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Osterode Experten finden Hinweise auf große Toranlage
Die Region Osterode Experten finden Hinweise auf große Toranlage
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15:23 06.05.2019
Die Grabungsstelle. Es gibt schon einige Ideen, wie man die Toranlage in die neue Platzgestaltung einbinden und sichtbar machen kann.
Die Grabungsstelle. Es gibt schon einige Ideen, wie man die Toranlage in die neue Platzgestaltung einbinden und sichtbar machen kann. Quelle: Paetzold
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Osterode

. Die aufwendige archäologische Grabung am nördlichen Zugang von Osterode ist nach etwa vierwöchiger Grabungskampagne abgeschlossen. Ermittelt werden sollten Standort und Umfang des ehemaligen Johannistores, bevor der Platz vor dem Lenzschen Haus ab 2021 umgestaltet wird.

„Wir wissen jetzt, wie es in etwa ausgesehen hat“, zeigte sich Kreisarchäologe Dr. Stefan Flindt zufrieden mit den Ergebnissen. Die zuständige Grabungsfirma Arcontor aus dem Raum Braunschweig arbeitet derzeit am Grabungsbericht.

Es sind Fundamente nicht nur eines Tores aus dem 13. Jahrhundert, die die Archäologen freilegten, sondern die Reste einer ganzen Anlage aus unterschiedlichen Bauphasen. Der eigentliche überwölbte und mit einem steilen Satteldach versehene Torbau umfasst eine Fläche von rund acht Metern Breite und zehn Metern Länge, wobei die Zuwegung zur Toreinfahrt rechts und links von Mauern flankiert wurde und auf einer zu den Seiten abfallenden Rampe lag. Verteidigungstechnisch war das von Vorteil. Insgesamt ist die Anlage etwa 20 Meter lang, es wird vermutet, dass davor mindestens noch ein weiteres Tor angelegt war. Auch die Fundamente eines Tornebengebäudes wurden freigelegt.

Starke Wehranlage

„Es war eine mächtige Fortifikation, stärker als wir erwartet haben“, sagte der Kreisarchäologe, der noch weitere kleine Untersuchungen auf dem Areal ankündigte.

Es wird davon ausgegangen, dass die Anlage auch repräsentative Zwecke erfüllte und den Herren der gegenüberliegenden Burg bürgerlichen Stolz und Wehrhaftigkeit demonstrieren sollte. Ähnliche Anlagen befanden sich vermutlich am Marientor, dem Jacobitor und dem Neustädter Tor.

David Junker vom städtischen Bauamt hat schon einige Beispiele parat, wie man die Toranlage in die Platzgestaltung einbinden und sichtbar machen kann. Darüber wird in Osterode also noch zu diskutieren sein. Finanziert wurde die Grabungskampagne im Rahmen des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz mit Mitteln von Bund, Land und Stadt zu je einem Drittel.

Stadtrecht erhielt Osterode zu Anfang des 13. Jahrhunderts, der seitdem bestehende Ring der Stadtmauer konnte bis 1330 erweitert werden und schützte jüngere Stadtteile.

Mit der veränderten Waffentechnik wurden die Wehranlagen in der frühen Neuzeit zunehmend überflüssig, und so wurde auch das Osteroder Johannistor und die dort angrenzende Stadtmauer im Jahr 1799 geschleift.

Von Michael Paetzold

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