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Osterode Land wäre arm ohne ehrenamtliches Engagement
Die Region Osterode Land wäre arm ohne ehrenamtliches Engagement
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13:00 27.12.2018
Frank Uhlenhaut (rechts) mit dem Hattorfer Gemeindebürgermeister Frank Kaiser (2.v.l.) bei einer Spendenübergabe aus dem Ehrenamtsfonds der Harz Energie an den KKSV Hattorf. Bei solchen Terminen lernt Uhlenhaut Ehrenamtliche aus der ganzen Region kennen, hier den Vereinsvorsitzenden Walter Przybyrz (links) und Schießsportleiter Hans Peter Siegert. Quelle: Martin Baumgartner
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Osterode

Wenn Sie das Fördergeld aus dem Ehrenamtsfonds der Harz Energie verteilen, lernen Sie Ehrenamtliche aus der ganzen Region kennen, die sich auf ganz unterschiedlichen Feldern engagieren. Gibt es etwas, dass diese Menschen gemeinsam haben, eine Eigenschaft, die sie teilen?

Ich komme bei diesen Gelegenheiten in erster Linie mit den Vorsitzenden und dem engeren Vorstand zusammen. Als Koordinator bekomme ich jeden Tag förderungswürdige Projekte auf den Tisch, die sind sehr unterschiedlich. Was die aktiven Ehrenamtlichen verbindet, ist das unglaubliche Herzblut, dass sie in ihre Projekte stecken. Da kann man oft schon von Professionalität sprechen, was etwa den Zeitaufwand angeht, den sie investieren. Und da ist ein Idealismus, den ich bemerkenswert finde. Diese Menschen treiben das gesellschaftliche Leben in ihren Orten an.

Welche Motivationen haben die Menschen, sich zu engagieren?

Die Motive sind sehr unterschiedlich, da ist alles dabei: Jemand, der sich im Schützenverein einbringt, weil er selber gern schießt und eine Anlage dafür braucht. Oder jemand, der einfach Lust hat, anderen Menschen zu helfen. Gerade im sozialen Bereich ist das oft der Fall, eine Empathie für Menschen in Notlagen.

Nach welchen Kriterien wird die Förderung aus dem Ehrenamtsfonds gewährt?

Wir haben die Kriterien bewusst schlank gehalten. Eine Voraussetzung ist, dass eine Maßnahme noch nicht begonnen wurde oder eine Anschaffung noch nicht getätigt. Es gibt keine nachträgliche Förderung. Die Ortsräte und Bürgermeister, die uns die Vorschläge machen, wissen am Besten, wo die Förderung am sinnvollsten ist, das ist die wesentliche Qualitätsauswahl.

Welche Bedeutung hat Ehrenamt für unsere Gesellschaft? Wie sehe es ohne Ehrenamtliche aus?

Unser Land wäre sehr, sehr arm ohne ehrenamtliches Engagement. Man müsste sich mal vorstellen, wenn in einem Ort mal alle Ehrenamtlichen ihre Arbeit hinwerfen würden! Das gilt für die Städte genauso wie für die kleinen Dörfer. Ohne Ehrenamt gebe es keine Gemeinschaft. Es ist so viel, was Vereine an Angeboten für die Menschen ermöglichen, wie sie die Gemeinschaft fördern, den Austausch. Allein das ist schon ein unglaublicher Wert des Ehrenamts. Einsamkeit ist ja die neue Volkskrankheit, die würde noch stark zunehmen: Wie viele wären allein zuhause? Nehmen Sie mal als Beispiel die Kaffeenachmittage, die Vereine wie der Sozialverband organisieren - die sind sehr wichtig für die älteren Menschen.

Welche Ehrenämter hätten Sie selbst schon inne?

Zu Urzeiten war ich mal Jugendleiter im Kaninchenzüchterverein. In der Kommunalpolitik hatte ich verschiedenen Ehrenämter: Vorsitzender im Bürgerverein, Fraktionsvorsitzender im Rat, ehrenamtlicher Bürgermeister. Ich habe mich in der Kulturoffensive Südharz engagiert, ich war im Kreisvorstand der AWO und heute bin ich Kreisvorsitzender des SoVD. Ich finde es wichtig, ehrenamtlich tätig zu sein. Ich habe mir immer gesagt: Wenn es einem gut geht, sollte man der Gesellschaft etwas zurückgeben. Wir alle wollen eine funktionierende Gesellschaft und dafür muss man sich einbringen so gut es geht, der eine mehr, der andere etwas weniger.

Was hat Sie als Ehrenamtlichen am meisten genervt?

Der Bürokratismus! Der nimmt Ausmaße an, die es den Vereinen immer schwerer machen. An was man alles denken muss: Versicherungen, Genehmigungen, Datenschutz, Kassenprüfungen. Es sind so viele Dinge zu berücksichtigen, die teilweise auch Geld kosten. Wenn die Vereine da entlastet würden, das wäre nicht schlecht. Aber ansonsten macht Ehrenamt Spaß - ich kann es jedem empfehlen, es ist eine schöne Beschäftigung.

Verändert sich die Art, wie sich Menschen heute engagieren? Geht vielleicht sogar der Wille, sich zu engagieren, zurück?

