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Northeim Turbulentes Theater in Lindau
Die Region Northeim Turbulentes Theater in Lindau
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09:31 12.11.2018
Die Theatergruppe der Kolpingfamilie Lindau zeit 2018 "Nix Amore am Lago Maggiore". Quelle: Nadine Eckermann
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Lindau

Wenn Bärbel (Monika Binder) das vorher gewusst hätte. Freundin Hilde (Gisela Jahns) hat ihren Traum von der Weltreise aufgegeben zugunsten eines besserwisserischen Langweilers. „Du willst Kamele sehen? Hier: eine Schachtel Zigaretten“. So ist „mein Karl“ drauf, den Hilde unermüdlich erwähnt und für den sie offenbar jeden Sinn für Genuss abgelegt hat. Könnte ja auch Geld kosten.

Bärbel auf Männerfang

Bärbel hingegen mag es scharf. Und damit sind nicht allein die Penne arrabiata gemeint. Hat sie es zunächst auf den Sohn der Hotelbetreiberin Teresa (Jessica Schmecht) abgesehen, Angelo (Lukas Scholtyssek), versucht sie es im Verlauf des Urlaubs bei jedem Mann, der ihr vor die Augen tritt - zur Not bestellt sie den Flirt sogar im Internet. Eine Ausnahme macht sie allerdings. Macho und Ganove Ritchie geht gar nicht. Er landet mit seiner barbiehübschen Freundin Chantal (Jessica Bierbaum) in dem Hotel, weil ihm im Zug sein Koffer verloren gegangen ist. Hilde hatte ihn versehentlich gegriffen – samt pikantem Inhalt: Außer Reizwäsche enthält das Gepäckstück auch Drogen und Geld.

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Mehr Bilder von der Premiere sehen Sie hier:

Das ist es, was die Aufführung der Theatergruppe so sympathisch macht: Die Darsteller spielen komplett ohne Scheu. Das bestätigen auch diese Eindrücke von der Premiere der Theatergruppe der Kolpingfamilie in Lindau.

Parallel zu den ungleichen Schulfreundinnen und dem Macho mit dem blöden Blondchen reist Familie Möller an. Sie: irgendwas zwischen Furie und Feldwebel. Andrea Hellmann spielt sie herrlich laut und cholerisch. Er: Naja. Die Zeit als erfolgreicher Karatekämpfer ist schon länger vorbei. Der Hans-Jochen, den Martin Linnekuhl spielt, ist zwar körperlich groß, aber kriecht eigentlich pausenlos vor seiner dominanten Renate. Dem mitgereisten Vater gefällt das gar nicht. Jörg Kroiß stellt ihn als nettes Nordlicht mit Hang zum kühlen Blonden dar.

Diese Menschen treffen also aufeinander und wirbeln den Betrieb im Hotel ordentlich durcheinander. Schließlich will ein Polizist (Godehard Brodhun) die Koffersuche – und, ginge es nach Bärbel, die Männersuche gleich mit – beenden und Ritchie in den Knast bringen. Doch, bis es dazu kommt, gibt es einige Turbulenzen.

Keine Minute langweilig

Die feiert das Publikum. Obwohl das Stück relativ lang ist, wird den Zuschauern im Lindauer Pfarrheim offensichtlich keine Minute langweilig. Die Lacher werden laut und lauter mit jedem „Mein Karl sagt“ von Hilde und jedem „Alter, ich schwöre!“ von Chantal. Die sorgt ohnehin für viel Spaß. Herrlich die Szene, als sie, die „Romeo und Julia“ für eine Shopping Mall hält, bedeutungsschwer ihren iPod zückt und verkündet: „Ich lese jetzt ein Hörbuch.“ Und dann anfängt, das „Bibi und Tina“-Lied zu singen. Ein weiterer komischer Höhepunkt ist ausgerechnet ein Texthänger bei Röhrig, als er – in der Rolle des Ritchie – Chantal erklären will, wo „Brasilianien“, der Bestimmungsort des Koffers, ist. Deren rechtes körpereigenes Weltkugelmodell bringt ihn offenbar derart aus der Fassung, das er Argentinien nach Brasilien verlegt – und sich ausschüttet vor Lachen. Das ist es, was die Aufführung der Theatergruppe so sympathisch macht: Die Darsteller spielen komplett ohne Scheu, beziehen das Publikum hier und da mit ein und haben offensichtlich ebensoviel Spaß auf der Bühne wie die Zuschauer.

Weitere Termine

„Nix Amore am Lago Maggiore“, bei dem erstmals Elke Scholtyssek Regie geführt hat, wird noch an folgenden Terminen im katholischen Pfarrheim in Lindau gespielt: Freitag und Sonnabend, 16. und 17. November, um 20 Uhr sowie Sonntag, 18. November, 16 Uhr.

Von Nadine Eckermann

11.11.2018
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