 Lastwagen, Busse und andere motorisierte Arbeitstiere zählen zu den Exponaten der Außenstelle des PS-Speichers. Viele davon Einzelstücke, so wie der italienische Fiat-Lastzug, der noch in der Mitte der Halle parkt. „Das ist der einzige acht-achsige Lkw diesseits der Alpen”, erklärt PS-Speicher-Sprecher Alexander Kloss. Der Italiener will allerdings nicht so, wie die Helfer wollen. Andreas Bock liegt unter dem Truck und schraubt. Ein Ventil für den Bremsen klemmt, und in diesem Zustand kann er den Zug nicht auf den Hof fahren. Bock ist einer von insgesamt rund 70 ehrenamtlichen Helfern.

Woher weiß ein Laie, dass bei einem italienischen Lastwagen ein Ventil klemmt? „Das hatte er schon mal”, sagt Bock, während er auf dem Boden liegend mit Schraubenschlüsseln den Italiener repariert. „Ich habe das Ventil ausgebaut und gereinigt”, sagt der gelernte Elektrotechniker mit einer Vorliebe für historische Trecker. „Mal gucken, ob’s läuft”. Es läuft. Wenig später steuert er den Zug aus der Halle und auf den Hof. Auch am Magirus-Deutz, der einst für die Spedition Höhlschen im Einsatz war, wird noch geschraubt. „Die Luft muss raus, wir pumpen Sprit rein”, sagt Heinrich Schmidt.

Ruß- und Fegetag im Einbecker PS-Depot

Lastwagen um Lastwagen fährt aus der Halle. Um die historischen Trucks um die Säulen herum und durch das Tor ins Freie zu rangieren, brauchen die Helfer ein gutes Auge. Oft sind es nur Millimeter, die Kotflügel von Mauer trennt. Ganz leicht zu fahren sind die manchmal mit recht archaischer Technik ausgestatteten Oldtimer nicht. „Kraftfahrer, das kommt auch von Kraft”, sagt Kloss. Von wegen Fahrer, für seltene Lastwagen begeistern sich bei weitem nicht nur Männer: Eine der Helferinnen in Sabine Schilling. Sie hat schon eine ganze Reihe der Laster selbst gesteuert. „Wir haben viele Frauen und Mädchen unter den Helfern”, bestätigt Kloss.

Leere Schnapsflaschen im NDR-Mobil

Das PS-Depot ist über den Winter erneut kräftig gewachsen. Neu sind beispielsweise zwei voll ausgestattet Übertragungswagen des NDR, einer von 1962, einer von 1975. Die komplette TV-Technik aus der analogen Zeit ist noch an Bord. „Wir haben auch etlich leere Whisky- und Rumflaschen darin gefunden”, sagt Schilling. Den dreckigen Kittel und die mit einem Sender-Logo bestickten dreckigen Geschirrtücher habe sie gewaschen, der Rest der Ausstattung blieb unverändert.

Alte Feuerwehrwagen, Hochglanz-Trucks, kleine Kuriositäten wie ein elektrisch betriebener Kleinlaster von 1923. „Der wird in der nächsten Sonderausstellung zu sehen sein”, verrät Kloss. Das Depot steht voller rollender Schätze. „Wir haben alle Erhaltungszustände hier”, sagt Kloss. Neu ist auch ein Treppen-Fahrzeug der holländischen Airline KLM, das einst den Ausstieg aus dem Flieger diente. Manchmal steht auch in kleiner Unimog auf der Ladefläche eines großen Unimogs. Kein Einzelfall: Die wachsende Zahl der Exponate macht erfinderisch und so werden manche kleineren Wagen quasi in zweiter Ebene auf dem Anhänger größerer gezeigt.

Nachdem jetzt gefegt, gefettet, repariert und gereinigt wurde, ist das Depot des PS-Speichers ab sofort wieder jeden Sonnabend geöffnet. Oldtimer- und Technikinteressierte können von 10 bis 18 Uhr bis Ende Oktober Europas größte Sammlung historischer Nutzfahrzeuge besichtigen. Über 250 Last- und Lieferwagen, Baumaschinen, Militärfahrzeuge, Busse und Feuerwehrautos sind auf rund 7000 Quadratmetern zu sehen. Die neue Sonderausstellung “Unter Strom” zur Geschichte elektrischer Fahrzeuge beginnt am 15. April.

Von Britta Bielefeld

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