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Northeim Stefan Weiller mit „Letzte Lieder“ zu Gast
Die Region Northeim Stefan Weiller mit „Letzte Lieder“ zu Gast
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15:36 18.10.2018
Freuen sich auf die Veranstaltung: Jan von Lingen, Dr. Christian Steigertahl, Siegfried Schmidt, Volker Behling und Harald März (v.li.). Quelle: Garben
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Northeim

Unsere Gesellschaft klammert den Tod zunehmend aus, findet Superintendent Jan von Lingen vom Kirchenkreis Leine-Solling. Um das zu ändern und in der Öffentlichkeit ein anderes Bewusstsein für das Lebensende zu schaffen, haben der Förderverein Stadthalle Northeim, die Hospiz-Stiftung Region Einbeck-Northeim-Uslar und der Kirchenkreis Leine-Solling gemeinsam mit Palliativmedizinern eine Veranstaltung organisiert: Am Totensonntag, 25. November, um 17 Uhr wird der Autor und Journalist Stefan Weiller in der Northeimer Stadthalle im Rahmen seines Kunst- und Kulturprojektes „Letzte Lieder“ Geschichten von sterbenden Menschen erzählen, die er seit 2010 im Hospiz besucht. Zudem soll an diesem Abend dem im vergangenen Jahr gestorbenen Northeimer Musikpädagogen Ditmar Goll gedacht werden. Darüber informierten die Organisatoren bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Er habe Weiller 2017 in einer Fernsehsendung gesehen, wo dieser auf beeindruckende Weise davon erzählt habe, „dass Lieder ganz wichtig sind für sterbende Leute, die noch mal reflektieren: Was waren die Stationen meines Lebens?“, erzählt Harald März vom Förderverein über den Hintergrund der Veranstaltung. Die Organisatoren wollten den Totensonntag als Chance begreifen, um den Menschen etwas anzubieten und ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Denn beim Thema „Sterben halten sich viele Leute sehr bedeckt“, sagt Siegfried Schmidt, Vorsitzender der Hospiz-Stiftung. Dabei zeigten die Besuche der ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hospizdienstes immer wieder, dass ein Abschied nicht ausschließlich mit Traurigkeit verbunden sei. Und so werde Weiller nicht nur das Sterben, sondern auch „Liebe, Hoffnung, und Lebensqualität“ thematisieren, kündigen die Veranstalter an.

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Von Lingen erhofft sich, dass die Menschen zu einer „neuen Kunst des Sterbens“ finden. Früher habe man den Abschied vom Leben noch anders begangen, die Toten beispielsweise aufgebahrt. Heute werde der Tod zunehmend verdrängt, weil die „Starken zählen“ und die Menschen das Leben überhöhten. Es ginge auch darum, „mutig darauf zuzugehen, da hilft diese Veranstaltung“, ist er überzeugt.

„Hospiz war ein Fremdwort“

Der Abend soll mit einer Hommage an Goll beginnen. Ein Quartett des von ihm neu gegründeten Northeimer Sinfonieorchesters ist zu Gast und es wird einen kurzen Film über den Musikpädagogen geben. Danach übernimmt Weiller mit seinem „Multivisionsvortrag“. Im Anschluss moderiert er eine Gesprächs- und Diskussionsrunde. Die Gäste haben zudem die Gelegenheit, mehr über die Arbeit der Palliativmediziner und des ambulanten Hospizdienstes zu erfahren. Deren Aufgaben und Ziele stellten Schmidt und Dr. Christian Steigertahl, Vorsitzender des Ärztevereins Northeim, bei der Pressekonferenz ebenfalls vor.

Als der Hospizdienst vor 16 Jahren seinen Dienst aufnahm, „war das Wort Hospiz ein Fremdwort“, erzählt Schmidt. Am Anfang sei es schwer gewesen, Menschen dazu zu bewegen, sich zu melden, wenn sie Hilfe brauchen. Mittlerweile werde das kostenlose Angebot aber gut angenommen.

Bei der medizinischen Begleitung von Sterbenden sind häufig Palliativmediziner gefordert. Im Landkreis Northeim kümmern sich derzeit zehn Ärzte mit einer entsprechenden Weiterbildung, der „spezialisierten ambulanten palliativen Versorgung“ (SAPV), um diese Patienten, berichtet Steigertahl. Ziel sei es, sterbenskranken Menschen mit schwerwiegenden Symptomen die Möglichkeit zu geben, würdevoll, schmerz- und angstfrei zu Hause zu sterben. Partner seien alle stationären Pflegeeinrichtungen und einige Fachpflegedienste im Landkreis Northeim.

Von Nora Garben

18.10.2018
18.10.2018