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Osterode Erntebilanz im Landkreis Göttingen: Weizen erreicht keine Backqualität
Die Region Osterode Erntebilanz im Landkreis Göttingen: Weizen erreicht keine Backqualität
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20:30 03.08.2019
Mähdrescher auf dem Feld der Familie Grosse bei Herzberg. Quelle: Baumgartner
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Osterode

Familie Grosse hat großes Pech bei der Getreideernte gehabt: Unlängst fing der Mähdrescher beim Einsatz auf einem Feld am Schmerberg bei Herzberg Feuer – Totalschaden. Der Fahrer hatte das Feuer rechtzeitig bemerkt und konnte sich in Sicherheit bringen, ein Übergreifen der Flammen auf das Feld verhinderte die Feuerwehr. Nun hat der Herzberger Christian Kaufmann den weiteren Ernteeinsatz für die Scharzfelder übernommen, die auf insgesamt 65 Hektar Getreide anbauen.

Nicht nur der Unfall mit der teuren Maschine ist ärgerlich, sondern auch das Ergebnis der Weizenernte ist es für Landwirt Friedrich Grosse: Zwar entspreche die reine Menge dem Üblichen, doch sei die Qualität eher gering – kleine Körner mit niedrigem Proteingehalt. „Das wird Futterweizen, kein Backweizen“, sagt er. Backweizen bringt beim Verkauf höhere Erlöse. „Wir verfüttern alles an die eigenen Tiere“, sagt Grosse. Zumindest habe das Wetter bei der Ernte gut mitgespielt, gibt er sich versöhnlich.

Die schlechte Proteinqualität des Weizens bestätigt auch Landwirt Hartmut Danne aus Ührde, Landvolkvorsitzender und ehemaliger Osteroder Kreislandwirt. „Weizen braucht Stickstoff“, erläutert Danne. Doch wegen der neuen Düngeverordnung mussten die Landwirte das Ausbringen von Gülle reduzieren. Das mache sich nun im Korn bemerkbar, es sei kaum backfähiger Weizen dabei. Und um die Ernte ausschließlich als Futterweizen zu verwenden, dafür sei die angebotene Menge zu groß.

„So trocken wie nie“

Zumindest halten sich die Trockenschäden im Gegensatz zum Hitzejahr 2018 diesmal in Grenzen, auf den besseren Böden im Altkreis sei die Ernte durchschnittlich, so Danne. Das gilt so auch für den südlichen Landkreis Göttingen, wie Kreislandwirt Hubert Kellner aus Desingerode bei Duderstadt mitteilt. Doch auch er berichtet von der schlechten Qualität des Weizens: „Wo er reif ist, ist er so trocken wie nie.“ Wegen der Hitze der vergangenen Woche sei das Korn sehr schnell abgereift. „Es gibt viel Kümmerkorn“, sagt Kellner: Die Weizenkörner sind sehr klein geblieben, die Körner leichter, deshalb sei der Ertrag gering.

Für Mais und Zuckerrüben ist nach Angaben von Kellner die Lage gut, der Raps sei in der Entwicklung etwas verzögert, die Pflanzen seien wegen der Trockenheit im Herbst später aufgegangen. Die Ernte sei aber nicht bedroht. Viele Bauern verzichteten in diesem Jahr gleich ganz auf die Aussaat von Raps, weiß er.

„Die Landwirte müssen sich immer Gedanken machen“, sagt Danne hinsichtlich der Perspektiven für den Anbau. „Wir müssen anbauen, was der Handel abnimmt. Die Vermarktung ist das A und O.“ Für Eiweißpflanzen wie Bohnen und Erbsen entwickle sich langsam ein Markt, für Flachs habe man dagegen in der Vergangenheit überhaupt keine Abnehmer gefunden. Der Öko-Landbau nehme zwar weiter zu, doch sei der Absatzmarkt dafür begrenzt und könne bei einem Überangebot zusammenbrechen.

Kein Mangel an Grünfutter

Die Hoffnungen liegen auf der Zucht von widerstandsfähigen Sorten, sagt er. Doch das gehe nicht so schnell. „Es gibt kaum noch Ertragszuwachs, aber es wird auf Gesundheit und Stressresistenz gezüchtet. Denn mehr Pflanzenschutzmittel einsetzen wollen wir Landwirte nicht. Und Gen-Technik will auch keiner.“ Außerdem versuche man, die Fruchtfolgen aufzulockern. Er selbst baue etwa Silo-Mais an einigen steilen Flächen an, doch das sei durchaus riskant, wenn man mit Starkregen rechnen muss.

Viel weniger dramatisch als im Vorjahr sieht die Situation für die hiesigen Weidetierhalter aus. Anders als in anderen Regionen, ist bisher kein Mangel an Grünfutter gegeben. „Wir haben hier Glück gehabt, der erste und zweite Schnitt Grassilage war gut. Der Dritte ist jetzt vertrocknet.“ Aber schon jetzt habe man mehr Futter geerntet als 2018, „da wurde jeder Halm gesucht“, erinnert sich Danne an das Dürrejahr.

Was die Bilanz für die Erntesaison 2019 angeht, sei entscheidend, was jetzt noch kommt, so der Ührder Landwirt. Er gibt sich zuversichtlich: „Wir wollen nicht jammern, es gibt immer auch etwas Positives. Die Ernte lief gut.“

Obstbauern ernten bereits Pflaumen

Für die Obstbauern geht die Ernte eine Woche früher als üblich mit den Pflaumen bereits weiter. Erträge und Qualität seien gut. Das sonnige Wetter der vergangenen Woche habe bei der schnellen Reifung der Früchte geholfen, teilte die Landwirtschaftskammer in Oldenburg mit.

Auf 300 Hektar werden in Niedersachsen Pflaumen und Zwetschgen angebaut, die meisten davon im Alten Land. Pro Hektar werden etwa 300 Bäume gepflanzt. Nach dem Anpflanzen braucht ein Baum etwa fünf Jahre, bis er den ersten richtigen Ertrag hat. Nach einer Lebensdauer von 25 Jahren werden neue Bäume gepflanzt.

Durchschnittlich werden in Niedersachsen pro Jahr rund 5000 Tonnen Pflaumen geerntet, die zum größten Teil über Wochenmärkte und Bauernläden verkauft werden. Aktuell liegt der Preis bei etwa 3,50 Euro pro Kilogramm. Ware in Supermärkten und Discountern komme vorwiegend aus Süddeutschland oder werde importiert, so die Kammer.

Von Martin Baumgartner

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