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Osterode Wenzel nach Gedenkstättenbesuch: Nach Halle ist Blick in die Geschichte wichtiger denn je
Die Region Osterode Wenzel nach Gedenkstättenbesuch: Nach Halle ist Blick in die Geschichte wichtiger denn je
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21:03 18.10.2019
Die Dimensionen der alten Stollen von Mittelbau-Dora lässt sich am Modell erahnen. Quelle: Eichner-Ramm
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Nordhausen

„Angesichts der aktuellen Ereignisse in Halle ist ein Blick in unsere Geschichte wertvoller denn je“, betonte Stefan Wenzel nach dem gut vierstündigen Rundgang in der Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen. Auch die neuen Funde an der niedersächsisch-thüringischen Grenze bei Ellrich sowie eine neue TV-Dokumentation über Hans Kammler, der maßgeblich für die Rüstungsanlagen in den Stollen von Mittelbau-Dora verantwortlich war, hatten den Göttinger Grünen-Landtagsabgeordneten dazu bewogen, eine Führung im früheren KZ Mittelbau-Dora zu organisieren. 25 Parteifreunde Wenzels aus den Landkreisen Göttingen und Northeim nahmen am Freitag an dem geführten Rundgang teil.

Wenzel hat zu Mittelbau-Dora und Nordhausen eine ganz persönliche Beziehung. Sein Vater sei in Nordhausen geboren worden, so Wenzel. Anfang der 90er-Jahre habe er Mittelbau-Dora das erste Mal besucht, erinnert sich der Grünen-Abgeordnete und frühere niedersächsische Umweltminister. „Damals war hier nicht mehr als eine Wiese und alte Schilder aus DDR-Zeiten“ – kein Vergleich zu einem weiteren Besuch im Frühjahr 2019.

Bilder vom Rundgang

Grüne aus Südniedersachsen besuchen Gedenkstätte im Rahmen einer Führung

Längst hat sich der Umgang mit der Erinnerungskultur geändert. Mithilfe der Förderung von Bund und Freistaat Thüringen wurde die Gedenkstätte 2000 neu konzipiert, erfuhr die Besuchergruppe von Felix Roth. Der 30-jährige frühere Lehrer für Geschichte und Geografie arbeitet seit einigen Jahren fest bei der Gedenkstätte. Auf eindrückliche Art und Weise vermittelte er geschichtliche Fakten, gab einen Überblick über die verschiedenen Teile des Lagers und sprach vor allem darüber, wie es den Menschen hier ergangen ist – den Häftlingen wie den Wachleuten. Und über die Verzahnungen mit der zivilen Welt. „Das war nicht zu trennen“, machte Roth klar.

Auch das Verhältnis der Nordhäuser zu dem, was da seinerzeit direkt in der Nachbarschaft vorging, kam während der Führung zur Sprache. Es habe Beziehungen zu den Einwohnern gegeben, so Roth und nannte den Handel wie auch Hochzeiten als Beispiele.

DDR hatte eigene Deutung der Stätte“

Dass die DDR eine „eigene Deutung der Stätte“ hatte und wie man mit der Geschichte von Mittelbau-Dora umging, erfuhr die Gruppe von Roth ebenfalls. Bis heute gebe es sehr unterschiedliche Wahrnehmungen, sagte Roth und wunderte sich, dass an der Zufahrt Fahrschulen mit ihren Schülern das Anfahren am Berg übten oder Menschen das Gelände der Gedenkstätte als Joggingstrecke oder zum Hundausführen nutzten.

Auf dem Gelände der Gedenkstätte Mittelbau Dora bei Nordhausen. Quelle: Eichner-Ramm

Das mag daran liegen, dass nur noch wenige Gebäude des früheren Lagers erhalten sind und das Areal auf den ersten Blick wie ein großer Park anmute, so Roth. Dennoch handle es sich um eine Gedenkstätte, was den Besuchern ein Rundgang durch die Dauerausstellung im Besucherzentrum vor Augen führte.

