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Osterode Corona stellt Pflegeheime vor gravierende Probleme
Die Region Osterode Corona stellt Pflegeheime vor gravierende Probleme
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12:30 20.03.2020
Ein Hinweisschild am Eingang eines Altenheims weist Besucher, auf Einschränkungen bei Besuch von Bewohnern hin. Quelle: epd
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Hattorf

Die Bewohner und Mitarbeiter in den Pflegeheimen der Region, wie etwa der Seniorenresidenz Stiemerling in Hattorf, befinden sich derzeit in einer besorgniserregenden Lage, und zwar in mehrfacher Hinsicht, wie der Hattorfer Residenzleiter Meke Riesen unserer Zeitung schildert. Gleichwohl arbeiten alle Pflegenden – und das gilt zweifellos für alle Einrichtungen im Altlandkreis – nach Kräften daran, mit den alten Menschen die Krise so gut es geht durchzustehen.

Auf Erlass des Landkreises mussten die Pflegeheime Anfang der Woche für den Publikumsverkehr schließen: Keine Besuche mehr. Riesen: „Wir haben das Haus schon letzten Freitag geschlossen. Die alten Menschen sind extrem gefährdet. 80 Prozent haben ja Vorerkrankungen.“ Die Heimbewohner in Hattorf würden seiner Kenntnis nach die Schließung sogar begrüßen, viele seien sehr besorgt, wissen um die Gefahr durch das Virus. Auch die Angehörigen seien sehr verständnisvoll. „Wir versuchen angesichts der Schließung neue Kommunikationsmöglichkeiten zu schaffen, etwa über Skype.“ Für die Mitarbeiter sei ein Infektionsrisiko aber unmöglich ganz auszuschließen.

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Drei große Probleme

Das größte Problem der Pflegeeinrichtung im Moment sei, dass mit zunehmender Ausbreitung des Virus auch immer mehr Mitarbeiter zwangsläufig über Dritte Kontakt zu potenziell Infizierten haben, die aber gar nicht getestet sind. Es bestehe also eine große Unsicherheit, wie hoch das Infektionsrisiko bei den Mitarbeitern ist. Bei zwei Betroffenen habe man deshalb aktuell beschlossen, dass sie nicht zum Dienst kommen sollen. „Aber wenn die Fallzahlen weiter so rapide ansteigen und zehn oder 15 Mitarbeiter betroffen sind – die kann ich nicht mehr ersetzen“, sagt Riesen.

Das nächste große Problem in der Krise sei dasselbe wie bei Krankenhäusern und Arztpraxen: Der akute Mangel an Desinfektionsmitteln. „Wir haben schon ziemlich früh angefangen, größere Mengen zu bestellen.“ Die Lieferanten würden versuchen, die Warenmenge gerecht unter ihren Abnehmern aufzuteilen. Die Preise auf dem Markt steigen enorm. Die frühzeitige Schließung des Hauses war auch wegen des enormen Verbrauchs in den Spendern für die Besucher erforderlich geworden: „1,5 Liter am Tag – nur für die Angehörigen“, so Riesen. Mundschutz und Schutzkleidung sei gar nicht mehr verfügbar. „Wir haben aber einen begrenzten Bestand für den Notfall.“

Hinzu kommt ein drittes großes Problem, und zwar in Folge der Schließung der Tagespflegeeinrichtungen per Regierungserlass und durch die Belastung der Kliniken: Viele Krankenhäuser würden keine Patienten aus Heimen mehr aufnehmen, die müssen so lange wie möglich dort versorgt werden. Und für die Übernahme der Klienten aus den Tagespflegen fehle den Pflegeheimen die Kapazität.

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Von Martin Baumgartner

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