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Osterode Resolution für zeitgemäßen Denkmalschutz
Die Region Osterode Resolution für zeitgemäßen Denkmalschutz
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15:47 22.03.2019
Viele denkmalgeschützte Gebäude in Osterode. Quelle: R
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Osterode

Eine derartige Ratsresolution brachte am Donnerstag auf Anregung der Gruppe SPD/Grüne der Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung mit einem einstimmigen Votum auf den Weg. Eine Zustimmung des Rates am Donnerstag nächster Woche gilt als Formsache.

Investitionen werden verhindert

Hintergrund sind Probleme mit der Denkmalschutzbehörde des Landkreises, deren Arbeit in Osterode als Hemmschuh bei der Stadtentwicklung gesehen wird. Ausschlaggebend für den aktuellen Vorstoß war, so führte es Almut Mackensen von den Grünen aus, eine Petition an den Landtag, mit der sich die Inhaberin der denkmalgeschützten aber baufälligen Breme-Villa im Ortsteil Freiheit gegen ein Abrissverbot der Unteren Denkmalschutzbehörde wehren will. Inzwischen hat eine Vertreterin des Petitionsausschusses das Bauwerk besichtigt.

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„Bei uns werden die Verfahren unnötig in die Länge gezogen und Investitionen verhindert“, stellte Mackensen fest und zitierte Juliane Hofmann von der Geschäftsstelle des Fachwerk-Fünfecks, andere Denkmalpfleger verstünden sich eher als Dienstleister. In der Resolution wird ausdrücklich die Bedeutung des Denkmalschutzes bei der Erhaltung der unwiederbringlichen historischen Aspekte der Fachwerkstädte in Südniedersachsen gewürdigt. Aber: „Denkmalschutzrechtliche Vorschriften und lange Verfahren dürfen nicht dazu führen, dass die Hürden für praktischen Denkmalschutz zu hoch werden und langjähriger Stillstand herrscht, weil Eigentümer dauerhaft überfordert werden.“ Wenn Investitionen durch eine anschließende Nutzung der Gebäude nicht erwirtschaftet werden könnten, blieben Investitionen aus und Gebäude würden vernachlässigt, Eigentum werde aufgegeben, oder das Erbe ausgeschlagen mit der Folge von Leerstand und Verfall.

Älter werdende Bevölkerung

Für Osterode besteht wegen einer älter werdenden Bevölkerung, überproportionaler Abwanderung junger Menschen und der Lage in einer strukturschwachen Region ohnehin ein problematisches Umfeld, in dem sich aus einer strengen Auslegung des Denkmalschutzrechtes und langwierigen und teuren denkmalschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren ein zusätzlicher entwicklungshemmender Faktor ergebe.

„Der Rat sieht in der Handhabung des Denkmalschutzes eine Gefährdung für die zeitgemäße Fortentwicklung der Stadt als Ganzes und der historischen Innenstadt im Besonderen“, heißt es in der Resolution über mögliche Folgen. Die Städte in Südniedersachsen bräuchten stattdessen dringend eine verbesserte Perspektive für die wirtschaftliche und moderne Entwicklung der historischen Bauwerke, „weil wir uns der Verantwortung für unser historisches Erbe bewusst sind.“ Sollte die Resolution beschlossen werden, will der Rat eine gemeinsame Stellungnahme der Fünfeckstädte zum Thema „Zeitgemäßer Denkmalschutz“ anregen. Die Ratsresolution aus Osterode wird dem Landtag zugehen und soll die Petition flankieren.

Von Michael Paetzold