Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Northeim Zahl der schweren Unfälle im Raum Northeim steigt
Die Region Northeim Zahl der schweren Unfälle im Raum Northeim steigt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 27.03.2019
Bei 97 „Verkehrsunfällen mit schwerem Personenschaden“ sind 2018 im Landkreis Northeim sechs Menschen getötet und 103 schwer verletzt worden. Quelle: R / Lange
Northeim

Mit einem leichten Rückgang der Unfallzahlen um etwa zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr liegt die Unfallstatistik 2018 im Landkreis Northeim im Landestrend. Die bis vor wenigen Jahren noch rückläufige Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten ist allerdings erneut gestiegen, von 83 auf 97. Noch erschreckender ist die statistische Momentaufnahme der Polizeiinspektion (PI) Northeim bei den Todesopfern. Deren Zahl hat sich gegenüber 2017 auf sechs verdoppelt. Trauriger Spitzenreiter in der Statistik des vergangenen Jahrzehnts war das Jahr 2011 mit 14 Verkehrstoten.

Doppelt so viele Verkehrstote wie im Vorjahr

Bei Gillersheim kam nach Angaben von Verkehrssachbearbeiter Peter Schliep ein junger Kleinkraftradfahrer ums Leben, bei Nörten eine Motorradfahrerin, bei Hohnstedt ein Fußgänger beim nächtlichen Überqueren der Bundesstraße. Bei einem Überholmanöver in einem unübersichtlichen Bereich bei Katlenburg starb ein Autofahrer, bei Salzderhelden ein weiterer aufgrund eines Vorfahrtfehlers, im Kreisverkehr in Einbeck ein 88-Jähriger. „Alle schweren Unfälle werden intensiv analysiert“, betont PI-Leiter Hans Walter Rusteberg.

Unfallstatistik 2018: Mit einem überdimensionalen Handy warnt die Northeimer Polizei vor Ablenkungen am Steuer. Quelle: Kuno Mahnkopf

Sorgen bereitet der Polizei die „Volkskrankheit“ Handy und die Infotainment-Ablenkung am Steuer. Die Zahl der festgestellten Verstöße habe sich seit 2014 mehr als verdoppelt – von 322 auf 784 , berichtet PI-Einsatzleiter Niklas Fuchs. Den Druck, ständig erreichbar zu sein und zu kommunizieren, spiegele eine aktuelle Umfrage wieder. Danach gaben 61 Prozent der Autofahrer an, in bestimmten Situationen zum Smartphone zu greifen, insbesondere bei Stop & Go im Stau und an roten Ampeln. Mit Slogans wie „Du steckst den Finger nicht in die Steckdose – warum tippst Du am Steuer?“ versucht eine landesweite Aufklärungskampagne gegenzusteuern. Das Handy als Unfallursache sei schwer nachzuweisen, sagt Schliep: „Bei schweren Unfällen werden Smartphones sichergestellt, die Staatsanwaltschaft entscheidet über deren Auswertung.“ Unverständlich erscheint Rusteberg die wieder steigende Zahl von Gurtmuffeln. 1625 Verfahren seien 2018 eingeleitet worden, weil der „Lebensretter Nummer Eins“ ignoriert wurde. Einige Autofahrer würden sogar den Gurt-Alarm in ihrem Wagen manipulieren.

Weniger Alkohol- und Drogenfahrten

Dass es 2018 wieder mehr schwere Unfälle gab, führt Rusteberg auch auf den langen und warmen Sommer, das Aufholen von Zeit wegen vieler Baustellen und Autobahn-Umleitungen zurück. Fast alle Unfälle mit schwersten Folgen ereigneten sich außerhalb von Ortschaften. Zu geringer Abstand, zu schnelles Fahren und Vorfahrtverstöße waren Hauptunfallursachen. Bei sieben Unfällen waren Drogen im Spiel, bei 49 Alkohol. Sowohl die Zahl der bei Kontrollen ertappten Fahrer unter Alkohol- als auch unter Drogeneinfluss sei zurückgegangen.

Mehr Unfallfluchten aufgeklärt

Bei den meisten der 3104 Verkehrsunfälle sei es bei Blechschäden geblieben, berichtet der PI-Chef. Assistenzsysteme wie Kurven-ABS für Kradfahrer würden die Sicherheit erhöhen. Das Verhalten insbesondere nach Parkplatzremplern lässt weiterhin zu wünschen übrig. Die Zahl der Unfallfluchten ist auf 659 gestiegen, die Aufklärungsquote aber auch – auf 45,8 Prozent. „Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt“, warnt Verkehrssicherheitsberaterin Simone Köhler. Ab 1500 Euro Schaden drohe Führerscheinverlust.

Erfreut ist Rusteberg, dass es 2018 keinen Schulweg-Unfall und weniger verletzte Kinder als Fahrzeuginsassen gegeben habe. Bei Baum- (50) und Wildunfällen (621) bleibt die Polizei am Ball. Schliep verweist auf Schutzplanken, Tempolimits, Überholverbote und das Freischneiden von Seitenräumen: „Rehe lassen sich durch Reflektoren vergrämen, Wildschweine nicht.“

Von Kuno Mahnkopf

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei Geschwindigkeitskontrollen der Göttinger Autobahnpolizei auf der Autobahn 7 sind den Beamten am Dienstagvormittag 48 Temposünder ins Netz gegangen. Kontrolliert wurde der Verkehr im Bereich der Anschlussstelle Echte in Fahrtrichtung Kassel im dortigen Baustellenbereich.

26.03.2019

Zum Thema Straßenausbaubeiträge informiert ein hannoverscher Anwalt die Hardegser Einwohner am Mittwoch, 27. März, auf Burg Hardeg. Die Hardegser können später an einer Einwohnerbefragung teilnehmen.

26.03.2019
Northeim Zusammenstoß bei Suterode - Autofahrer beschimpfen sich nach Unfall

Zwei Autofahrer sind auf der Kreisstraße 421 in Richtung Suterode in eine Auseinandersetzung geraten. Ihre Fahrzeuge waren bei einem Überholmanöver seitlich kollidiert. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

26.03.2019