Ich denke schon. Man sieht, dass sich ein Strukturwandel vollzieht. Vereine können Ämter nicht besetzen, es gibt weniger Freiwillige. Vorstandsposten zu bekleiden wird von vielen als unattraktiv gesehen. Das liegt auch an der Arbeitsverdichtung. Man will sich nicht mehr langfristig binden. Aber man findet immer noch freiwilliges Engagement, wenn es um einzelne Projekte und Kampagnen geht, die zeitlich befristet sind. Gerade wenn die Leute selbst von einer Sache betroffen sind, zum Beispiel wenn es um die Schließung einer Schule geht. Wenn Betroffenheit besteht, finden sich Menschen zusammen und fordern dann auch die Politik. Das passiert punktuell und dauert, solange die Situation besteht und bis ein Thema abgearbeitet ist. Vielleicht können sich Vereine auf so etwas einlassen: Nicht die Mitgliedschaft in den Mittelpunkt stellen, sondern projektbasiert arbeiten.

Das Wort Ehrenamt klingt selbst ziemlich bürokratisch, irgendwie typisch deutsch: Man übernimmt ein Amt; ein Verein braucht zwei bis drei Vorsitzende und eine Satzung und einen Schriftführer, Protokolle müssen geschrieben werden. Liegt da vielleicht eine Ursache der Probleme, vor denen viele Vereine stehen?

Ja, sicherlich. Was einem die Gesetze da alles auferlegen: Vorsitz, Kassenwart und Schriftführer, das sind die am schwersten zu besetzenden und unattraktiv wirkende Ämter, die ein permanentes Arbeitspensum mitbringen. Darum finde ich den Ansatz von Herbert Lohrberg vom Verein Dorfgemeinschaft Leben und Wohnen in Eisdorf (DoLeWo) sehr interessant: Er hat angeregt, dass mehrere Vereine in einem Ort einen Dachverband bilden mit einem gemeinsamen Vorstand und einzelnen Sparten. Da kann sicherlich einiges entschlackt werden: Eine Kasse braucht man dann nur einmal. Es macht Sinn, über diese Idee nachzudenken und zu anderen Strukturen zu kommen. In der Stadt Osterode wird zum Beispiel überlegt, eine gemeinsame Geschäftsstelle für die Vereine zu installieren, um die Ehrenamtlichen so zu entlasten.

Heute können viele öffentliche Einrichtungen, seien es Schwimmbäder oder Schulen oder sogar die Feuerwehren anscheinend nur noch richtig funktionieren, weil spezielle Förderverein sie unterstützen. Verlassen sich der Staat und die Kommunen zu sehr auf das Engagement der Gesellschaft?

Da muss man differenzieren. Bei den Feuerwehren wird schon das Notwendige und gesetzlich Vorgegebene von den Kommunen finanziert - auch wenn das Wünschenswerte manchmal mehr wäre. Bei den freiwilligen Leistungen müssen die Kommunen schauen: Wo stecken wir das wenige Geld, das wir verteilen dürfen, hin? Und darüber entscheiden letztlich auch Ehrenamtliche, die in den Räten sitzen. Oft reicht das Geld einfach nicht und da finden sich dann Fördervereine, die etwas wichtig finden. Bürger müssen sich engagieren, wenn sie etwas aufrechterhalten wollen.

Gibt es Themen, wo es an ehrenamtlichem Engagement mangelt?

Die gibt es mit Sicherheit. Aber es gibt ja eigentlich doch in allen möglichen Bereichen Engagement. Ob das immer ausreicht, ist etwas anderes. Die meisten Bereiche könnten sicher noch mehr Ehrenamtliche gebrauchen. Man kann jedenfalls nicht sagen: Es gibt genug Ehrenamtliche. Und auch in der Kommunalpolitik ist es wichtig, sich zu engagieren. Da fehlt es an Leuten. Das ist ja auch nicht vergnügungssteuerpflichtig.

Wie kann man das Ehrenamt stärken?

Die offene Sozialwerkstatt des SoVD-Kreisverbandes Osterode hat sich intensiv mit der Förderung des Ehrenamtes beschäftigt. Wir setzen uns mit einem Antrag auf der SoVD-Landesverbandstagung dafür ein, eine Initiative zu starten, um das Ehrenamt in die Landesverfassung aufzunehmen. Wir sind überzeugt, dass die Politik, das Land und die Kommunen sich dieses Themas annehmen müssen. Und das muss über gute Worte hinausgehen. Eine Aufnahme in die Landesverfassung bedeutet: Staatsauftrag. Bayern hat das schon getan, dort wurden Ehrenamtszentren gegründet.

Ehrenamtliche prägen das Leben in den Kommunen, aber die personelle Decke wird dünner. Da muss sich die Politik Gedanken machen, wie diesem Trend entgegengewirkt werden kann. Es bedarf einer professionellen Unterstützung der Ehrenamtlichen.

Wir hoffen, dass wir zumindest eine Diskussion darüber anstoßen können, welche Hilfestellung man geben kann, um die Ehrenamtskultur zu bewahren. Ich wünsche mir Unterstützung von den Kommunen und dem Landkreis, wenn wir diese Initiative starten.

Von Martin Baumgartner / Harz Kurier

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