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Obereichsfeld Zeitzeugen diskutieren im Grenzlandmuseum Eichsfeld die letzte DDR-Wahl
Die Region Obereichsfeld Zeitzeugen diskutieren im Grenzlandmuseum Eichsfeld die letzte DDR-Wahl
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15:48 10.03.2020
Im Grenzlandmuseum Eichsfeld bei Teistungen diskutieren Zeitzeugen am 12. März das Ende der DDR. Quelle: Eichner-Ramm
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Teistungen

Im März 1990 war die Deutsche Einheit noch nicht vollzogen, doch die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen für die Menschen in Ost und West waren in vollem Gange. Um diese Veränderungen dreht sich am Donnerstag, 12. März, die Podiumsdiskussion „Das letzte Jahr der DDR“ im Grenzlandmuseum Eichsfeld in Teistungen, Duderstädter Straße 7-9, teilt das Museum mit.

Die Bürger der DDR wählten am 18. März zum letzten Mal ihre Volkskammer – zum ersten Mal in freier Abstimmung. Ab 18 Uhr sprechen Karl-Heinz Baum, damals DDR-Korrespondent der Frankfurter Rundschau, und Rolf Berend, der bei dieser Wahl für die CDU in die DDR-Volkskammer einzog, mit Grenzlandmuseum-Geschäftsführerin Mira Keune über die Veränderungen des Jahres 1990 und zeigen, wie unterschiedlich die Blickwinkel auf diese Zeit sein können.

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DDR-Korrespondent und Mitglied der letzten Volkskammer

Karl-Heinz Baum war von 1977 bis 1990 DDR-Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Ost-Berlin. In seinen Reportagen beschrieb er die deutsch-deutsche Politik und den Alltag in der DDR. Rolf Berend war ab März 1990 bis zum Ende der DDR im Oktober desselben Jahres Mitglied der Volkskammer. Von 1991 bis 2009 saß er für die CDU im Europäischen Parlament. Eine Woche vor dem 30. Jahrestag der letzten Volkskammerwahl diskutieren die Zeitzeugen die Umbrüche der Wiedervereinigung. Die Veranstaltung, teilt das Grenzlandmuseum mit, ist eine Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Politischen Bildungsforum Thüringen. Der Eintritt ist kostenlos.

Am 18. März durften die Bürger der DDR erstmals in freier Wahl über ihre Volksvertretung abstimmen, wie hier in Leipzig. Quelle: dpa

Die Podiumsdiskussion ist Teil des Halbjahresprogramms des Grenzlandmuseums, zu dem unter anderem eine Sonderausstellung zur „Kofferdemo“ vom 21. Januar 1990 am Grenzübergang Duderstadt-Worbis gehört. Rund 50 000 Eichsfelder versammelten sich damals mit Koffern an der innerdeutschen Grenze, um ihren Willen zur Ausreise zu zeigen – für den Fall, dass die SED an der Macht bleiben sollte. Die Ausstellung ist noch bis Mitte April zu sehen.

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Das Eichsfeld in der DDR: Anpassung, Eigensinn, Verweigerung

Ein Großteil der Veranstaltungen im ersten Halbjahr 2020 im Grenzlandmuseum Eichsfeld steht noch aus: Am Mittwoch, 18. März, ab 19 Uhr referiert der Historiker Christian Stöber über die Eichsfeldpolitik der SED. Er werde zeigen, wie das katholische Milieu des Eichsfeldes auf Repressionen mit „missmutiger Anpassung, Eigensinn und weltanschaulicher Verweigerung“ reagiert habe, kündigen die Veranstalter an.

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Eine Beratung zum Thema Akteneinsicht in die Unterlagen der Stasi bietet in Teistungen am Donnerstag, 23. April, von 14 bis 19 Uhr die Außenstelle Erfurt des Bundesbeauftragen für die Stasi-Unterlagen an. Zudem berät an diesem Tag die Stelle des Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Betroffene.

Umweltverschmutzung und Grünes Band

Die Historikerin Astrid Eckert von der Emory University Atlanta rückt am Dienstag, 19. Mai, ein aktuelles Thema in den geschichtlichen Zusammenhang der DDR und der Wiedervereinigung: Umweltverschmutzung. Eckert spricht ab 19 Uhr über die Umweltverschmutzung in Ost und West auch über Grenzen und das Jahr 1990 hinaus.

Am Sonntag, 24. Mai, laden das Grenzlandmuseum Eichsfeld und die Heinz-Sielmann-Stiftung zu einer Wanderung entlang der ehemaligen Grenze ein, die heute als Naturschutzprojekt „Grünes Band“ zu großen Teilen unter Schutz steht. Die Wanderung soll um 11 Uhr vom Gut Herbigshagen bei Duderstadt in Richtung Teistungen starten.

Gedenken ist auch für den Tag des Volksaufstandes in der DDR 1953 geplant: Am Mittwoch, 17. Juni, um 17 Uhr sollen am Mahnmal für die Opfer der deutschen Teilung Kränze niedergelegt werden. Im Anschluss spricht Geschichts- und Politikwissenschaftler Arne Hoffrichter über die Geschichte des Notaufnahmelagers Uelzen-Bohldamm.

Museum am ehemaligen Grenzübergang

Das Grenzlandmuseum Eichsfeld in Teistungen zeigt seit 25 Jahren die Geschichte der deutschen Teilung und des Kalten Kriegs. In den Ausstellungsräumen in den ehemaligen Kontrollgebäuden des Grenzübergangs Teistungen liegt der Fokus auf der Situation des gespaltenen Eichsfeldes während der deutsch-deutschen Teilung. Der Grenzlandweg, an dem bis zur Wiedervereinigung die innerdeutsche Grenze von Soldaten bewacht wurde, ist ebenfalls Teil des Museums. Hier können Besucher die Sperranlagen entdecken.

Nach eigenen Angaben spielt das Grenzlandmuseum Eichsfeld eine wichtige Rolle bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur und der historisch-politischen Bildung. Die Bildungsstätte des Grenzlandmuseums richtet sich besonders an Schulklassen und Familien. Die Themenschwerpunkte der Veranstaltungen im Grenzlandmuseum Eichsfeld umfassen die Geschichte der deutschen Teilung, Politik in Deutschland und Europa sowie Ökologie und Umwelt.

Von Tammo Kohlwes

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