Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Osterode 66-Jähriger wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt
Die Region Osterode 66-Jähriger wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:06 23.01.2019
Das Amtsgericht Osterode sprach das Urteil. Quelle: dpa
Anzeige
Osterode

Wegen mehrfachen Verstoßes gegen das Waffengesetz wurde ein 66-Jähriger vor dem Amtsgericht Osterode zu einer Strafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Im Oktober 2017 waren im Haus des Rentners in Bad Grund diverse Waffen, darunter eine halbautomatische Kurzwaffe und mehrere Maschinenpistolen, sowie 1100 Schuss Munition sichergestellt worden. Der Polizei gegenüber hatte der Mann eingeräumt, gewusst zu haben, dass der Besitz verboten ist.

Vor Gericht erklärte der Angeklagte zunächst, dass die Vorwürfe „Unsinn“ seien. Viele seiner Gewehre habe er selbst umgebaut, so dass sie nur noch mit Platzpatronen zu benutzen seien. Bei den Maschinenpistolen habe es sich bis auf eine, die „scharf“ gewesen sei, lediglich um Dekoration gehandelt. Der Staatsanwalt hielt ihm entgegen, dass die Spezialisten des Landeskriminalamtes zu einem anderen Ergebnis gekommen waren: „Jede der Waffen konnte störungsfrei verwendet werden.“ „Davon habe ich nichts gewusst“, zeigte sich der Mann erstaunt.

Anzeige

Gelernter Werkzeugmacher

Nachdem sein Vater gestorben und seine Verlobung in die Brüche gegangen war, habe er eine Beschäftigung gebraucht. So habe er mit 33 Jahren angefangen, in einer Werkstatt in seinem Haus Waffen umzubauen. „Das war mein Hobby“, sagte der gelernte Werkzeugmacher. In den letzten Jahren sei das jedoch eingeschlafen, da habe er sich unter anderem mit Computertechnik beschäftigt.

Sein Mandant habe mit seinen Waffen nicht geschossen oder sich mit anderen Waffenfreunden ausgetauscht, gab der Verteidiger zu bedenken. „Für ihn war es das Interesse an der Bastelei.“ Im Vordergrund habe der technische und handwerkliche Aspekt gestanden, wie sich Waffen verändern lassen. Auch ein Sammler sei der Mann nicht gewesen. Das zeigten die „Fantasiewaffen“, die er aus zum Teil historischen Gewehren konstruiert habe.

Fahrlässige Einstellung

Im Wohnzimmer, im Keller und im Heizungskeller habe er Waffen und Munition gelagert, berichtete der Angeklagte freimütig auf die Frage nach der Aufbewahrung. „Hatten Sie denn nicht mal Angst, dass Ihnen und Ihren Nachbarn das Ganze um die Ohren fliegen könnte?“, hakte der Vorsitzende Richter etwas fassungslos nach. Nein, dazu kenne er sich zu gut aus, und die Gastherme sei auch ganz neu gewesen, offenbarte der 66-Jährige erneut eine ebenso naive wie fahrlässige Einstellung.

Schon auf die Frage des Staatsanwalts, ob ihm denn nie in den Kopf gekommen sei, dass man mit seinem Arsenal einen halben Krieg führen könne, hatte er mit einem Schmunzeln erwidert: „Das hat mein Nachbar auch immer gesagt.“

Fähigkeiten an den Waffen beweisen

Die Verhandlung habe verdeutlicht, dass sich der Werkzeugmacher seine Fähigkeiten an den Waffen beweisen wollte, konstatierte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Dennoch handele es sich um einen Verbrechenstatbestand, der laut Gesetz mindestens ein Strafmaß von einem Jahr verlange. Für den Angeklagten sprächen sein Geständnis, und dass er nicht vorbestraft sei. Angesichts der großen Anzahl der gefundenen Waffen, ihres unzureichenden Schutzes und der unglaublichen Gefahr, wenn sie beispielsweise in die falschen Hände gefallen wären, forderte der Staatsanwalt jedoch eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten.

Da der Rentner jetzt in einem Heim lebe, gesundheitlich angeschlagen sei und keine Möglichkeit mehr habe, seinem „Hobby“ nachzugehen, sprach er sich für die Aussetzung zur Bewährung aus. Es sei einer der wenigen Fälle, in denen sich aufgrund der persönlichen Situation des Angeklagten keine sinnvollen Bewährungsauflagen finden ließen. „Aber es muss klar gemacht werden, dass es sich um ein Verbrechen handelt“, betonte der Staatsanwalt. Der Rechtsanwalt hob noch einmal hervor, dass das Motiv seines Mandanten im handwerklichen Ehrgeiz gelegen habe, er über die Schussfähigkeit einiger Waffen selbst erstaunt und sich über die Gefahren nicht bewusst gewesen sei.

Anschaffung und Bearbeitung weit in der Vergangenheit

Zudem lägen die Anschaffung und Bearbeitung schon weit in der Vergangenheit. Die Mindeststrafe von einem Jahr auf Bewährung hielt der Verteidiger deshalb für ausreichend.

Das Gericht folgte jedoch den Ausführungen des Staatsanwalts und verhängte ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung. Es handele sich um einen mehrfachen Verstoß gegen das Waffengesetz. „Der Besitz der Waffen, insbesondere der Maschinenpistolen, war hochgefährlich“, begründete der Vorsitzende Richter das Urteil und schloss sich auch der Argumentation für eine Bewährungsstrafe an. „Ich gehe davon aus, dass die Bewährungszeit ohne Vorfälle verläuft.“

Der Angeklagte nahm das Urteil an und muss auch für die Kosten des Verfahrens aufkommen.

Von Kerstin Pfeffer-Schleicher

21.01.2019
21.01.2019
20.01.2019