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Osterode Prozess um einbetonierte Leiche: Opfer saß vermutlich auf dem Sofa
Die Region Osterode Prozess um einbetonierte Leiche: Opfer saß vermutlich auf dem Sofa
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00:22 13.05.2019
Die Schläge seien so heftig gewesen, dass das Blut bis an die Decke spritzen konnte. Quelle: dpa
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Herzberg

m Prozess um eine einbetonierte Leiche in Herzberg vor dem Landgericht Göttingen haben jetzt zwei Sachverständige ihre Gutachten vorgestellt. Aus den kriminalbiologischen und rechtsmedizinischen Untersuchungen ergibt sich, dass die 74-jährige Mutter des Angeklagten durch mehrere massive Schläge gegen den Kopf zu Tode gekommen ist. Die Schläge auf den Schädel waren so heftig, dass das Blut bis an die Wohnzimmerdecke spritzte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-jährigen Angeklagten Sven H. vor, im September 2017 seine Mutter in ihrem Wohnhaus in Herzberg aus Habgier ermordet zu haben, weil sie seinen Lebensunterhalt nicht weiter habe finanzieren wollen. Um das Verbrechen zu vertuschen, habe er ihre Leiche im Wohnzimmer in einer Blumenbank einbetoniert.

Blutspritzer an der Decke

Die Polizei hatte im Zuge ihrer Ermittlungen auch eine Expertin des niedersächsischen Landeskriminalamtes hinzugezogen, um zu prüfen, ob es in dem Wohnhaus latente - also nicht unmittelbar sichtbare – Blutspuren gab. Die Biologin wurde an diversen Stellen fündig. Die meisten Bluteintragungen fanden sich am Sofa, und hier insbesondere in der linken Sofaecke. Auffällig sei gewesen, dass bei der ersten Begutachtung alle Sofakissen umgedreht gewesen seien, berichtete die Expertin. Teilweise seien die Eintragungen auch verwässert beziehungsweise in „Wischform“ gewesen. Dies könnte darauf hindeuten, dass jemand versucht hatte, die Blutspuren zu beseitigen. Zahlreiche weitere Spritzer fanden sich an der Decke über der linken Sofaecke. Auch der Wohnzimmertisch wies sowohl auf der Ober- als auch an der Unterseite diverse Bluteintragungen auf.

Die LKA-Expertin präsentierte auch eine Hypothese, wie sich nach der Spurenlage die Tat abgespielt haben könnte. Demnach saß die 74-Jährige auf dem Sofa, als sie der erste Schlag traf. Anschließend habe sie sich in einer sitzenden oder liegenden Position befunden, in der sie dann von weiteren Schlägen getroffen worden sei. Dies erkläre auch die Schleuderspuren an der Decke: „Wenn mehrfache Hiebe oder Schläge auf eine Blutverletzung ausgeführt werden, können Spritzer an die Decke gelangen.“

Etwa zehn Tage später einbetoniert

Das Gewaltverbrechen war sieben Monate lang unentdeckt geblieben. Erst im April vergangenen Jahres hatte die Polizei die einbetonierte Leiche entdeckt. Um die Leiche aus der mit Kies, Beton, Zement und Erde gefüllten Blumenbank bergen zu können, musste die Polizei unter anderem Bohrhammer und Stemmeisen einsetzen. Etwa 30 Zentimeter unter der Oberfläche seien dann als erstes kabelartige Strukturen und zerfranste Gewebefolie zum Vorschein gekommen, berichtete der Göttinger Rechtsmediziner Professor Wolfgang Grellner, der bei der Bergung zugegen gewesen war. Die Leiche sei in eine grüne Folie eingehüllt und intensiv umschnürt gewesen. Unter anderem fanden sich ein Abschleppseil, Verlängerungskabel und ein Spanngurt.

Schürhaken könnte Tatwerkzeug sein

Der Körper war von Maden besiedelt, außerdem fanden sich zahlreiche leere Madenpuppen. Dies zeige dass der Leichnam nicht sofort einbetoniert worden sei, sondern erst zehn bis 14 Tage nach dem Todeseintritt, sagte der Rechtsmediziner. Die Obduktion ergab, dass die 74-Jährige diverse Kopfverletzungen aufwies. Diese seien auf stumpfe Gewalteinwirkung im Schädelbereich zurückzuführen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 74-Jährige mit einem Schürhaken erschlagen wurde. Nach Ansicht des Rechtsmediziners lässt sich das Verletzungsbild „sehr gut“ mit einem solchen Tatwerkzeug in Einklang bringen. Neben den Schädelverletzungen stellte er auch mehrere Rippenbrüche fest. Todesursache sei indes ein schweres Schädel-Hirn-Trauma gewesen, hervorgerufen durch „mindestens zweifache Schlageinwirkung“. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

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