Die Stollen im KZ Mittelbau-Dora

Raketenschrott im Stollen. Quelle: Eichner-Ramm

Vor allem die Besichtigung der Stollen hinterließ bei der Besuchergruppe Eindruck. Die Dimensionen der Produktionsstätte für Raketentechnik (V1- und V2-Raketen) im Berg, verblüfften. Insgesamt summierte sich das unterirdische System auf fast 15 Kilometer. Die KZ-Häftlinge, die die Stollen anlegen mussten, waren Kälte und permanenter Feuchtigkeit ausgesetzt und mussten sogar unter Tage schlafen – unter menschenunwürdigen Zuständen, wie die Schilderungen Roths klar machten. Kaum besser dran waren jene Zwangsarbeiter, die die Raketenwaffen montieren mussten.

Nachbarschaft, aber „jenseits der Wahrnehmung“

Dauerausstellung im Besucherzentrum. Quelle: Eichner-Ramm

Mittelbau-Dora liegt in unmittelbarer Nachbarschaft, so Wenzel, und viele ehemalige Außenlager liegen im heutigen Landkreis Göttingen. Es sei ihm ein Anliegen, zu gucken, welche Drähte es nach Niedersachsen gibt. Durch die Landesgrenze liege zum Beispiel Mittelbau-Dora für manchen bisher „jenseits der Wahrnehmung“, so der Grünen-Politiker. Tatsächlich war es für einige seiner Begleiter der erste Besuch in dem Lager bei Nordhausen, für manche sogar der erste Besuch in einem KZ.

Eine Teilnehmerin der Führung berichtete im Einführungsgespräch mit Roth, dass ihr erst beim Besuch einer Sonderausstellung in Bad Sachsa bewusst geworden sei, „wie nah das alles beisammen ist“. Dora könne nicht isoliert betrachtet werden, sagte Roth. Tatsächlich habe die SS ein großes KZ-System von Dora aus eingerichtet, dass bis in den Göttinger Raum und den Westharz reichte, bestätigte Roth.

Die Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Geschichte und Gegenwart

„Dora“ wurde im Sommer 1943 als Außenlager des KZ Buchenwald gegründet, als die Raketenproduktion von Peenemünde in vor Luftangriffen geschützte Stollenanlagen bei Nordhausen verlagert wurde. Später kamen weitere Rüstungsprojekte hinzu. Zehntausende KZ-Häftlinge mussten 1944/45 unterirdisch Zwangsarbeit leisten. Um sie unterzubringen, wurden von der SS neue KZ-Außenlager eingerichtet, die im Herbst 1944 mit dem Lager Dora zum dann selbstständigen KZ Mittelbau zusammengefasst wurden. Mittelbau-Dora ist heute Gedenkstätte und Lernort. 2006 wurde eine Dauerausstellung eröffnet, die Mittelbau-Dora zum einen als „Modellfall von Zwangsarbeit und Untertageverlagerung“, zum anderen aber auch als „Beispiel für die enge Einbindung der Konzentrationslager in die deutsche Gesellschaft“ darstellt. Im Spätherbst 1944/45 begann die Auflösung des KZ Mittelbau, im April 1945 ließ die SS die meisten Lager räumen. Am 11. April wurde das KZ Mittelbau von amerikanischen Truppen befreit. Von August 1943 bis März 1945 wurden rund 60000 Häftlinge in die Mittelbau-Lager verschleppt.

Die Informationen stammen von der Website der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora (buchenwald.de). Die Gedenkstätte Mittelbau-Dora liegt bei Nordhausen. Die Anfahrt ist ausgeschildert. Geöffnet ist außer montags von 10 bis 16 Uhr (Oktober bis Februar) beziehungsweise bis 18 Uhr (März bis September). Die Außenanlagen können täglich bis Einbruch der Dunkelheit besichtigt werden, die Stollen sind nur im Rahmen einer Führung zu sehen. Informationen unter Telefon 03631/495820.

Die Autorin erreichen Sie per E-Mail an b.eichner-ramm@eichsfelder-tageblatt.de oder unter Telefon 05527/9499712.

Von Britta Eichner-Ramm

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