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Osterode Polizisten mit ätzendem Kloreiniger überschüttet
Die Region Osterode Polizisten mit ätzendem Kloreiniger überschüttet
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17:12 28.02.2017
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Barbis/Göttingen

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat die Frauen wegen gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise Körperverletzung sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt. Die 29-Jährige soll im Juni 2015 im Wohnhaus der Mutter in Barbis (Kreis Göttingen) einen Polizisten mit säurehaltigem Sanitärreiniger überschüttet haben. Der Beamte erlitt dadurch so schwere Verätzungen an den Augen, dass er stationär in die Augenklinik des Göttinger Uni-Klinikums aufgenommen werden musste. Die 68-Jährige, die schon seit Jahren kommunale Behörden mit Klagen überzieht, soll ebenfalls den Polizeibeamten attackiert haben. Der Beamte war danach zwei Wochen lang dienstunfähig.

Zu dem Polizeieinsatz war es gekommen, nachdem die 68-jährige mehrfach eine Feuerstättenschau verweigert hatte. Die Behörden wollten deshalb die Heizungsanlage stilllegen. Der Bezirksschornsteinfeger und ein Vertreter des Landkreises Osterode hatten dafür die Polizei um Amtshilfe gebeten. Als die Behördenvertreter gemeinsam mit zwei Polizisten den Flur betraten, soll die 68-Jährige laut Anklage geschrien haben: „Was wollen Sie hier?“

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Die 29-jährige Tochter habe eine Plastikflasche mit beiden Händen vor dem Körper gehalten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Als einer der Polizisten sich abwandte, um in den Heizungskeller zu gehen, habe sie den Verschluss der PET-Flasche geöffnet und die Flüssigkeit schräg von oben über dem Kopf des Beamten ausgeschüttet. In der Flasche befand sich Sanitärreiniger, dessen Inhalt der Giftklasse 4 zugeordnet werde. Als der Beamte sie zu fixieren versuchte, soll sie sich mit Bissen und Tritten dagegen gewehrt und um sich geschlagen haben, bis es schließlich gelang, ihr Handfesseln anzulegen.

Auch die 68-jährige Mutter soll ebenfalls derart vehement Widerstand geleistet haben, dass ein Polizist diverse Kratz- und Schürfwunden erlitt. Nachdem eine weitere Streifenwagenbesatzung zur Verstärkung eingetroffen war, wurde sie überwältigt.

Die 68-Jährige, die vor einigen Jahren auch für den Landtag kandidiert hatte, führt seit längerem diverse Rechtsstreitigkeiten gegen kommunale Behörden. Vor zwei Jahren klagte sie beispielsweise gegen den Landkreis Osterode, weil dieser nicht rechtswirksam gegründet worden sei und sämtliche Amtshandlungen daher unwirksam seien. Das Verwaltungsgericht Göttingen wies ihre Klage mit der Begründung ab, dass die Klägerin nicht prozessfähig sei. Inhalt und Form ihrer zahlreichen Schriftsätze deuteten darauf hin, dass die Klägerin in ihrer Wahrnehmung erheblich gestört und realitätsfern sei. Um ihre Prozessfähigkeit zu überprüfen, hatte das Gericht ein medizinisches Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben. Da die Klägerin der Ladung zu einem Untersuchungstermin nicht nachkam, konnte sich der Gutachter nur auf die Aktenlage stützen. Der psychiatrische Sachverständige kam zu dem Schluss, dass bei der 68-Jährigen möglicherweise eine paranoide Persönlichkeitsstörung sowie „ein damit verbundenes geradezu fanatisches querulatorisches Verhalten“ vorlägen.

Von Heidi Niemann